Observations by Peter Hossli, a curious reporter who always finds a good story

Amerikaner wütend wegen Gerüchten

Spektakulär klangen die Schlagzeilen der letzten Wochen zum Steuerstreit mit den USA. «Eck­werte für Deal mit USA stehen», titelte die «NZZ am Sonntag».

Der Aargauer «Sonntag» wusste: «Steuerstreit mit USA: Schweiz ­kapituliert». Die Zeitung berichtete: «Staatssekretär Michael Ambühl hat im Steuerstreit mit den USA eine Lösung gefunden.» Die sei nicht sonderlich gut und bedeute «das Ende der Globallösung».

Am Freitag titelte die NZZ: «Bundesrat vertagt Entscheid». Dabei hat der Bundesrat nichts zu entscheiden. Die Verhandlungen laufen noch. Ein Ergebnis fehlt. Eine Kapitulation gibt es nicht. Die Globallösung bleibt auf dem Tisch. Gerade weil der Bundesrat zu vielem nicht Ja sagt, zieht es sich hin.

Die Gerüchte in der Presse aber irritieren und ärgern die Unterhändler von US-Justizminister Eric Holder. Sie vermuten, Schweizer Diplomaten streuten Indiskretionen. Das schürt Misstrauen. Misstrauen ist Gift in der Diplomatie.

Die USA verfolgen genau, was die Schweizer Presse berichtet. «Es gehört zu unseren Aufgaben, alles zu lesen und Washington zu berichten, was über die USA geschrieben wird», sagt der Sprecher der US-Botschaft in Bern, Alexander Daniels. «Beim Thema Banken sind wir besonders aufmerksam.» Ob US-Dip-lomaten verärgert sind, will er weder bestätigen noch dementieren.

Oft beflügeln vom Bund in Auftrag gegebene Abklärungen die ­Gerüchte. Zur Presse gelangen sie ohne Zutun von Diplomaten und ohne Kontext. Die Ironie: Jahrelang versorgte die US-Regierung die US-Presse mit Details zu Steuerhinterziehern – und erhöhte so den Druck auf Schweizer Banken. Die Schweiz verhandelt diskret – und leidet unter Gerüchten, verbreitet von der Schweizer Presse.

SonntagsBlick, 21. April 2013

Neuer Anwalt für Reto T.

Reto T.* hat einen neuen Strafverteidiger. Der einstige IT-Mitarbeiter der Bank Sarasin wird seit dem 21. März vom Zürcher Anwalt Viktor Györffy (45) vertreten, wie der bestätigt.

T. ist eine Schlüsselfigur im Fall Hildebrand. Zusammen mit dem Thurgauer SVP-Kantonsrat Hermann Lei zeigte er alt Bundesrat Christoph Blocher Auszüge von Philipp Hildebrands Sarasin-Konto. Sie belegen private Dollar-Geschäfte des Ex-SNB-Präsidenten. Gegen T., Blocher und Lei laufen Strafuntersuchungen wegen möglicher Verletzung des Bankgeheimnisses oder der Anstiftung dazu. Gegen Lei wird zudem wegen Verletzung des Anwaltsgeheimnisses ermittelt.

* Name der Redaktion bekannt | SonntagsBlick 14.4. 2013

Wenn ein Wort nicht mehr gilt

Von Peter Hossli

Der Chef der liberalen Denkfabrik weiss, was zu einer Demokratie gehört. «Fragen Sie mich, was Sie wollen», grüsst Alois Zwinggi im Davoser Alpen-Hotel. Er ist Direktor des Weltwirtschaftsforums, das sich alljährlich im Landwassertal trifft. «Wir haben nichts zu verbergen.» Das Interview verläuft gut, ist ein anregendes und offenes Ping-Pong aus frechen Fragen und kurzen, klaren Antworten.

Bis die Pressesprecherin des Direktors einschreitet: «Wann schicken Sie uns den Text? Wir wollen das Gut zum Druck geben.»

Genau. Pressesprecher verlangen, Interviews abzusegnen bevor sie in den Druck gehen.

Häufig ist das Teil der Vereinbarung zwischen Interviewer und Interviewtem. Eine Art Vertrag, der meist noch weiter geht. So sichern sich hochbezahlte Pressesprecher das Recht, ganze gesagte Passagen zu streichen, sie umzuschreiben oder neue hinzuzufügen. Nur unter diesen Bedingungen gewähren sie Interviews mit ihren Chefs. Ihr Ziel: Die absolute Kontrolle über das, was publiziert wird.

Schreibt der Journalist ein Porträt mit Zitaten, genügt es oft nicht mehr, das Gesagte zur Autorisierung vorzulegen. Pressesprecher verlangen den ganzen Text, damit sie zusätzlich Einfluss auf den Kontext ausüben können.

Verträge sind natürlich zweiseitig. Will heissen: Journalisten lassen sich auf solche Bedingungen ein. Sie glauben, sonst keine Interviews zu erhalten. Der abtretende Schweizer Bundesrat Moritz Leuenberger verlangte im Oktober 2010, ein Abschiedsgespräch mit ihm müsse im vorderen Teil der Zeitung erscheinen, nicht im Magazin. Die Journalisten gehorchten – der Medienminister konnte also bestimmen, auf welcher Zeitungsseite das Interview erscheint. «Uns ist die Beziehung zum Pressesprecher wichtig», rechtfertigte sich einer der beteiligten Journalisten.

Für den Medienanwalt des Hauses Ringier, Matthias Schwaibold, hat sich die «Unkultur des Gegenlesens zur Hochkultur erhoben». Schuld seien nicht zuletzt die Journalistinnen und Journalisten. Zu oft überlassen sie Pressesprechern die Hoheit über ihre Texte. «Es schleicht sich ein Rechtsanspruch aufs Gegenlesen ein», sagt Schwaibold. Einen solchen aber gibt es juristisch nicht.

Das Interview mit WEF-Direktor Zwinggi war längst gelayoutet, die Schlagzeile gesetzt, als die revidierte Fassung zurückkommt. Prompt hat die Pressesprecherin die kernigste Aussage gestrichen: «Wir wollen keine Stars am WEF.»

Es folgte eine Verhandlung, der sich Journalisten selten stellen. «Herr Zwinggi war sich plötzlich nicht mehr sicher, ob er das wirklich in der Zeitung lesen möchte», erklärte die Pressesprecherin die Streichung. Er sagte es so, erwidere ich. «Ja, das stimmt», sagt sie. Wir drucken, was er gesagt hat. Die Pressesprecherin schluckt leer. «Ich melde mich.» Fünf Minuten später ruft sie zurück, lässt das Zitat stehen. Offenbar besann sich Zwinggi auf sein Grusswort – «Sie können fragen, was Sie wollen» – und setzte sich über die Pressesprecherin hinweg.

An einem Morgen am WEF in Davos, mitten im Kongresszentrum. Ein Ort, wo oft spontane Interviews entstehen. Mitten im Raum steht leger der VR-Präsident der Credit Suisse, Urs Rohner. «Guten Tag, wir sind Journalisten der Blick-Gruppe, würden Sie gerne befragen», stellen eine Kollegin und ich uns vor, halten je ein Aufnahmegerät hin. «Legen Sie los, ich habe wenig Zeit», sagt Rohner. Eine erste, eine zweite, eine dritte Fragen. Die sechste ist kritisch. «Wann ist der Steuerstreit mit den USA gelöst?» Der CS-Präsident beantwortet sie nicht, verabschiedet sich, steht ein paar Sekunden später aber wieder vor den Mikrofonen: «Letztlich kann man jedes Problem lösen.» Das Interview ist im Kasten. Am nächsten Tag steht es in der Zeitung, wie das Band es wiedergibt.

Drei Wochen später meldet sich der Kommunikations-Chef der Bank. «Es geht nicht, dass Sie Urs Rohner so überfallen.» – «Das war kein Überfall, sondern ein Interview am WEF, wir haben das deklariert, alles ist auf Band.» – «Konnte er das Gespräch gegenlesen?» – «Er hat nicht danach gefragt.» – «Das ist eine Schelmenausrede.»

Nicht aus Sicht von Medienanwälten. Wer nicht ausdrücklich fragt, hat kein Recht aufs Gegenlesen.

Eine andere Begegnung am WEF zeigt eine andere Kultur. Zufällig geht der US-Milliardär und Computer-Fabrikant Michael Dell über die Strasse. «Guten Tag, Mister Dell, haben Sie Zeit für ein kurzes Interview?» – «Natürlich, leider habe ich meinen Mantel drinnen gelassen, allzu lange halte ich es in dieser Kälte sicher nicht aus.» Er gibt Auskunft, verabschiedet sich. Das Interview erscheint am nächsten Tag. Niemand regt sich auf.

Zwölf Jahre lang war ich Korrespondent in den USA. Nie musste ich ein Interview zur Autorisierung vorlegen, nie hat sich jemand beschwert über ein Gespräch. Es gilt das gesprochene Wort. Journalisten schreiben, was sie hören. Interviewte stehen zu dem, was sie sagen. Es braucht keinen Vertrag. Alle verhalten sich wie Profis – und wehren sich, wenn das nicht mehr stimmt.

Unter US-Präsident Barack Obama jedoch hat sich das Absegnen von Zitaten eingeschlichen. So geben Mitglieder seines Kabinetts kaum Interviews ohne sie gegenlesen zu dürfen.

Dagegen wehrt sich die weltweit wichtigste Zeitung. Die «New York Times» verbietet ihren Journalisten seit September 2012 partout, Zitate vor der Publikation von Gesprächspartnern gegenlesen und verändern zu lassen – weil die Praxis «zu viel Kontrolle über den journalistischen Inhalt in die falschen Hände» lege, begründete die «New York Times»-Chefredaktorin Jill Abramson die neuen Richtlinien. Es bestehe das Risiko, «dass unsere Leser den falschen Eindruck haben, wir gäben die Kontrolle über eine Geschichte unseren Informanten ab.»

Reporter der «New York Times» müssen Interviews ablehnen, wenn Pressesprecher das Gut zum Druck geben wollen. Sie nehme in Kauf, «Interviews nicht zu erhalten», sagte Abramson. Es sei denn, es handle sich um wirklich wichtige Informationen zur Sicherheit des Landes.

Die Kontrolle der Berichterstattung müsse bei den Journalisten liegen, sagt Abramson. «Reporter dürfen nicht zu Bittstellern werden.»

Eine Übersicht von Interviews

Dieser Text erschien ursprünglich im Ringier-Mitarbeiter Magazin DOMO

Chronologie einer Berichtigung

Am 3. Dezember 2012 veröffentlichte DER SPIEGEL ein Interview mit Axel Weber. Darin sagte der UBS-Präsident: «Ich treffe Walter-Borjans diese Woche zum Abendessen. Ich sehe dem freudig entgegen.» BLICK wollte wissen, wo und wann das Treffen zwischen UBS-Mann und dem Finanzminister von Nordrhein-Westfalen stattfindet. «No comment », liess die Pressestelle der Schweizer Grossbank ausrichten.

Die NZZ am Sonntag berichtete am 9. Dezember über das Treffen. «Bei einem gemeinsamen Essen warb er [Axel Weber] am Freitag beim nordrhein-westfälischen Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) um Zustimmung.»

Kurz vor Weihnachten gewährten Weber und UBS-Chef Sergio Ermotti SonntagsBlick ein Interview, publiziert am 23. Dezember 2012. Auf das Essen mit Walter-Borjans angesprochen, antwortete Weber: «Das Nachtessen fand nicht statt. Der Flieger nach Düsseldorf blieb im Schnee stecken.»

Dabei hatte die NZZ am Sonntag doch berichtet, das Essen hätte stattgefunden. Die Diskrepanz fiel Twitterer Newsmän auf. Er setzte am 23.12. 2012 einen ersten Tweet ab – und wollte von der NZZ wissen, ob es das Treffen Weber/Walter-Borjans gab. «Danke für den Hinweis», antwortete die NZZ am 3. Januar 2013. «Wir klären den Fall ab.» Newsmän: «Danke.» Newsmän am 16. Januar: «Habt ihr etwas rausgefunden bezüglich Treffen #Weber #Borjans?» NZZ: «sind noch dran. Wir werden die Änderungen bekannt geben.» Newsmän: «danke. dann wart ich ab.»

Am 26. Februar fragte Newsmän erneut nach: «Immer noch in Abklärung? Die Monate verstreichen… Treffen #borjans #axelweber.» Doch die NZZ hatte eine Antwort parat: «Laut der Autorin des Artikels wurde das Treffen geplant, es fand jedoch nicht statt.» Auf der NZZ-Website war eine Korrektur angebracht:

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung dieses Artikels hiess es, «Axel Weber, Präsident des UBS-Verwaltungsrates, setzte sich ein weiteres Mal für das Abkommen ein. Bei einem gemeinsamen Essen warb er am Freitag beim nordrhein-westfälischen Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) um Zustimmung». Tatsächlich wurde das Treffen lediglich angekündigt. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten um Entschuldigung.

Newsmän war zufrieden: «Danke. Wann habt ihr den Artikel angepasst? Denke die Autorin wird einen Lerneffekt davontragen.» NZZ: «ca. zwei Wochen.»

Die UBS hat 2014 wohl ausgerast

Schnelle Flitzer, laute Motoren und Kurven: Gehört das wirklich zum angestrebten seriösen Image der UBS? Schätzungsweise 50 Millionen Franken kostet das Sponsoring der Formel 1 jährlich. Eingeführt hatte es der damalige UBS-CEO und Formel-1-Fan Oswald Grübel. Der neue Chef Sergio Ermotti sagt zu BLICK: «Wir werden das Formel-1-Sponsoring von Grund auf überdenken.» So wie alles der Bank durchleuchtet werde. Noch ist die Formel 1 Kernstück des internationalen Sponsoring-Portfolios der UBS. «Der Sponsorvertrag wird 2014 auslaufen», sagte Ermotti aber gestern – und hob das Sponsoring für die Schweizer Jugend und den Tourismus hervor.

Blick, 6. Februar 2013

“Wo sind die Jobs, die wir brauchen?”

Interview: Peter Hossli und Claudia Gnehm

Freitagnachmittag vor dem Kongresszentrum in Davos. Wer ist das bekannte Gesicht auf der anderen Seite der Strasse? Oh ja, Michael Dell (47), Gründer und Chef von Dell Computer, dem weltweit drittgrössten Computerhersteller. Er war 19 Jahre alt, als er 1984 die Firma mit 1000 Dollar startete. Heute beläuft sich sein Vermögen auf 14,6 Milliarden Dollar. «Guten Tag, Mister Dell, haben Sie Zeit für ein kurzes Interview?» – «Natürlich, leider habe ich meinen Mantel drinnen gelassen, allzu lange halte ich es in dieser Kälte sicher nicht aus.»

Dann legen wir sofort los. Es gibt Gerüchte, dass sich Dell von der Börse zurückzieht und schon bald zu einer privaten Firma wird. Ist das wahr?
Michael Dell: Vielen Dank für diese freundliche Frage, aber dazu sage ich nichts. Gegenfrage: Benutzen Sie bei Ihnen auf der Redaktion denn Computer von Dell?

Nur noch Dell-Bildschirme.
Auch das schätze ich sehr. Wir wollen, dass Unternehmen unsere IT-Lösungen nutzen. Wir sind sehr gut aufgestellt, konnten unseren Umsatz in den letzten fünf Jahren von 14 auf 20 Milliarden Dollar steigern – und haben über 20 Firmen angekauft.

Was ist aus Ihrer Sicht die grösste Herausforderung der Weltwirtschaft?
Weltweit ist das Wachstum zu gering, die Jugendarbeitslosigkeit ist zu hoch. Wo sind die Jobs geblieben, die wir dringend bräuchten? Es gibt zu viele Länder, die stagnieren, vor allem hier in Europa.

Was bringt denn das WEF, um diese Probleme anzugehen?
Ein Treffen allein kann sie sicher nicht lösen. Die Diskussionen sind aber hilfreich, die Probleme zu verstehen. Zudem treffe ich viele Kunden und Geschäftspartner, schliesse in Davos Deals. Das kann das Wachstum ankurbeln.

Viele sagen, dieses Jahr sei das WEF ruhiger als sonst. Einverstanden?
Seit 18 Jahren komme ich jedes Jahr nach Davos. Heuer fürchtet sich niemand vor dem Kollaps Griechenlands, deshalb ist es ruhiger. Sorry, jetzt ist mir kalt. Bye-bye!

Merkel und Clinton sind seine Gäste

Michael Hoferer (55) hat schon Jassir Arafat, Kofi Annan und den Prinz von Dubai beherbergt. Das war vor einem Jahrzehnt, als Direktor des «Waldhuus» und des «Seehof», beides Topunterkünfte des Davoser Weltwirtschaftsforums.

Seit dem Sommer führt der einstige Kochlehrling das Fünfsternehotel Belvédère, das Herz des WEF, in dem ab 22. Januar 220 Anlässe stattfinden. Angela Merkel, Bill Clinton und Bill Gates sind seine Gäste, verrät der Deutsche, der bald den Schweizer Pass beantragen will. WEF-Präsident Klaus Schwab habe entschieden, wo «meine Bundeskanzlerin übernachtet», so der Hotelier. Am WEF will er «die Schweiz im besten Licht zeigen».

Hoferer ist sehr zufrieden mit dem Saisonauftakt. Etliche Gäste kämen schon seit 30 Jahren – sie kennen das Hotel teilweise besser als er selbst. Nach dem kurzen Gastspiel seines Vorgängers will der hochgewachsene Hotelier Stabilität in das knapp 100 Zimmer grosse Haus bringen, vermehrt lokale Lieferanten berücksichtigen und seine Wirkungsstätte als «junges Grand Hotel» positionieren – unter anderem mit einem Höhencamp für Triathleten im Sommer.

SonntagsBlick; Foto: Daniel Ammann

Begegnungen 2012

Journalismus ist gut, wenn er aktuelle Themen mit Menschen plausibel darstellt. Das habe ich im vergangenen Jahr als Autor der Blick-Gruppe gemacht. Grossem Dank verpflichtet bin ich den Menschen, die mir ihre Zeit gaben.

Eine Auswahl von Begegnungen 2012

Januar

Mit dem Marathon-Man bei den Mächtigen
Mittwochabend, 17.38 Uhr. Ein SMS aus Bern erreicht den Reporter in Davos. «Wir fliegen jetzt ab, Landung zwischen 19 Uhr und 19.10 Uhr.» Zwei Minuten später: «Abgehoben um 17.40 Uhr.»

Mit dem Helikopter der Schweizer Armee fliegt Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann (59) von Bern nach Davos. Vier Tage lang wirbt er in der verschneiten Alpenstadt für die Schweizer Wirtschaft, am Weltwirtschaftsforum, dem Tummelplatz der Reichen und Mächtigen.

Kurz vor 19 Uhr landet der Bundesrat. Einen Bauernhof haben die Davoser zum ­Heliport umgestaltet. Man riecht es. Bei jeder Landung wirbeln Rotoren den Schnee auf, der auf gefrorener Gülle liegt.

Schneider-Ammann besteigt eine schwarze Limousine, braust ins ­Hotel Schweizerhof. Dicht dahinter folgt ein Wagen der Polizei, ein dritter befördert seine Berater. mehr

Januar | Februar | März

Der Fall Hildebrand

“Der alt Bundesrat weiss nicht mehr, als was in der Presse steht”

“Ich habe Fehler gemacht, und ich bedauere es”

Was der Whistleblower wirklich wollte

Jede Affäre hat ihr Bild

“Ich bin das kleinste Zahnrad”

Die Welt der globalen Nomaden

Wer hat dieses Dokument fabriziert?

Es ging um Geld & einen Job – und viele mehr

April

Ich bin der Affe, der auf den Baumkronen rumturnt
Peter Maurer befreite die Geiseln aus Libyen, etablierte die Schweiz bei der Uno. Jetzt verliert das Land seinen cleversten Staatsdiener. Als Präsident beim Roten Kreuz erklimmt er den Olymp globaler Diplomatie.
Bern bricht auf ins lange Wochenende. Eilig verschwinden Beamte unter den Lauben. «Frohe Ostern», wünscht Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann einem Passanten vor dem Bundeshaus. Wind und Regen zerzausen sein Haar. Dann ist auch er weg.

Einer nur scheint am Gründonnerstag, um 16 Uhr, noch zu arbeiten: Peter Maurer, Staatssekretär im EDA, liest in seinem Büro im Bundeshaus West Akten. Als einer der fleissigsten Staatsdiener gilt die Nummer zwei im Aussenamt. Nie schläft er länger als vier Stunden. Sagt von sich, Stress nicht zu kennen, da er täglich 20 Stunden wache Zeit habe. mehr

Soldat Luca, kein Opfer, kein Held
Kerngesund und voller Optimismus geht Luca Barisonzi mit 18 zur Armee. Mit 20 schiesst ihn ein Afghane in den Hals. Jetzt ist der italienische Grenadier gelähmt und lässt sich in Nottwil pflegen.

Sanft schiebt die Mutter ein Brett unters Gesäss ihres Sohnes. Ein Pfleger zieht ihn darauf vom Bett in einen Rollstuhl. Plötzlich scheppert das Brett zu Boden. «Besser das Holz fällt runter als Luca», sagt die Mutter. Sie umarmt ihn zärtlich.

Luca ist der Obergefreite Barisonzi (22), ein italienischer Grenadier in Schweizer Pflege. Seit sechs Monaten lebt er im Paraplegiker-Zentrum im luzernischen Nottwil.

Sein Rollstuhl steht in einem Einzelzimmer im Trakt B. Am Balkon hängt eine italienische Tricolore. «Ich kann nicht mehr gehen, ohne Hilfe kann ich nichts essen», sagt Luca. Er ist querschnittgelähmt. «Aber ich kann mich noch kratzen, und den Kopf habe ich noch.» mehr

 

Zum Glück ist morgen wieder Montag
In seinem neusten Buch untersucht der Philosoph Alain de Botton die Arbeitswelt. Er sagt, warum unglückliche Eheleute bessere Arbeiter sind, eine schwierige Kindheit ihre guten Seiten hat, Sex den Arbeitsplatz vergiftet – und warum er kein Sushi mehr isst.
Was arbeitet einer, der bloss schreibt? «Ich verschiebe die Buchstaben des Alphabets», sagt Alain de Botton, ein Schweizer in England, derzeit einer der weltweit erfolgreichsten Autoren.

Er sitzt in der Lounge der Swiss am Flughafen Kloten. Ist in Zürich, um über «Freuden und Mühen der Arbeit» zu reden – sein neues Buch über die Arbeitswelt.

«Die meisten Menschen verschieben schwere Objekte, ich ordne die Wörter», sagt er. «Weil Wörter nicht physisch sind, verherrlichen wir Schriftsteller körperliche Arbeit.» Deshalb schaue er anderen beim Schaffen zu.

Dann hat er den besten Job? «Nein, es ist einer der schlimmsten.» – «Schreiben ist schwierig, weil man es immer besser machen kann.» – «An vielen Tagen produziere ich nur Mittelmass.» mehr

Mai

Die Masse der Deutschen stört mich
Plötzlich kennt ganz Deutschland die SVP-Nationalrätin Natalie Rickli. «Wir haben zu viele Deutsche im Land», sagte sie letzte Woche. Jetzt legt sie nach.

Frau Nationalrätin, was haben Sie gegen Christoph Blocher?
Natalie Rickli: Was soll diese Frage?

Blochers Vorfahren wanderten aus Württemberg ein. Hätten Sie damals gelebt, wäre er nicht hier.
Ihre Frage ist billig. Ich habe nichts gegen Ausländer, die sich integrieren, unser Land gernhaben, hier
arbeiten. Deshalb habe ich nichts gegen Christoph Blocher.

Deutsche mögen unser Land, sie integrieren sich, arbeiten.
Ich habe nichts gegen die Deutschen. Die Schweiz ist auf ausländische Arbeitnehmer angewiesen.

Sie sagen, es hätte zu viele Deutsche im Land. Was haben Sie gegen Deutsche?
Einzelne Deutsche stören mich nicht, mich stört die Masse. mehr

Ich war der Goalie in Auschwitz
Der Waliser Ron Jones geriet in Libyen in deutsche Kriegsgefangenschaft. 1943 kam er nach Auschwitz und stand jeden Sonntag im Tor der walisischen Nationalelf. Der 95-Jährige blickt zurück.
Es nieselt, ist kalt. Frisch riecht das Gras auf dem Fussballfeld im walisischen Dörfchen Bassaleg. Ein einziges Tor steht mitten auf dem unebenen Platz. Zwischen den Pfosten aufgestellt hat sich Ron Jones. Sachte bückt er sich zum Ball, der auf ihn zukullert, hebt ihn auf und wirft ihn behände zurück.

Er schmunzelt. «Fussball zu spielen, bringt Erinnerungen zurück.» Erinnerungen, die er jahrelang verdrängt hatte. An einen Ort, der wie kein anderer für die Unmenschlichkeit von Menschen steht. Es sind Erinnerungen an Auschwitz.

Jones, ein grosser, kräftiger und rüstiger Mann, ist 95 Jahre alt. Er verbrachte dreieinhalb Jahre in deutscher Kriegsgefangenschaft, 15 Monate davon in Auschwitz in Polen. Dort schuftete er unentgeltlich in einer Fabrik der IG Farben, stellte für die deutsche Wehrmacht Treibstoffe aus Kohle her. Jeden Sonntag, als die Schloten ruhten, spielte er Fussball. «Ich war in Auschwitz der Goalie der walisischen Nationalelf», sagt Jones. mehr

Krebs kann man nicht besiegen
Der St. Galler Onkologe Thomas Cerny über unsere heimtückischen Zellen – und warum die Pharmaindustrie die Krebsforschung behindert.
Professor Cerny, warum stirbt jemand an Krebs?
Thomas Cerny: Den Krebs gibt es nicht. Es gibt 210 verschiedene Krebserkrankungen. Meist sterben Krebspatienten wegen Komplikationen ihrer Krankheit. Oder der Tumor führt zu einer Schwächung mit Herz-Kreislauf-Versagen.

Kurt Felix hatte Krebs. Sie waren sein Arzt. Woran starb er?
Herr Felix hatte ein malignes Thymom, eine sehr seltene Krebsart. Der Tumor liegt im Brustkorb zwischen Lungen und Herz. Über die Umstände seines Todes kann ich wegen des Arztgeheimnisses nichts sagen. mehr

Juni

Samba für eine bessere Welt
Doris Leuthard über den Umweltgipfel Rio+20 und warum sie als junge Anwältin gar nicht grün war.
Frau Umweltministerin, ihr Vorgänger ass wegen der Umwelt kein Fleisch …
Doris Leuthard: … ich esse gerne ein gutes Stück Fleisch …

… wie verkleinern Sie denn Ihren ökologischen Fussabdruck?
Indem ich meine Ferien in der Schweiz verbringe. Ich esse saisonale und regionale Ware. Es ist ein Unsinn, Lebensmittel auf dem Luftweg zu transportieren.

Welches Mitglied des Bundesrats lebt besonders grün?
Wir alle verhalten uns rücksichtsvoll, fahren Zug und reisen nur, wenn es nötig ist.

Aber jetzt fliegen zwei Bundesrätinnen an den Umweltgipfel in Rio, zusammen mit 60000 Teilnehmern. Ist das nötig?
Um zu reden, muss man sich manchmal auch treffen. Videokonferenzen reichen nicht immer aus. Die Grösse solcher Konferenzen kann man immer hinterfragen. mehr

Die Schweiz in der Hypotheken-Falle
Der Brite Mark Branson ist höchster Aufpasser der Schweizer Banken. Er hält die Überhitzung des Häusermarktes für die grösste Gefahr.
Der Sheriff der Schweizer Banken ist ein höflicher Brite. Wie spricht er? «Auf Englisch bin ich etwas präziser, aber dann müssen Sie es ja übersetzen», sagt Mark Branson. «Reden wir doch deutsch.»

Branson sitzt im Zürcher Finma-Büro im Kreis 4. Er gilt als kluger Kopf. Ins Rampenlicht trat er im Sommer 2008. Noch im Sold der UBS, räumte er vor dem US-Senat grobe Fehler der Grossbank ein. UBS-Banker hatten amerikanischen Kunden geholfen, den Fiskus auszutricksen. Demütig entschuldigte sich Branson und half die Bank zu retten.

Auf Januar 2010 wechselte er zur Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma), als Leiter des Geschäftsbereichs Banken – trotz Lohneinbusse. mehr

“Reporters Like a Good Story”
Reporter Carl Bernstein describes how he revealed the Watergate scandal together with Bob Woodward – and what today’s investigative journalism has learned from this.
Mr. Bernstein, why was Watergate a good story?
Carl Bernstein: A good story is something that fascinates people, raises questions, and answers them.

Wasn’t Watergate about much more than that?
With Watergate, we are talking about the president of the United States, the most powerful individual in the world, who in the instance of Richard Nixon committed grave and egregious constitutional crimes and related criminal acts. But then, the American system worked. The press did its job, the judiciary did its job, and Congress did its job, and a president of the United States was forced to resign his office.

When did you realize that it was also an important story?
Right away. The original burglary was something extraordinary that almost certainly had to have high governmental involvement.

The White House characterized Watergate as a “third-rate burglary”.
It’s very important to recognize that Watergate was not simply about the break-in at the Democratic headquarters. It was a massive campaign of political espionage and sabotage directed by the president, intended to undermine the most precious of all American freedoms, which is free elections. more

Die Schweiz hat keine Freunde mehr
Adolf Ogi – seine Abrechnung mit der Politik, den Medien und mit Gott.
In diesen Wochen wird einer der grössten Schweizer Politiker 70 Jahre alt: Adolf Ogi. Zum Jubiläum erscheint eine neue Biografie. Sie zeigt ihn als Familienmenschen, Bergler und Bundesrat. Und als Staatsmann von Welt.

Ogis Händedruck ist kräftig, er wirkt vital. Und er flösst Respekt ein. Denn Ogi hat sich die rot-weisse Krawatte umgebunden. Trägt er die – das wussten seine Mitarbeiter –, dann gilt es ernst.

Herr Ogi, Sie sind jetzt 70 …
Adolf Ogi: Halt! 70 werde ich erst in einem Monat.

Haben Sie noch Lampenfieber?
Immer. Ich muss nervös sein, um mein ganzes Charisma und Leistungsvermögen abzurufen.

Sie versuchen nicht, das Lampenfieber abzuschütteln?
Im Gegenteil. Vor jedem Auftritt stelle ich mir vor, es sei der wichtigste meines Lebens. Verfiele ich der Routine, wäre ich langweilig. mehr

Juli

“Akzeptabel ist nur eine echte Demokratie”
Mit Weinen aus seinem Heimatkanton schuf der Schweizer Aussenminister an der Syrien-Konferenz eine möglichst entspannte Atmosphäre.
Herr Bundesrat Burkhalter, Sie haben Ihren Gästen zwei Weine aus Ihrem Heimatkanton Neuenburg aufgetischt. Wie haben sie den Aussenministern gemundet?
Didier Burkhalter: Der Wein stammt aus dem Dorf, in dem ich zur Welt kam. Ich habe alle gefragt, wie der Wein ihnen schmecke. Sie sagten, er hätte ihnen gemundet. Ich habe aber gemerkt, dass die Amerikaner Coca-Cola tranken.

Die Konferenzteilnehmer sind angespannt. Wie war die Stimmung beim Schweizer Lunch?
Überraschend gut. Die Unterhändler konnten kurz abschalten. Das wollte ich erreichen. Genf ist die Stadt des Friedens. Um Frieden zu schaffen, kann eine spezielle Schweizer Atmosphäre nützlich sein. Beim Essen kam sie sofort auf. mehr

Sieben, die sich einfach gut verstehen
Die Bundesräte gehen auf Tuchfühlung mit Volk und Kollegen. Ihre Berater bleiben in Bern. Unsere Regierung harmoniert, zeigen zwei Tage im Bündnerland.
Ueli Maurer greift sich ein Glas Bier, geht in die Menge. «Ich fühle mich wie der Bär im Bärengraben», sagt er, «alle schauen mich an.»

Bei ihrem Wächter steht Simonetta Sommaruga, blickt zu Boden, als wolle sie niemanden sehen.

Doris Leuthard herzt ein Mädchen, wippt dann rhythmisch zu den Klängen der Ländlerkappelle.

Spontan legt Didier Burkhalter den Arm um eine Bäuerin, lässt sich fotografieren. «Mein Name ist Didier», sagt er, drückt ihr die Hand.

Es ist Donnerstag, kurz nach vier. Drei Bundesrätinnen und vier Bundesräte sind eben auf dem Dorfplatz von Scuol GR eingetroffen. Rund 200 Schaulustige sind da, tragen ihre besseren Kleider, die farbige Bluse, das frisch gebügelte Hemd, saubere Schuhe. Aus Fenstern hängen Flaggen. Die Sonne brennt. Kinder kühlen ihre Beine im Dorfbrunnen. mehr

Viel konnte ich von meinem Vater nicht lernen
Wie Magdalena Martullo als Mutter einen Weltkonzern führt. Wann sie in die Politik einsteigt. Und warum Bauern der Industrie und zu viele Frauen dem Bundesrat schaden.
Als sei es die normalste Sache der Welt, trägt Magdalena Martullo-Blocher (42) das Konzernergebnis der Ems-Chemie vor: mehr Umsatz, mehr Gewinn. Trotz Krise. Ja, den Rekord von 2011 dürfte sie 2012 nochmals übertreffen, sagt die Konzernchefin eher nebenbei.

Verdoppelt hat sich der Kurs der Ems-Aktie seit 2004. Damals löste sie Christoph Blocher an der Spitze der Chemiefirma ab. Was macht sie besser als ihr Vater? Dies die erste Frage im Interview. Sie lässt sie offen.

Okay, was hat sie von ihm gelernt? Sie will nicht einfach Tochter des berühmten Vaters sein, wie ihre Antwort zeigt. «Ich mache es so, wie ich es richtig finde, viel konnte ich von ihm gar nicht lernen.» Gerade mal drei Jahre habe sie an seiner Seite gearbeitet. «Er zog sich ja auf die Finanzen und die Steuern zurück, und ich habe das Geschäft ohne ihn geführt.» mehr

Banken sind niemals beliebt
Brady Dougan: Der Chef der Credit Suisse sagt, was die Banken tun müssten, um das Vertrauen wiederzufinden.
Herr Dougan, ist das gestern veröffentlichte Quartals­ergebnis der Credit Suisse gut genug, um Ihren Job zu retten?
Brady Dougan: Ich richte mich nicht danach aus, wie ich meinen Job retten kann. Das Resultat zeigt: Wir können in einem schwierigen Umfeld gute Gewinne erzielen. Die Eigenkapitalquote von neun Prozent mag auf den ersten Blick bescheiden wirken. Sie ist aber eine der höchsten der Branche.

Nachdem Sie die Kosten um zwei Milliarden Franken gesenkt haben, wollen Sie diese bis Ende 2013 um eine weitere Milliarde senken. Wie viele Stellen streichen Sie?
Im ersten Halbjahr sparten wir zwei Milliarden ein. Das kostete 2500 Stellen. Bei den zusätz­lichen Massnahmen zur Effizienzsteigerung geht es nicht allein um Stellen. Insgesamt dürfte die Zahl der Jobs Ende 2013 nur unwesentlich tiefer sein. mehr

August

Auf eine Zigi mit Zaugg
Die Kunstfigur des umtriebigen Tabaklobbyisten Marcel Zaugg zerrt die Absurdität der Argumente der Tabakindustrie ins Scheinwerferlicht – mit giftiger Ironie.
Seine Freunde nennen ihn «Ziggy». Er liebt Amerika, lange Autos, Frauen in kurzen Röcken. Pafft nonstop, tritt vehement für Zigaretten ein. Denn Marcel Zaugg (44) ist in Bundesbern ein einflussreicher Lobbyist, steht dick im Sold der Tabakindustrie, ist auf allen Kanälen zu sehen, zu hören, zu lesen.

Allerdings: Marcel Zaugg ist die Schöpfung eines vifen Werbers. Ein Schauspieler verkörpert ihn.

Daniel Graf (39), einst Mediensprecher bei Amnesty International, hat «Ziggy» Zaugg entwickelt.

Mit der Kunstfigur wagt Graf etwas, was in der Schweiz bisher noch nie so recht funktioniert hat – eine geistreiche politische Kam­pagne humorvoll zu bestreiten. mehr

Ohne Online-Werbung stirbt die SRG
Der Swisscom-Chef erklärt, wie wir künftig fernsehen. Warum im Zug das Handy nicht funktioniert. Und wann er seinen Kindern das iPad abstellt.
Herr Schloter, wann bietet Swiss­com das neue iPhone an?
Carsten Schloter: Das möchte ich auch gerne wissen.

Sie wissen nicht, wann das begehrteste und wichtigste Produkt Ihrer Branche erhältlich ist?
Wüssten wir es, würden es andere Anbieter und die Medien wissen. Es wäre kein Geheimnis mehr.

Seit es das iPhone gibt, diktiert Apple Ihr Geschäft.
Das sehe ich anders. Apple hat die Branche mit fundamentalen Neuerungen vorangebracht. Vor kurzem war mobiles Internet noch ein Exotenprodukt. Das iPhone hat es demokratisiert. Klar, Apple hat Macht. Aber die kommt nicht aus heiterem Himmel. Sie ist verdient. mehr

September

Der Mann ohne Plan B
Der Chefunterhändler im Steuerstreit erklärt, warum das Steuerabkommen mit Deutschland gut ist – und wie es mit den USA weiter geht.

Herr Ambühl, denken Sie oft an Ihren Rücktritt?
Michael Ambühl: Nein, oder sollte ich, weil ein paar deutsche Politiker die Schweiz kritisieren?

Wem die Erfolge ausbleiben, muss an Rücktritt denken.
Wir haben Erfolge. Mit Deutschland, Österreich und Grossbritannien haben wir Steuerabkommen unterzeichnet. In der Schweiz hat das Parlament die Abkommen genehmigt. In Grossbritannien und in Österreich sind sie genehmigt.

Das wichtigste Abkommen mit Deutschland droht zu scheitern, mit den USA herrscht Stillstand. Was haben Sie falsch gemacht?
Man kann nicht verhindern, dass ein Vertragspartner ein unterzeichnetes Abkommen nicht ratifiziert. mehr

Wer das Füdli lüpft, ist sein Geld wert
Bundesrat Johann Schneider-Ammann erklärt, warum viele ausländische Arbeitskräfte die Schweiz stärken – und das Volk ihn mag.
Herr Bundesrat, Sie gelten als Sieger der Session. Feiern Sie?
Johann Schneider-Ammann: Ich habe Freude am Ergebnis, denn es ist gut für die Landwirtschaft und den Werkplatz. Als persönlichen Erfolg sehe ich das aber nicht. Setzt sich ein Bundesrat durch, ist das gesamte Kollegium siegreich.

Wie kann sich ein Ex-Industrieller für Landwirtschaft erwärmen?
Ich wuchs mit der Landwirtschaft auf. Mein Vater war Tierarzt. An schulfreien Tagen habe ich ihn begleitet. Stimmte der Bauer zu, erlaubte mir mein Vater, bei Kälbergeburten jeweils den Kaiserschnitt zu machen. Durfte ich nicht schneiden, «schnurpfte» ich die Naht zu. Vermutlich könnte ich es noch heute. mehr

Oktober

Auf der Flucht, um zu retten, was geblieben ist – das Leben
Ein syrischer Koch arbeitet als Tagelöhner, ein Schneider verkauft Autos – und warum nicht alle syrischen Flüchtlinge im Libanon gleich sein.
Golden glänzt der Jeep, hinter dem sich Masood versteckt. «Fang mich doch», ruft der vierjährige Knabe seiner Schwester zu. Waghia (3) rennt am blauen BMW vorbei, passiert den silbernen Mercedes. Sie glaubt, Masood zu packen. Da schlüpft der flugs unter einen Geländewagen.

Die Kinder tollen rum, wo sie seit sieben Monaten wohnen – auf dem Parkplatz eines Gebrauchtwagenhändlers in Sidon, im Süden Libanons. Ihr Vater verkauft alte Autos. Schergen der syrischen Armee ermordeten kaltblütig 32 seiner Verwandten. Weil er um sein Leben fürchtete, floh er in den Libanon.

Ein bulliger Kerl ist Omar Harmoush (41). Fünfzehn Kinder ­haben ihm seine drei Ehefrauen geboren. Krause Haare bedecken Arme und Brust, aus dem Mund blitzt ein Goldzahn. Mürbe gemacht hat den starken Mann, was er in seiner Heimat sah. Omar war Zeuge, wie syrische Soldaten seinen Schwager erschossen, drei Cousins töteten. «Sie haben ihnen nichts angetan.» mehr

November

Die durchschnittlichste Stadt Amerikas
Wer Präsident werden will, muss in Ohio siegen. Nirgends ist es knapper als in Wood County.
Ein einziger Stuhl steht im engen Barbershop. Seit 40 Jahren schneidet Hal Huber (65) hier Haare, stutzt Bärte. Zehn Dollar verlangt er. «Über Politik rede ich nie», sagt Huber. Weil er keinen Streit will. «Warten zwei Kunden, sind es meist ein Demokrat und ein Republikaner.»

Sein Salon liegt an der Main Street in Bowling Green, der Hauptstadt von Wood County in Ohio. Es ist der durchschnittlichste Bezirk der USA – und meist der wahlentscheidende. 49 Prozent wählen Demokraten, 49 Prozent Republikaner, der Rest mal so, mal so. Bei Präsidentschaftswahlen hat der Sieger seit 1980 stets auch in Wood County gewonnen. Mehrmals besuchten deshalb Barack Obama (51) und Mitt Romney (65) den Bezirk. Vorgestern Donnerstag schaute Ex-Präsident Bill Clinton vorbei. Am Freitag schien die ganze Familie Romney in Ohio zu sein.

Sie alle kommen, weil Präsident wird, wer in Ohio gewinnt. Nötig ist dafür ein Sieg in Wood County. «Amerika im Taschenformat» nennt Coiffeur Huber den Bezirk südlich von Toledo. Eine Universität beherbergt die Stadt. Farmer züchten östlich und westlich davon Rinder. Im Norden schrauben Arbeiter Autos für Chrysler zusammen. Wagt der Coiffeur eine Prognose? «49 zu 51 oder 51 zu 49.» mehr

Amerikas Herzschlag
Amerika floriert – in Texas. Jeden Tag bringt die Kleinstadt Cuero einen Millionär hervor. Dank dem grössten Erdöl- und Ergas-Boom seit 40 Jahren.
Vier blütenweisse Stahlrohre schweben über staubigem Grund. An einem Ende münden sie in einen Tank, am anderen zapfen sie den Wüstensand an, saugen einen grünlich-schmierigen Saft aus dem Boden: Erdöl. George Bishop öffnet einen Verschluss und lässt die Brühe in die offene Hand fliessen. «Nach was riecht das?» Nach bitterem Olivenöl? «Falsch, so riecht Geld.»

Davon hat Bishop (76) reichlich. Er ist Milliardär und will jetzt noch reicher werden. Deshalb zog er vor zwei Jahren nach Cuero, ins Herz von Texas. Er kaufte Land. Seither hat er darauf 70 Ölquellen gegraben. Täglich holt er 70000 Fass des kostbaren Rohstoffs aus dem Boden. Was ihm einen Umsatz von sieben Millionen Dollar bringt – jeden Tag.

Noch vor vier Jahren stoppte kaum einer in Cuero, wenn er von San Antonio zum Golf nach Mexiko fuhr. Heute kann man vom Strassenrand zusehen, wie sich die USA und somit die Welt verändern. mehr

 

Um 22 Uhr 20 brach der Jubelsturm los
Ausgelassen feierten seine Anhänger in Chicago Präsident Barack Obama. Tenor im McCormick Place: Er muss anpacken, was er bisher versäumte.
Zuerst ein dumpfes Raunen, dann durchzieht ohrenbetäubendes Gekreische die Halle des McCormick Place in Chicago. Dienstagnacht, 22.20 Uhr. Zehntausend Menschen schreien, fallen sich in die Arme, tanzen. Barack Obama (51) ist Wahlsieger.

Sechzig Millionen Amerikaner gaben dem Präsidenten ihre Stimme – 50 Prozent der Wählerschaft. Auf den republikanischen Herausforderer Mitt Romney (65) entfielen 48 Prozent. Obama hat bisher 303 Wahlmänner erhalten, Romney 206. Offen ist Florida.

Um halb eins betritt Obama mit Gattin Michelle und seinen beiden Töchtern die rot-weiss-blau geschmückte Bühne. «Die Wirtschaft erholt sich», stimmt Obama optimistisch an. «Zehn Jahre Krieg sind bald vorbei.»

Seine Anhänger horchen in ihren besten Roben. Viele Männer tragen Anzug und Krawatte. Frauen schicke Kleider und adrette Schuhe. Sie wissen: Für historische Ereignisse macht man sich hübsch. mehr

Die Schuld tragen ganz klar die Deutschen
Der ehemalige UBS-Präsident Peter Kurer über den Schweizer Finanzplatz nach dem deutschen Nein zum Steuerabkommen – und warum wir Schweizer nicht so wichtig nehmen sollten.
Herr Kurer, warum glaubt man Schweizer Banken nicht mehr?
Peter Kurer: Schweizer Banken sind glaubwürdig. Wir haben einen der stärksten und angesehensten Finanzplätze der Welt.

Die Banken betonten, es gebe keine deutschen Abschleicher. «Lüge», sagen SPD-Politiker. Woher rührt solches Misstrauen?
Das sind durchwegs politisch motivierte Aussagen deutscher SPD-Politiker.

Es ist schwierig, 80 Jahre Argwohn gegenüber dem Schweizer Bankgeheimnis zu überwinden.
Wir stehen an einem Wendepunkt. Wir achteten lange nicht darauf, ob bei uns angelegte Gelder ­steuerkonform sind. Das wird nun nicht mehr akzeptiert. In Sachen Steuerkonformität müssen wir den Finanzplatz klar neu positionieren.

Es ist unanständig geworden, ein Schweizer Bankkonto zu haben.
Das stimmt doch nicht. mehr

Kleinkunden sind den Banken ausgeliefert
Der Banken-Ombudsmann tritt ab. 20 Jahre lang half er Geprellten. Dabei hat er 35000 Beschwerden behandelt – und liess sich nie beeinflussen.
Hanspeter Häni (63) mag es altmodisch. Wer sich beim Banken-Ombudsmann beklagen will, muss ihm einen Brief schreiben. E-Mails akzeptiert er nicht. Dokumente legt er in Sichtmäppchen ab. Behandelte Fälle enden in etikettierten Bundesordnern.

Seit 1993 hat Häni 35000 Beschwerden von Schweizer Bankkunden abgewickelt. Jetzt tritt er ab, will endlich mehr Freizeit. Zurück bleibt eine «fundamental gewandelte Branche». Als er anfing, boten Schalterbeamte zehn Dienstleistungen an. Erst nach drei Jahren hatten sie alleine direkten Kundenkontakt. Heute muss einer fünfzig Sachen können – nach drei Monaten.

Das Bankgeheimnis galt als unumstösslich. «Heute liegt es auf dem Sterbebett», sagt Häni. Kreditkarten waren rar. Bei der Post zahlte man Rechnungen bar. Heute sei jeder Privatkunde, «haben Krethi und Plethi einen Kundenberater». mehr

Wer nicht mitzieht, kann gehen
Beim Frühstück erzählen Konzernchef Sergio Ermotti und VR-Präsident Axel Weber, wie sie bei der UBS aufräumen. Was ihnen Geld bedeutet. Und warum Banker nicht schlechtere Menschen sind als Politiker und Journalisten.
Herr Weber, wie gut ist Ihr Italienisch?
Axel Weber: Beim Italiener kann ich etwas zu essen bestellen.

Sergio Ermotti ist Tessiner. Reden Sie mit Ihm Englisch?
Weber: Wir sprechen Englisch und Deutsch – aber nicht Italienisch.

Herr Ermotti, was lernt ein Tessiner von einem Pfälzer?
Sergio Ermotti: Viel. Axel ist ja ein Professor.

Und was lernt ein Pfälzer von einem Tessiner?
Weber: Sergio kennt die Märkte. Er hat den Job des Bankers von der Pike auf gelernt. Er versteht das Tagesgeschäft wie kein zweiter in der Bank. mehr

Alle Artikel aus dem Jahr 2012

Fotos von: Pascal Mora, Remo Nägeli, Stefan Falke, Daniel Winkler, Robert Huber, Sabine Wunderlin, Mark Chilvers, Niels Ackermann, Joseph Khakshouri, Andrew McConnell, Gerry Nitsch

Steuern: Deutsche lernen von der Schweiz

Verwirrspiel in deutschen Me­dien um das Steuerabkommen mit der Schweiz. «Bild» meldete gestern, der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble strebe mit Singapur ein Abkommen über den Austausch von Informationen an – wegen der «anstehenden Offenlegung» deutscher Kontoinhaber in der Schweiz sowie regen Geldabflusses nach Südostasien. Nur: Beim Steuerabkommen bleiben die Kunden anonym. Vermutlich will Schäuble mit Singapur ein ähnliches Abkommen wie mit der Schweiz.

Laut «Spiegel Online» seien deutsche Steuerflüchtlinge «nach Einschätzung von Experten dabei, zweistellige Milliardenbeträge» aus der Schweiz nach Singapur zu schieben. «Das entbehrt jeglicher Grundlage», sagt Mario Tuor, Sprecher beim Staatssekretariat für Internationale Finanzfragen. «Die Behauptung von grossen Verschiebungen von der Schweiz nach Singapur durch deutsche Kunden ist pure Stimmungsmache.» Das Gegenteil sei der Fall: «Die Angaben, die wir haben, zeigen eine Verschiebung deutscher Gelder von Singapur in die Schweiz.»

SonntagsBlick, 7. Oktober 2012

USA: Schweiz fördert Internet-Piraterie

Wer hierzulande einen gestohlenen Film aus dem Internet lädt und ihn daheim schaut, bricht kein Gesetz. Das trägt der Schweiz nun unrühmliche Ehre ein: Ein Ausschuss des US-Kongresses setzt uns auf die schwarze Liste der Internet-Piraten – und somit in eine illustre Gesellschaft. Russland, China, Italien und die Ukraine sind neben der Schweiz jene Staaten, die aus US-Sicht Piraterie im Internet nicht nur dulden, sondern fördern.

Die Schweiz werde angeprangert, weil «mangelnder Schutz von Urheberrechten ein anhaltendes Problem» sei, teilte der Anti-Piraterie-Ausschuss gestern mit. Von der Schweiz aus würden Portale betrieben, die eine einzige Absicht verfolgten: «Den Vertrieb von gestohlenem Material im grossen Stil.»

Die USA fordern eine gesetzliche Anpassung. «Sonst bleibt die Schweiz ein Magnet für Piraten.» Zudem müssten Firmen, die davon profitieren, haftbar gemacht werden. «Es muss klar sein, dass das Kopieren von illegalen Quellen illegal ist.»

Der Direktor des Eidgenössischen Instituts für Geistiges Eigentum verteidigt die Schweiz: «Unsere Rechtsordnung bietet durchaus wirksame Mittel zur Bekämpfung der Internet-Piraterie», sagt Roland Grossenbacher. Unlängst hätte überdies Justizministerin Simonetta Sommaruga eine Arbeitsgruppe dafür eingesetzt.

Blick, 22. September 2012

Apple steals from Swiss Railways

bahnhofsuhr_padWith the release of iOS 6, Apple introduced a watch and an alarm clock to its popular tablet computer iPad.

Well, it copy pasted its design from famed Swiss Railways SBB. The new iPad clock looks exactly like the clocks at Swiss railways stations.

According to Swiss daily «Blick am Abend», Apple did not ask for permission to use the destinguished design. Now SBB wants money from Apple. «Blick am Abend» quotes SBB spokesperson Reto Korman: «We’re trying to get in touch with Apple to settle this unauthorized use [of our design] legally and financially.»

SBB owns the copyright to the clock. Originally it was designed by Hans Hilfiker in 1944. Today, the clock is among the most famous Swiss design icons.

Back in 2009, developer Thomas Feger launched a clock App with Hilfiker’s design. He had SBB’s permission. Feger calls Apple’s move «brass.» He believes that company was inspired by his App.

Swiss watchmaker Mondaine Group is also considering suing Apple, reports «Blick am Abend». Mondaine is licensing the design from SBB and produces smaller watches.

Standpunkte: Wer wird US-Präsident?

Unter der Leitung von Hannes Britschgi diskutieren in «SonntagsBlick Standpunkte» über die amerikanischen Wahlen: US-Botschafter in der Schweiz, Donald S. Beyer; James Davis, Universität St. Gallen; Anita Fahrni-Minear, International Business and Professional Women; Peter Hossli, Journalist.

SonntagsBlick Standpunkte vom 16.09.2012

Wird Notenstein an Vontobel verkauft?

Für das Wirtschaftsmagazin «Bilanz» ist Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz (56) die Nummer eins im Firmen- und Privatkundengeschäft. Damit machte der gebürtige Bündner erneut von sich reden – wie so oft in letzter Zeit. Jetzt weiss SonntagsBlick aus gut informierten Quellen: Er hat der Bank Vontobel das Angebot unterbreitet, die Notenstein Privatbank AG zu übernehmen. Vontobel-Sprecher Reto Giudicetti will dies weder dementieren noch kommentieren.

Pikant ist: Die Raiffeisen-Gruppe ist an beiden Privatbanken beteiligt. Sie hält an Ko­operationspartner Vontobel 12,5 Prozent. 100 Prozent sind es bei Notenstein. Dafür zahlte Raiffeisen im Januar rund 500 Millionen Franken – davon 155 Millionen für die verwalteten Vermögen von damals 21 Milliarden Franken.

Vincenz wiegelt ab: «Es liegt kein Verkaufsangebot von unserer Seite vor, das steht.» Raiff­eisen habe eine klare Strategie: «Wir setzen die Kooperation mit Vontobel fort. Zudem positionieren wir Notenstein im Markt als ­eigenständige Privatbank.» Sie sei eine Erfolgsgeschichte (siehe Interview). Nur: Jede andere Aussage würde neue Unruhe in die junge Bank bringen.

Fakt ist: Dass Vincenz den Einstieg in die Vermögensverwaltung wagte, trübte die Beziehung zu Vontobel. Seinen Sitz im Verwaltungsrat der Privatbank überliess er deshalb seinem Finanzchef Marcel Zoller.

Unter Zeitdruck steht Vincenz nicht. Es ist ein offenes Geheimnis, dass er den Anteil an Vontobel erhöhen möchte. Dazu sind die Familienaktionäre mit Grandseigneur Hans Vontobel (96) nicht bereit. Vontobel-Chef Zeno Staub (43)wiederum sitzt auf mindestens 600 Millionen Franken, die er für Übernahmen einsetzen kann. Die zersplitterte Vermögensverwaltungsbranche in der Schweiz wird sich konsolidieren. Dafür sorgt der Druck, nur noch versteuertes Geld aus dem Ausland zu verwalten.

Seit der Notenstein-Übernahme rätseln Branchenkenner, wie sich die Zusammenarbeit zwischen Raiffeisen und Vontobel entwickeln wird. Raiffeisen übernimmt von Vontobel Finanzprodukte wie Anlagefonds. Zudem sind die Zürcher für die Abwicklung der Wertpapiergeschäfte zuständig.

Peter Hossli, Roman Seiler, SonntagsBlick, 9. September 2012

Interview mit Notenstein-CEO Adrian Künzi

Mitt Romneys Schweizer Konto in der Kritik

martin_oDer republikanische Präsidentschafts­kandidat Mitt Romney hatte bis 2010 ein Schweizer Bankkonto. Demokraten dient es, den ­Financier als Trickser hinzustellen. In einer flammenden Rede lästerte Gouverneur Martin O’Malley (49) aus Maryland: «Schweizer Banken haben noch nie eine amerikanische Brücke gebaut.» Und: «Schweizer Bankkonten bringen keine Polizisten auf die Strassen, keine Lehrer in die Schulzimmer, sie haben nie US-Jobs geschaffen.» Wer ein Konto im Ausland habe, wette gegen Amerika, sagte O’Malley.

Was er unterschlägt: Geld auf Schweizer Banken treibt die US-Wirtschaft an. So ist die Schweiz achtwichtigste Direktinvestorin in den USA. 177 Milliarden Franken investierten Schweizer Firmen 2010 in Amerika, ein Fünftel aller Schweizer Direktinvestitionen. Schweizer Grossbanken beschäftigen zudem fast 32 000 Personen in den USA.

Ärger für Romney wegen Steuern

romney_bainWahlkampfhilfe für Präsident Barack Obama aus New York. Der dortige Staatsanwalt Eric Schneiderman hat eine Untersuchung gegen etliche US-Private-Equity-Firmen eröffnet. Abklären will er, ob sie das Steueramt ausgetrickst haben.

Zu den betroffenen Firmen gehört Bain Capital, 1984 gegründet und bis 1999 geführt vom republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney. Angeblich sollen Bain und andere Hunderte von Millionen Dollar als Kapitalgewinne zum Ansatz von 15 Prozent statt als reguläre Gewinne zu 35 Prozent versteuert haben. Ob das illegal war, darüber sind sich US-Juristen uneins.

Für Romney kommt die Untersuchung ungelegen. Er gilt als dreister Steuer­optimierer, seit bekannt ist, dass er ein Bankkonto in der Schweiz hatte. Eines politischen Manövers verdächtigt wird derweilen Schneiderman. Wie Obama ist er Demokrat. Und Private-Equity-Firmen verfolgen diese Praxis seit 20 Jahren.

Romney kürt Vizekandidat

romney_ryan1Mit einem pein­lichen Versprecher stellte der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney (65) gestern in Virginia seinen Mann für das Amt des US-­Vizepräsidenten vor: «Das ist Paul Ryan, nächster Prä­sident Amerikas.» Romney eilte zurück ans Mikrofon, um «den nächsten Vizepräsidenten» zu begrüssen. Ryan (42) redete ohne Krawatte und giftelte gegen US-Präsident Barack Obama. Der Kongressabgeordnete aus Wisconsin setzt sich vehement für tiefere Steuern ein und gilt als Nachwuchsstar der Republikaner. Nun soll er die Konserva­tiven der Partei um Romney einen.

Er sieht aus wie ein Filmstar, hat drei Kinder – dazu das, was US-Politiker haben müssen: eine perfekte Haartracht.

Blocher-Technik im Galaxy SIII

galaxy_emsWer mit Samsung oder iPhone telefoniert, nutzt Technik der Ems-Chemie bei Chur. An der heutigen Halbjahrespressekonferenz erklärte Konzernchefin Magdalena Martullo-Blocher, dass ihre Firma Spezialpolymere (Kunststoffe) fürs Galaxy SIII liefert. Martullo-Blocher geht davon aus, dass Samsung allein in diesem Jahr 50 Millionen Galaxy SIII verkaufen wird.

Bei Apple gibt sich die Ems-Chefin geheimnisvoller: «Es hat Materialien von Ems in iPhone, iPad und iPod, mehr darf ich dazu nicht sagen».

Bruno Zuppiger auf China-Tour

Überraschung am Montagabend beim Schweizer Fernsehen. Plötzlich huscht in der News-Sendung «10 vor 10» SVP-Nationalrat Bruno Zuppiger (60) über den Bildschirm. Dicht hinter Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann (60) betritt der Zürcher einen fensterlosen Konferenzsaal in der chinesischen Hauptstadt Peking, drückt die Hände etlicher Staats- und Wirtschaftsvertreter.

Ruhig war es um Zuppiger geworden, seit er im vergangenen Dezember schmachvoll seine Bundesratskandidatur zurückziehen musste. Der Vorwurf: Er soll sich an einer von ihm verwalteten Erbschaft bedient haben. Als Präsident des Schweizerischen Gewerbeverbandes musste er zurücktreten. Anfang Jahr eröffnete die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich gegen ihn ein Strafverfahren wegen Veruntreuung und ungetreuer Geschäftsbesorgung.

Warum begleitet Zuppiger nun aber Schneider-Ammann auf Wirtschaftsmission nach Fernost? «Zuppiger ist Präsident der parlamen­tarischen Gruppe Schweiz–China», sagt ein EVD-Sprecher. Und: «Die Reise zahlt er selbst.»

Verdingte: Freiburg entschuldigt sich

Der Freiburger Staatsrat entschuldigt sich «bei allen Personen, die im Kanton Freiburg aufgrund einer Zwangsplatzierung Missbrauch und Misshandlungen erleiden mussten». Der Staatsrat bedauert, dass die damaligen Behörden «der menschlichen Würde dieser Kinder derart wenig Beachtung entgegengebracht haben». Freiburg sei der fünfte Kanton, der sich bei den Verdingkindern entschuldigt habe, sagt der Präsident des Vereins Netzwerk Verdingt, Walter Zwahlen: «Für alle, die im Kanton Freiburg verdingt waren, ist dies ein historischer, wichtiger Sieg über erlittenes Unrecht.»

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Geraubte Kindheit

Roger Schawinski über Leon Schlumpf

schawinski_radio24Roger Schawinski gründete 1979 das Schweizer Privatradio Radio 24. Anfänglich sendete er vom italienischen Pizzo Groppera in die Schweiz – was an sich illegal war.

Schawinski wurde so zum Gegenspieler des damaligen Medienministers Leon Schlumpf. Dies führte 1983 zur Verordnung über lokale Rundfunkversuche (RVO).

Roger Schawinski über den Tod von Leon Schlumpf:

«Ich habe Leon Schlumpf als totalen Gentlemen erlebt, obwohl er auf der Gegenseite war. Menschen mit anderen Meinungen hat er stets respektiert. Er hat mich nie als Gegner betrachtet, sondern sah mein Radio als Chance, die Radiolandschaft zu liberalisieren. Heute ist die Verordnung über lokale Rundfunkversuche (RVO) die grösste Leistung seiner Amtszeit, sie führte zum Radio- und Fernsehgesetz.  Es ist ironisch, dass seine Tochter Ausgangspunkt der Spaltung seiner Partei geworden ist.»

Heuchler Obama

Als Saubermann zog Barack Obama im Januar 2009 ins Weisse Haus ein. Einer, der die Lobbyisten aus der Politik fernhält. Nun belegen E-Mails vom Sommer 2009: Kaum war Obama amerikanischer Präsident, liess er sich von Lobbyisten der Pharmabranche hofieren, machte Konzessionen, um die Gesundheitsreform durchzubringen. Als «Heuchler» bezeichnen ihn nun politische Gegner. «Er versprach die ehrlichste und transparenteste Regierung aller Zeiten, nie würden Lobbyisten seine Gesetze verfassen», sagt der Republikaner Michael Burgess. «Doch kaum ging es um die Sache, schlossen sich die Türen, die Lobbyisten kamen rein und schrieben Gesetze.» Für Obama.

Hildebrand Reader

hilde_ball“Der alt Bundesrat weiss nicht mehr, als was in der Presse steht”
Am 24. Dezember fragte dieser Reporter bei Christoph Blocher nach, ob der Zürcher Nationalrat mehr zum Fall Hildebrand wisse. Nein, lautete die Antwort seines Pressesprechers. 3. Januar 2012

“Ich habe Fehler gemacht, und ich bedauere es”
Hildebrands Botschaft: Rechtlich war alles in Ordnung, aber die moralische Frage habe ich unterschätzt. 6. Januar 2012

Was der Whistleblower wirklich wollte
Der mutmassliche Datendieb im Fall Hildebrand wollte eine juristische Klärung der Dollarkäufe. Gegen seinen Willen kamen die geklauten Bank-Dokumente in die Presse – weil SVP-Drahtzieher ihn hintergingen. 8. Januar 2012

Jede Affäre hat ihr Bild
… auch die Dollar-Affäre um die Hildebrands. Es zeigt das elegante Banker-Paar an einem Ball. Abgedrückt hat die Ringier-Fotografin Sabine Wunderlin. 8. Januar 2012

“Ich bin das kleinste Zahnrad”
Er soll die Kontodaten von Philipp Hildebrand geklaut haben. Jetzt reagiert Reto T. mit einem langen E-Mail. 9. Januar 2012

Die Welt der globalen Nomaden
Ihr Zuhause ist überall, ihr Freundeskreis international, ihre Interessen grenzenlos – so, wie die Hildebrands, eine Familie von Welt. 15. Januar 2012

Wer hat dieses Dokument fabriziert?
Der von der «Weltwoche» veröffentlichte Hildebrand-Kontoauszug ist manipuliert worden. Einen Monat vor der Veröffentlichung vernichtete der Datendieb die bei ­Sarasin entwendeten Dokumente. 18. Januar 2012

Es ging um Geld & einen Job
Was wirklich geschah, als sich alt Bundesrat Christoph Blocher am 3. Dezember 2011 mit dem mutmasslichen Datendieb Reto T. und Anwalt Hermann Lei in der Herrliberger Villa traf. 22. Januar 2012

Tür-Knall war kein Selbstmordversuch
«Selbstmord-Versuch des Datendiebes» titelte die «Sonntags Zeitung» am 8. Januar auf Seite 1. Reto T. (39) habe versucht, sich das Leben zu nehmen, schrieb die Zeitung, gestützt auf mehrere Quellen. Glücklicherweise ist das eine Ente. 22. Januar 2012

Nur noch Sparbüechli für Nationalbanker
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) kündigt Verschärfung des Reglements für Eigengeschäfte ihres Direktoriums an. 8. März 2012

Der Bankrat bleibt im Graubereich
Kommentar zum neuen Reglement der Schweizerischen Nationalbank für Eigengeschäfte von Mitgliedern der Bankleitung. 13. März 2012

Immunität auf Messers Schneide
Christoph Blocher beruft sich in seinem Strafverfahren im Fall Hildebrand auf parlamentarische Immunität. Dabei war er noch nicht Nationalrat, als er den Stein ins rollen brachte. 22. März 2012

Herr Blocher, so viel zu Ihrer Immunität
«Das Parlamentsgesetz ist in Bezug auf den Amtsantritt äussert klar. Dieser erfolgt erst mit der Leistung des Amtseides. Deshalb geniesst ein gewählter Nationalrat für Handlungen vor ­diesem Zeitpunkt keine Immunität. Das liefe auf eine ­absolute Immunität hinaus, die die Schweiz so nicht kennt.» Giusep Nay. 25. März 2012

Analyse zu Blochers Auftritt vor der Immunitätskommission
Eine Faktenprüfung der Stellungnahme vor der Immunitätskommission ergibt: Christoph Blochers Wahrheit fällt an etlichen Stellen eher selektiv aus. 29. April 2012

Tür-Knall war kein Selbstmordversuch

«Selbstmord-Versuch des Datendiebes» titelte die «Sonntags Zeitung» am 8. Januar auf Seite 1. Reto T. (39) habe versucht, sich das Leben zu nehmen, schrieb die Zeitung, gestützt auf mehrere Quellen. Glücklicherweise ist das eine Ente. Zwar befindet sich der ehemalige Mitarbeiter der Bank Sarasin nach wie vor in psychiatrischer Behandlung. Gut geht es ihm nicht – aber es gab nie einen Selbstmordversuch. Wie kamen diese Gerüchte auf? Anfang Januar entliess ihn Sarasin, nachdem er zugegeben hatte, Kontodaten von SNB-Präsident Philipp Hildebrand entwendet zu haben. T. erlitt einen Zusammenbruch. Medien bedrängten seine Familie. Eine Person befand sich in seiner Nähe, als T. eine Türe zuschlug. Diese glaubte, ein Schuss habe sich gelöst. Das war falsch.

Begegnungen 2011

Journalismus ist gut, wenn er aktuelle Themen mit Menschen plausibel darstellt. Das habe ich im vergangenen Jahr gemacht – zuerst mit dem iPad-Magazin The Collection. Ab September als Autor der Blick-Gruppe. Grossem Dank verpflichtet bin ich Menschen, die mir Zeit gaben und meine Fragen beantworteten.

Eine Auswahl von Begegnungen im Jahr 2011

salari_170“Das ist alles eine grosse Lüge”
Der Botschafter der iranischen Mullahs in Bern über Gaddafi – und das gestörte Verhältnis seines Landes zur Schweiz.
Herr Botschafter, Muslime massakrieren in Libyen Muslime. Wer soll das stoppen?
Alireza Salari: Alle müssen sich jetzt zurückhalten. Und wir müssen sofort aufhören, die Diktatoren zu unterstützen. Verantwortlich für das Chaos sind Grossmächte, die seit Jahrzehnten Despoten helfen.
Ein bekanntes Argument. Das Volk scheint anderer Meinung zu sein. Amerikanische Flaggen brennen keine.
Weil Kolonialisten vortäuschen, dem Volk zu helfen, die Diktatoren zu verjagen. mehr

rhondaRhonda, Gerry and Blaze – The Global Baby
It takes two to start a family – or three, or even four. Take Rhonda and Gerry from Mesa, Arizona. The American couple has tried to have children for years – unsuccessfully. So they hired a surrogate mother in India. And they bought a donor egg. Their son Blaze has a father, a social mother, a surrogate mother and a biological mother. Now another surrogate is pregnant with twins – Blaze’s siblings.
It’s not an unusual story anymore. Each year, thousand of couples travel to India to rent a womb – or to Georgia, to the Ukraine, to Brazil, Poland, or to Thailand. Global fertility tourism has become a ten billion dollar business. more

peteEs schneite die Asche der Zwillinge
9/11 veraenderte das Leben vieler Menschen – auch meines. Vor zehn Jahren berichtete ich vor Ort ueber den Terror. Ein Stück Erinnerung und eine Mediengeschichte.
Die schöne Norwegerin teilte es mir zuerst mit. Die Grafikerin in meinem Büro, mit der ich schon lange hatte sprechen wollen, wozu ich aber zu scheu war. «Ein Flugzeug ist ins World Trade Center geflogen», sagte sie. «Mein Freund beobachtete es vom Fenster aus.» Sie hat einen Freund? Sicher ein Kleinflugzeug, eine Piper, war der zweite Gedanke. «Was für ein Flugzeug?» «Keine Ahnung», sagte sie und verschwand.
Sofort rief ich in Zürich an, auf der Redaktion von «Facts». «Schmitt», meldete sich der Blattmacher. «Ein Flieger steckt im World Trade Center, willst du eine Geschichte dazu?» «Ist etwas weit weg von der Schweiz, vielleicht eine halbe Seite.» mehr

dekkers_170“Jeden Tag wünsche ich mir, ich hätte etwas geahnt”
Die Terroristen von 9/11 lernten bei ihm das Fliegen: Rudi Dekkers, einst Millionär, heute mausarm. Ein Treffen in Florida. Er spreizt die Hände – und offenbart ein intimes wie ekliges Geheimnis. Alle seine Fingernägel sind vollständig abgenagt. «Ich nage nachts, wenn ich nicht schlafen kann.»

Schlafen kann Rudi Dekkers (55) seit zehn Jahren nicht mehr. Seit ihn am 12. September 2001 ein FBI-Agent frühmorgens anrief. Ererfuhr: Den Terroristen, die am Tag zuvor in New York Jets ins World Trade Center flogen, hatte er das Fliegen beigebracht. mehr

blocher_170Blochers Wahrheit
Seine Chancen, in den Ständerat gewählt zu werden, hält er selber für gering. Schuld gibt SVP-Stratege Christoph Blocher den Medien. Und er fordert, die Löhne der Bundesräte zu halbieren.
Wie viel sollte ein Nationalrat denn verdienen?
So viel, dass er halbtags arbeiten muss, keinesfalls mehr als 100000 Franken. Heute haben die Räte bezahlte Zeit für unnötige Sitzungen und zu viele Gesetze. Wir sollten zudem die Saläre der Bundesräte halbieren, von 500000 auf 250000 Franken.
Warum? Ein Bundesrat verdient weniger als CEOs grosser Firmen.
Das Bundesratsamt muss auch ein Ehrenamt sein. Ein Dienst am Land.
Dann kommen nur noch Reiche wie Sie rein?
Was? Kann einer mit 250000 Franken Lohn nicht anständig leben? Verdienen Sie denn mehr?
Leider nicht.
Können Sie anständig leben?
Es geht, ja.
Also, sehen Sie. Ein schweizerischer Bundesrat verdient mehr als der amerikanische Präsident.
Das stimmt.
Ich habe noch nie einen hungernden US-Präsidenten gesehen.
Gibt der US-Präsident das Amt ab, verdient er sehr viel mehr als ein alt Bundesrat.
Unsere Bundesräte können ja auch Reden für 50000 Franken halten.
Ein US-Präsident spricht nicht unter 200000 Dollar.
Wenn er Dumme findet, die das bezahlen, soll er dies tun. Aber es ist nicht gut, wenn die Leute wegen des Lohns Bundesrat werden. Die meisten verdienen jedenfalls als Bundesrat mehr als zuvor. mehr

probst_16020 Milliarden für Verdingkinder?
Jahrzehntelang profitierte die Schweiz von Verdingkindern. Jetzt fordern sie Geld. Ihnen stehen mindestens 20 Milliarden Franken zu.
Morgens um vier steigt Charles Probst aus dem Stroh, reibt sich die Augen, reckt den Rumpf. Er hustet, klettert barfuss die Leiter ­hinunter in den Viehstall, greift zur Mistgabel – und putzt hinter zwanzig Kühen dampfenden Dung weg.
Um sieben, Probst schuftet seit drei Stunden, bringt ihm der Bauer ein Stück beinhartes Brot. Er weicht es in Wasser auf, verschlingt es. Dann eilt er auf den Acker, spannt ein Pferd vor den Pflug, ruft «hü».
Das geschah 1938 auf einem Hof im Oberaargau. Acht war der Junge eben geworden. mehr

hossli_ermottiUm 12.06 Uhr steigt Ermotti auf die dunkle Bühne
Hustend eilt Sergio Ermotti die Treppe hoch, hält die Hand vor den Mund. Zwischen zwei Fingern hält er ein abgebissenes Salzgebäck. Er hat sich daran verschluckt. «Hello, Sir», grüsst ein Wächter und zieht für den UBS-Chef eine Spiegeltüre auf. Sie führt in den Empire Room, einen pompösen Saal mit gewölbter Decke im Erdgeschoss des Waldorf Astoria, des ehrwürdig abgetakelten Luxushotels an der Park Avenue in New York.
Zum «Investor Day» lädt die UBS an diesem trüben Donnerstag, zur Tagung für Investoren. mehr

kilchsperger170Strom im Kopf
Mit 38 erkrankte Daniel Kilchsperger an Parkinson. Bald schaffte er den Alltag nicht mehr ohne fremde Hilfe. Jetzt liegen zwei Drähte in seinem Kopf. Stromstösse erlauben ihm ein beschwerdefreies Leben.
Er setzt sich auf die Türschwelle, schiebt die Füsse in die Turnschuhe, schnappt mit beiden Händen die Schuhbändel. Im Nu ziehen die Finger sie zu perfekten Schlaufen.
Ohne fremde Hilfe schafft Daniel Kilchs­perger wieder die Banalität des Alltags.
Vor drei Monaten noch hatte er steife Glieder. Der linke Arm schlug mal aus, mal hing er einfach runter. Kaum kontrollieren konnte er die Finger. Zwanzig Minuten brauchte er, um die Socken überzustreifen. mehr

christian_stiefel_170Herr über 635 Milliarden
Wie bescheiden die Schweiz zuweilen ist, zeigt der Weg zu den Einflussreichen. Mitten ins behäbige Bern führt er, vorbei am billigen asiatischen Take-Away – Menü: Fr. 8.80 –, hinauf zur zweiten Etage, ins schlicht möblierte Büro.
«Grüezi», grüsst Christian Stiefel (54), ein kräftiger Mann mit solidem Händedruck, der Anzug sitzt, ohne allzu edel zu sein. Ab Januar führt er die Swissholdings, den Verband der Industrie- und Dienstleistungskonzerne in der Schweiz.
Eine geballte Macht vertritt Stiefel – die wichtigsten Unternehmen der Schweiz. Riesen wie Roche und Novartis, Nestlé, Schindler oder Sulzer. Allesamt Firmen, die weltweit tätig sind. Darunter viele, die ihre Muttergesellschaft in den USA haben und von der Schweiz aus Geschäfte in Europa lenken. mehr

blocher_hossli_170Begegnung mit einem Verlierer, der ein Sieger sein will
Wer den Verlierer nach der Niederlage trifft, erwartet eine gebrochene Figur. Dazu Einsicht, vielleicht Demut – und den Willen, eigene Fehler einzugestehen.
Eine Erwartung, die sich im dritten Stock des Bundeshauses rasch zerschlägt. Höchst agil und selbstsicher begrüsst SVP-Nationalrat Christoph Blocher Reporter und Fotograf, lädt zum Espresso aus dem Plastikbecher ins karge Sitzungszimmer der SVP. An den Wänden hängen alte Wahlplakate, im Regal stehen Bierdosen. mehr

Und alle Artikel von 2011

Wo Adoboli hockt

wandswothAm Donnerstag tritt der mutmassliche UBS-Betrüger Kweku Adoboli (31) in London vor den Richter. Dieser legt fest, welche Instanz seinen Strafprozess führen wird. Adoboli ist angeklagt, durch illegalen Handel bei der UBS einen Verlust von über zwei Milliarden Franken verursacht zu haben. Ihm drohen 40 Jahre Haft.

Angesetzt ist der Gerichtstermin auf 10 Uhr. An der Seite von Ladendieben, Haschhändlern und Prostituierten muss sich der Investmentbanker jedoch gedulden, bis ihn der Richter aufrufen wird. Die Anhörung dauert wenige Minuten. Zwar könnte Adoboli ein Geständnis ablegen. Was unwahrscheinlich sei, ist aus dem Umfeld seiner Anwälte zu erfahren. Unmittelbar nach der Verhandlung wird ihn ein gepanzerter Transportwagen zurück ins Wandsworth Prison fahren, ein berüchtigtes Zuchthaus im Südwesten Londons. Mit einer Kapazität von 1665 Gefangenen ist es der grösste Knast Grossbritanniens, erbaut 1881. Betrieben wird er von Her Majesty’s Prison Service, also von Königin Elizabeth II.

Zwischen 1878 und 1961 liess die Krone hier 135 Todesurteile vollstrecken – meist mit dem Strang. Berühmte Häftlinge waren Autor Oscar Wilde, Punk Pete Doherty sowie Wikileaks-Gründer Julian Assange. Posträuber Ronnie Biggs gelang 1965 die Flucht.

Das ist die Strategie von Adobolis Anwälten

Obama sagt “thank you”

calmy_obamaAm vergangenen 23. September lud Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon (stehend) zahlreiche Staats- und Regierungschefs in New York zum Mittag­essen ein. US-Präsident Barack Obama teilte den Tisch mit EDA-Vorsteherin Micheline ­Calmy-Rey. Ausdrücklich hatte sich Obama gewünscht, in der Nähe der Bundesrätin sitzen zu dürfen. Persönlich wollte sich der Präsident bei Calmy-Rey für die diplomatischen Dienste der Schweiz im Iran bedanken. «Sowohl Präsident Obama wie auch das US-State Department haben sich nach der Freilassung der beiden US-Bürger in öffentlichen Statements bei der Schweiz für ihre Unterstützung in dieser Angelegenheit bedankt», sagt EDA-Mediensprecher Adrian Sollberger

All About Steve Jobs

steve_jobsSteve Jobs ist tot. Der Apple-Gründer war einer der grösster Unternehmer aller Zeiten. Seine Produkte haben die Welt verändert. Eine Rückschau.

Generation Click
SonntagsBlick Magazin, 25. April 2010
Ein Smartphone weckt sie. ­Facebook begleitet sie durch den Tag. Über iPods rieselt ständig Musik. Die erste Liebe erwacht per Chat. Sind Schweizer ­Jugendliche wach, sind sie online.

Steve Jobs
SonntagsBlick Magazin, 24. January 2010
Kein Wirtschaftsführer beeinflusst uns mehr als der visionäre Apple-Chef. Computer hat er vermenschlicht, dem Mobiltelefon die Musik und das Internet einverleibt. Jetzt soll er den Journalismus retten – vielleicht sein letzter Akt

“Steve Jobs is an Industrial Beethoven”
hossli.com, 2. March 2009
Great leaders are obsessed to build something exceptional, Jim Collins says. The American management guru talks about paranoia, turbulent times and his admiration for Beethoven and Steve Jobs.

Wie krank ist Apple-Gründer Steve Jobs?
Sonntag, 27. July 2008
Müde und mager wirkt der Mann, der die digitale Welt revolutionierte. Ob die blendende Karriere von Steve Jobs weitergeht, hängt von seinem Magen ab.

iPhone im Schnellstest
20 Minuten.ch, 30. June 2007
Endlich ist das iPhone da. Wir haben in Brooklyn eines gekauft und getestet. Erstes Fazit: Das iPhone ist toll, telefonieren konnte man damit erst nach 20 Stunden Verzögerung.

Geniale Veredelung
Weltwoche, 28. June 2007
Apple bringt den neuen Wunderautomaten iPhone auf den Markt. Die Firma kündigt mit dem Handy eine Revolution an. Konzernchef Steve Jobs will zum globalen Cheftrendsetter avancieren. Das Rezept: Er bringt zur Vollendung, was andere erfinden.

Wie zwei Egos unsere Welt verändern
Cash, 30. März 2006
Apple wird dreissig – und seit drei Jahrzehnten befehden sich Apple-Gründer Steve Jobs und Microsoft-Lenker Bill Gates. Jobs und sein Konzern haben in jüngster Zeit massiv Boden gut gemacht. Ein Vergleich zweier verschrobener Milliardäre.

Mister iPod
Facts, 23. September 2004
Er hat die Erfindung des Jahrzehnts gemacht, den MP3-Musikplayer iPod von Apple, und er hat damit einen Lifestyle lanciert. Tony Fadell, heimlicher Star der Computerindustrie, darf das eigentlich niemandem erzählen. Erstmals setzt er sich nun über das Verbot hinweg. Eine Personenfahndung.

Das ganze iPodpourri zum Herunterladen
Cash, 17. June 2004
Mit dem europäischen iTunes Music Store festigt Apple seine führende Position als Verkäufer digitaler Musik. Die Zuwendung des Computerherstellers zur Unterhaltungselektronik sagt den Anlegern zu.

Kampf um die Mäuse der Zukunft
Cash, 19. February 2004
Der Chef von Apple hat ein unglaubliches Comeback hingelegt – und ist noch lange nicht zufrieden. Apple-Chef Steve Jobs steht im Zenit seiner Karriere: Seine PC sind gefragt, der Musikplayer iPod ist ein regelrechter Renner. Gelingt der Angriff der Kabelfirma Comcast auf Walt Disney, wird er als neuer Konzernchef des weltweit grössten Medienkolosses gehandelt.

Magischer Apfel
Facts, 8. January 2004
Innovativ in Technik und Design: Apple hat wie kein anderes Hightech-Unternehmen die Popkultur der letzten 20 Jahre geprägt – mit dem Macintosh.

Die Klagewut lässt Apples Kasse klingen
Cash, 19. December 2003
Die Internet-Piraterie kostet die Musikindustrie jährlich zig Milliarden von Dollar. Nun schiebt die Branche einen Riegel vor und klagt die Piraten an – meist junge Studenten und Schülerinnen, die Musik tauschen. Das freut die Anbieter der neuen benutzerfreundlichen legalen Dienste.

Microsoft hat in den goldenen Apfel gebissen
Facts, 4. September 1997
Bill Gates hats geschafft: Mit bescheidenen 150 Millionen Dollar hat er sich bei Apple eingekauft und die Herrschaft über das Internet übernommen.

Backround, On- und Off-the-Record

Neulich hat mir der Pressesprecher eines Weltkonzerns ein Hintergrundgespräch mit einem Anwalt angeboten. Es sei “natürlich off-the-record”, sagte der Sprecher. Er fügte an: “Zitieren Sie unseren Mann nicht namentlich, und nennen Sie den Namen des Konzerns nicht.” Die Fakten aber, die könne ich verwenden.

Zwei Tage später schickte mir ein Reporter eines Schweizer Magazins per E-Mail ein paar Fragen, die ich, wenn ich denn wolle, “off the record” beantworten können.

Es fällt auf, dass Schweizer Mediensprecher wie Journalisten die Formen von investigativen Gesprächen nicht genau kennen.

Ein kleiner Index:

On-the-record Alle Informationen können verwendet und dem Gesprächspartner zugeordnet werden, es sei denn, während des Gesprächs werden ausdrücklich gewisse Passagen gestrichen, also “off-the-record” gestellt.

Background Die Informationen dürfen verwendet, allerdings nicht dem Gesprächspartner direkt zugeordnet werden. In der Regel wird vereinbart, wie die Quellenlage im Artikel dargestellt wird. Das führt zu den Floskeln “wie ein Banker sagt” oder “nach Informationen eines Bundesbeamten”.

Off-the-record Ein Off-the-record-Gespräch ist – off-the-record. Das heisst, es darf journalistisch nicht verwendet werden. Will man die so erhaltenen Informationen in einen Artikel einbauen, ist der Reporter verpflichtet, andere Quellen herbeizuziehen. Ein off-the-record-Gespräch steht oft am Anfang einer Recherche, oder es dient dazu, die Fakten einer abgeschlossenen Recherche zu überprüfen.

The Global Baby

cover_baby_cn1Today, we published the second issue of the collection, Ringier’s international iPad magazine that is available in English, German and Chinese.

The issue is called The Global Baby, and it deals with everything related to human reproduction.

It takes two to start a family – or three, or even four. Take Rhonda and Gerry from Mesa, Arizona. The American couple has tried to have children for years – unsuccessfully. So they hired a surrogate mother in India. And they bought a donor egg. Their son Blaze has a father, a social mother, a surrogate mother and a biological mother.

cover_deNow another surrogate is pregnant with twins – Blaze’s siblings.

It’s not an unusual story anymore. Each year, thousand of couples travel to India to rent a womb – or to Georgia, to the Ukraine, to Brazil, Poland, or to Thailand. Global fertility tourism has become a ten billion dollar business.

We explain it in the collection’s latest issue – and much more.

With exciting interactive features we look at thousand of years of reproductive research. Today, one in seven couples have fertility problems – the collection shows why, and which high- and low-tech remedies can solve them.

cover_engWe look at where you can get a treatment, and what it costs.

You’re a superstar? And you want a kid? No problem. Just go baby shopping. Elton John and his boyfriend got a surrogate. Madonna got her babies in Africa. And Angelina Jolie got them all over the world.

Nature determines a baby’s sex – unless Dr. Jeffrey Steinberg is involved. He’s helped over seven thousand couples to have children of the gender they desire. He didn’t miss even once.

But is this okay? Five experts around the world discuss legal and ethical issues.

cover3_de2For decades, Hollywood has been scaring us. With cloning, three-parent babies, artificial wombs, and stem-cell farming. Such sci-fi staples are much closer to reality than you might think.

We publish The Global Baby both as a regular issue of the collection, and as stand alone app.

Get the collection here

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German Store

UK Store

Chinese Store

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Get the The Global Baby here

• In English, US Store, Swiss Store, German Store, Chinese Store, UK Store, in Australia Store

• In German, Swiss Store, German Store, Austrian Store

How to Start an iPad Magazine – the collection

collection_englishToday sees the launch of the collection of an iPad magazine that I have developed over the past few months in conjunction with creative director, Stéphane Carpentier, and under the guidance of Thomas Trüb.

The international magazine is published by the Swiss media group, Ringier. It will initially appear monthly in three languages: German, English, and Chinese. Each issue will be sold for $5, and its potential readership includes 20 million iPad owners.

Each issue is dedicated to a particular topic, and each theme is approached in all available formats. We commission essays and feature stories, publish photographs, videos, and interactive graphics, and take a look behind the scenes. And, if that wasn’t enough, we also tell stories with interactive graphics, 3D animation, and humorous features, such as rubbing and motion sensitivity. In short, we’re looking for new forms of journalism.

Our underlying thematic policy is to be contemporary, entertaining, and globally relevant. We choose stories that are of interest worldwide, including social issues, political, economic, and scientific issues and sports.

The first issue is dedicated to Prince William, the British monarchy’s great hope. The second issue will be on reproduction.

Overall, management is in Thomas Trüb’s hands. Stéphane Carpentier acts as creative director and Peter Hossli is editor-in-chief. Our developers are Marc Carrard and Romain Rosay, all of whom work at Ringier. We have offices in Zurich, Ho Chi Minh City, and Lausanne.

The idea was born in Thalwil. In the spring of 2010, Thomas Trüb conducted a workshop on the banks of Lake Zurich. He was looking for projects connected to the iPad, introduced in early 2010. Towards the end of the day, I said, ‘Why don’t we produce a journalistic product? A magazine for the iPad?’

Trüb, himself a former journalist, seemed enthused by the prospect of launching a new journalism project.

At the time, I was thinking more of a news magazine along the lines of Focus or Der Spiegel, but there are a lot of news sources out there; the expenditure would have been immense. Setting up an editorial office that can analyze the week’s events and render them in multimedia formats is no easy task.

We eventually agreed on a single topic magazine. The visual elements were to be as important as the theme: the interaction as important as the images. Multimedia formats were to be as important as texts. Starting in August 2010, I produced two prototypes in conjunction with Stéphane. Eventually, Thomas gave us the go ahead to set up an office in Zurich and a production site in Vietnam.

We developed ideas and looked for opportunities to tell stories in an entirely different way that was tailor-maid to the requirements of the iPad.

We soon met with technical limitations: we could either invest several million in expensive developments, or we could produce in conjunction with Woodwing, and our products would end up looking like the other iPad magazines.

We rejected both options. Stéphane got lucky with Ringier Romandie in Lausanne; Marc Carrard and Romain Rosay had developed their own production system, the idea behind which is simple and expandable. We had found two perfectionists who could realize all of our needs.

We began agreeing on topics, building teams, collecting visual material, developing and discarding formats, commissioning authors, video artists, and photographers, developing layouts, and, ultimately, translating texts.

Our editorial office is still small and nimble; we are currently expanding and looking for talented journalists who are able to tell stories with more than just text and pictures, write well in German and English, and are eager to work on the collection.

Wie ein iPad-Magazin entsteht – the collection

collection_english1Seit heute gibt es the collection– ein iPad-Magazin, das ich in den letzten Monaten zusammen mit Creative Director Stéphane Carpentier unter der Leitung von Thomas Trüb entwickelt habe.

Der Schweizer Medienkonzern Ringier gibt das internationale Magazin heraus. Es erscheint monatlich in vorerst drei Sprachen: Deutsch, Englisch und Chinesisch. Eine Ausgabe kostet $5. Die potenzielle Leserschaft: 20 Millionen iPad-Besitzerinnen und -Besitzer.

Hier gibt es the collection:

US Store

Swiss Store

German Store

Jede Ausgabe ist monothematisch. Wir behandeln jeweils ein Thema – mit allen uns zur Verfügung stehenden Formaten. Wir lassen Essays und Reportagen schreiben, publizieren Fotos, Videos, interaktive Grafiken, blicken mit Lupen hinter Fassaden, erzählen Geschichten mit interaktiven Grafiken, 3D-Animation, humorvollen Elementen wie Rubbing und Motion Sensitivity. Kurz – wir suchen nach neuen journalistischen Formen.

Thematisch sind wir latent aktuell, unterhaltsam und global relevant. Wir wählen Geschichten aus, die weltweit ankommen. Uns interessieren gesellschaftliche Themen, ebenso politische und wirtschaftliche, wissenschaftliche und Sport. Die erste Ausgabe widmet sich dem Prinzen William Wales, dem Hoffnungsträger der britischen Krone. Die zweite befasst sich mit Reproduktion.

collection_deutschDie Gesamtleitung liegt bei Thomas Trüb. Stéphane Carpentier amtet als Creative Director, Peter Hossli als Chefredaktor. Unsere Entwickler sind Marc Carrard und Romain Rosay – alles Personen, die bei Ringier tätig sind. Wir haben Büros in Zürich, Ho Chi Minh City und Lausanne.

Geboren wurde die Idee in Thalwil. Thomas Trüb lud im Frühling 2010 zu einem Workshop an den Zürichsee. Er suchte nach Projekten für das Anfang 2010 vorgestellte iPad. Gegen Ende des Tages sagte ich: «Warum machen wir nicht ein journalistisches Produkt? Ein Magazin fürs iPad?»

Trüb, einst selbst Journalist, schien das Feuer zu packen, nochmals ein journalistisches Produkt zu lancieren.

Damals dachte ich eher an ein Nachrichtenmagazin im Stile von Focus oder Der Spiegel. Doch Nachrichten gibt es viele. Der Aufwand wäre immens. Eine Redaktion aufzubauen, die wöchentlich das aktuelle Geschehen vertieft und dazu noch multimedial umsetzt, ist ein beachtliches Unterfangen.

Schliesslich einigten wir uns, ein monothematisches Magazin zu entwickeln. Das Visuelle sollte so wichtig sein wie das Thema, die Interaktion so bedeutend wie Bilder. Multimediale Formate würden dieselbe Bedeutung erhalten wie Texte. Zusammen mit Stéphane Carpentier erstellte ich ab August 2010 zwei Prototypen. Schliesslich gab uns Thomas Trüb grünes Licht, eine Redaktion in Zürich und eine Produktionsstätte in Vietnam aufzubauen.

collection_chineseWir entwickelten Ideen, suchten nach Möglichkeiten, Geschichten ganz anders zu erzählen, erlebbarer zu gestalten, auf die Möglichkeiten des iPads zuzuschneiden – und stiessen rasch an technische Grenzen. Entweder wir investieren mehrere Millionen in teure Entwicklungen, oder wir produzieren mit Woodwing – und unser Produkt sieht ähnlich aus wie die anderen iPad-Magazine.

Wir verwarfen beide Optionen. Schliesslich wurde Stéphane in Lausanne fündig – bei Ringier Romandie. Marc Carrard und Romain Rosay hatten ein eigenes Produktionssystem entwickelt. Die Idee dahinter ist einfach und ausbaubar. Wir hatten zwei Tüftler gefunden, die alle unsere Wünsche umsetzen konnten.

Anfang Januar begannen wir Themen zu setzen, Teams aufzubauen, visuelles Material zu sammeln, Formate zu entwickeln, zu verwerfen, Aufträge an Autoren, Video- und Fotografen zu vergeben, Layouts zu erstellen – schliesslich Texte zu übersetzen.

Noch ist unsere Redaktion klein und fein. Derzeit bauen wir aus, suchen begabte Journalistinnen und Journalisten, die Geschichten mit weit mehr als Texten und Bildern erzählen könne, die gut Deutsch und Englisch schreiben können – und eine hohe Bereitschaft haben, sich für the collection einzusetzen.

Hier können Sie the collection kaufen:

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Am Tag danach

spiegel_hebdo-kopie-kopieIst das nun Zufall, oder doch ein Plagiat? Oder einfach das einzige, was Redaktionen zum Thema Japan und Kernschmelze derzeit einfällt?

Das deutsche Nachrichtenmagazin Der Spiegel titelte zu Beginn dieser Woche “Das Ende des Atomzeitalters”. Das Cover ziert ein Bild einer Rauchwolke über dem AKW Fukushima.

Nun zieht das westschweizer Magazin L’Hebdo mit der fast identischen Optik nach. Titelzeile: “Le fin de l’ âge du nucléaire”.

Bei den Kopfzeilen unterscheiden sich die beiden Titelblätter. Noch ist offenbar nicht sicher, wann genau das Atomzeitalter zu Ende ging. Der Spiegel: “Fukushima, 12. März 2011, 15.36 Uhr.” L’Hebdo: “Fukushima, 14 Mars 2011, 11h01″.

Guttenberg und die US-Verfassung

Der deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat in seiner Doktorarbeit die amerikanische Verfassung mit der Entwicklung von europäischen Verfassungen verglichen. Etliche Passage davon hat er bei anderen Autoren abgeschrieben.

Es stellt sich allerdings die Frage, ob er die US-Verfassung überhaupt gelesen hat. Darin sichern die Gründerväter nämlichen allen Autoren das Urheberrecht ausdrücklich zu – um die Wissenschaften und die Künste zu fördern.

Article I, Section 8, Clause 8

The Congress shall have Power …

To promote the Progress of Science and useful Arts, by securing for limited Times to Authors and Inventors the exclusive Right to their respective Writings and Discoveries.

Dieser Satz in der US-Verfassung ist zentral für die amerikanische Wertschätzung des geschriebenen Wortes, des eigenständigen Gedankens. Wissenschaftler, Autoren und Künstler sollen in der Lage sein, durch ihre geistige Arbeit den eigenen Lebensunterhalt zu sichern.

Es gibt viele Verfassungshistoriker, die den Schutz der Urheberrechte vor mehr als 200 Jahren als Grundlage für den globalen Siegeszug Hollywoods sehen, für die grossartigen US-Bildungsstätten, für die Software-Industrie.

Geschaffen hat der Satz in der Verfassung ein Bewusstein, das in Europa fehlt – dass man sich nicht mit fremden Federn schmückt. Der Fall Guttenberg zeigt vor allem diesen gravierenden Unterschied zwischen Europa und den USA.

Ein US-Politiker, der nur ein Wort wonanders abschreibt, müsste sofort abtreten.

So schwächen wir den Franken

franken1Der Schweizer Franken ist so stark wie nie zuvor. Darunter leiden Tourismus und Exportindustrie. Besorgt reagieren Schweizer Politiker und Unternehmer. Für Freitag hat der Bund die Spitzen der Wirtschafts-Verbände und der Gewerkschaften zu einer Krisensitzung aufgeboten. Ziel: Lösungen zu finden, die den Franken schwächen. Es könnten Negativzinsen sein, die direkte Franken-Anbindung an den Euro, an den Dollar, die Inhaftierung aller Währungshändler.

Es gibt wirkungsvollere Mittel: Wir müssen ein riesiges Staatsdefizit erzeugen. Zumal der Franken erstarkt ist wegen des verhältnismässig gesunden Haushalts der Eidgenossenschaft, der Kantone und der Gemeinden. Länder wie Italien und Griechenland, Spanien, Portugal und die USA hingegen schreiben hohe Defizite.

Wollen wir den Franken schwächen, muss der Staat mehr ausgeben, viel mehr. Ein paar Ideen für Politiker und Unternehmer:

• Jede Schweizer Gemeinde baut ein neues Hallenbad mitsamt Rutschbahn
• An Werktagen kostet Zugfahren nichts
• Wer nicht Zug fährt, erhält ein deutsches oder amerikanisches Auto nach Wahl
• Der Bund subventioniert Benzin
• Der Bund gründet eine eigene Fluggesellschaft; sie heisst Swissair
• Die Flugwaffe erhält noch dieses Jahr neue Kampfflugzeuge
• Milchbauern erhalten den doppelten Betrag für den Liter Milch bei gleich bleibenden Milchpreisen
• Seeanstoss für alle Hausbesitzer; der Bund legt neue Seen an
• Baden, Aarau, Winterthur, St. Gallen und Bülach bauen je ein neues Opernhaus
• Sommerskifahren in Solothurn
• Schweizer Regisseure drehen nur noch mit amerikanischen Schauspielern
• Baubeginn neuer Gotthardröhren in der zweiten Hälfte März

Weitere Vorschläge sind willkommen

Begegnungen 2010

Journalistische Geschichten sind gut, wenn sie aktuelle Themen mit Menschen plausibel darstellen. Möglich werden solche Geschichten durch persönliche Begegnungen. Als Reporter bin ich Menschen zu grossem Dank verpflichtet, die mir Zeit geben und Fragen beantworten.

Eine Auswahl von Begegnungen im Jahr 2010:

madagaskarMadagaskar – Madagaskar ist eine fabelhafte Insel. Hier leben Tiere und gedeihen Pflanzen, die es sonst nirgends gibt. Seit einem Jahr hält ein Putsch das Land in Atem und die Touristen fern. Mit fatalen Folgen für die Umwelt. Statt Besucher durch den dichten Regenwald zu führen, schlagen viele Einheimische geschützte Edelhölzer und jagen Lemuren. Ein Motorboot bringt Touristen von zum Masoala National Park. Die Fahrt beginnt sanft, vorbei an Kindern, die vom Ufer winken, an Dschunken, die Lebensmittel transportieren und Fischerbooten, von denen Frauen Crevetten aus dem Fluss ziehen. Dann geht es aufs offene Meer. Wellen so hoch wie Felsen schlagen gegen das Schiff. Jeder klammert sich fest. Angst liegt im Gesicht des fünfjährigen Leonard, der mit dem Vater mitfährt.

nadine_peterNadine Gordimer: Die Stimme Afrikas – Ihr ganzes Leben schrieb sie gegen die Apartheid an. Mit Nelson Mandela ist sie eng befreundet. Literaturnobelpreisträgerin Nadine Gordimer über Brot, Spiele, die Fussball-WM und den aufkeimenden Rassismus in Südafrika. Sachte öffnet der kräftige Haushälter die Tür des weissen Holzhauses. Es steht in einer ruhigen Strasse in Johannesburg. «Frau Gordimer ist gleich so weit», sagt er und führt am weimaraner Jagdhund vorbei ins Lesezimmer mit Sofa, Stuhl und Nierentisch. An den Wänden stehen in Glasschränken Hunderte von Büchern. «Hallo», grüsst Nadine Gordimer, 86, und stellt ein Tab lett mit zwei Porzellantassen und einer weissen Kanne auf den Tisch. «Wie trinken Sie den Tee? Stark? Milch und Zucker?» «Schwarz, bitte.» Die zierliche Frau trägt Kordhose und Pullover. Sie ist die Stimme Afrikas. Seit 70 Jahren fabuliert Gordimer ironisch übers Leben auf dem Schwarzen Kontinent. Mit 15 publizierte sie die erste von vielen Kurzgeschichten. Es folgten elf Romane und etliche Essays. Zur Welt kam sie in der Nähe von Johannesburg als Tochter eines Litauers und einer Engländerin. In den 50er-Jahren – die Apartheid wurde in Südafrika 1948 gesetztlich verankert – begann sie an der Seite der Schwarzen gegen die Rassentrennung zu kämpfen und anzuschreiben. Als Nelson Mandela 1990 nach 27 Jahren Haft entlassen wurde, war Gordimer eine der ersten Personen, die er traf. Ein Jahr später erhielt sie den Literaturnobelpreis. Sie giesst Tee auf und setzt sich aufs Sofa. Mehr

estelleCote d’Ivoire – Sie sind hungrig auf Erfolg. Ihr grosser Traum ist eine Fussballkarriere in der Schweiz. Erste Station für die kleinen Kicker aus der Côte d’Ivoire ist die Nachwuchsakademie der Young Boys in Westafrika. Ich traf Estelle, 9, und schenkte ihr einen Ball. «Mädchen spielen doch keinen Fussball», lachte mein Fahrer. Estelle sah das anders. In Côte d’Ivoire spielt jeder Fussball. Sie schnappte sich das Leder. Eine Meute Jungs eilte hinterher, wollte mitspielen. Eine halbe Stunde überlässt sie ihnen den Ball. Dann musste sie heim in die Küche. Mit ihrem Ball trottete Estelle weg – überglücklich. Mehr


dmzKorea – Im Auge des Orkans. Säbelrasseln in Korea. Seine Pistole ist geladen. Wie vor dem Hechtsprung liegen die Arme am Rumpf. Die Fäuste hat der südkoreanische Grenzsoldat geballt, alle Sehnen des muskulösen Oberkörpers gespannt. Eine pechschwarze Brille mit goldenen Rändern verdeckt das kantige Gesicht. Vor sengenden Sonnenstrahlen schützen die Gläser – und vor Hypnoseversuchen des nordkoreanischen Wächters. Der steht wenige Meter entfernt. Dünn ist er, trägt Uniform und Helm. Beides erinnert an karges Sowjet-Design. Vom Hals baumelt ein Feldstecher, den er alle paar Sekunden zu den Augen führt. Nonstop starren sich erwachsene Männer am 38. Breitengrad in Korea an. Kameras filmen. Abhörgeräte lauschen. Satelliten äugen. Warten, bis etwas passiert. Seit 57 Jahren. Es ist der letzte heisse Schauplatz des Kalten Kriegs. Ein Flecken, wo der Dritte Weltkrieg jederzeit ausbrechen könnte. Und wo mittendrin fünf Schweizer Soldaten harren. Ihr Auftrag ist klar – sie haben den Krieg zu verhindern. Mehr

steinDer Stein – Sportler stossen ihn. Für die Berner ist er ein Symbol des Friedens, für die Jurassier eine Geisel. Mal wird der Unspunnenstein geklaut, mal geht er verloren. Eine Geschichte, so erstaunlich wie die Schweiz. Er liegt in New York, verborgen in einer muffigen Kellerwohnung. Vier Jurassier bewachen ihn. Es sind Béliers, jugendliche Separatisten, die sich in den USA versteckt halten. Über Umwege erreichte er Amerika. Ein Lieferwagen brachte ihn von Interlaken nach Rotterdam. Auf einem Bananenfrachter reiste er im Herbst 2005 nach Panama. Über Landstrassen gelangte er nach New York, gehüllt in eine Decke auf dem Rücksitz eines Jeeps. Diese abenteuerliche Story erzählt ein Jurassier in New York. Stimmt sie? Vielleicht. Wo er sich heute befindet, wissen nur wenige. Dafür jagen sich Gerüchte, breiten sich Legenden aus. Einmal liegt der Stein in einem Güllenloch, unter dem Eisfeld von Tramelan, dann in den Tiefen des Thunersees, zu Sand zermalmt. Und – diese These hält sich hartnäckig – die Ex-Miss-Texas Shawne Fielding hat ihn in einer Feuerstelle verarbeitet. Mehr

newsroomNewsroom – Freitagnacht, kurz vor elf. Redaktion BLICK in Zürich. Blattmacher Urs Helbling, 48, tippt die Titelschlagzeile: «Stephanie – das Diätwunder». Er sitzt an einem von vier Computern, die noch surren. Daneben schneiden Handwerker den Teppich in viereckige Stücke, reissen diese vom Boden und tragen sie weg. Die Schlagzeile passt, Helbling schickt die Seite an die Druckerei. Es ist heute die letzte. «Ein emotionaler Moment», sagt er. «Vor 21 Jahren habe ich hier angefangen, jetzt verlasse ich diesen Raum – und den alten BLICK.» Ein Techniker löst alle Kabel, die an Helblings Rechner hängen. In der Nacht löscht er die Festplatte und setzt sie neu auf. Ein Packer schraubt Beine von Tischen. Sein Kollege sammelt Telefone ein. Der Umzug verändert die Blick-Gruppe und somit den Medienkonzern Ringier. Die grösste Schweizer Redaktion zieht in einen integrierten Newsroom, ein Grossraumbüro auf zwei Etagen im Zürcher Quartier Seefeld. Mehr

clickGeneration Click –Emre ist 16. In Olten besucht er die Bezirksschule. Dort, wo die Schnellzüge aus Bern, Zürich, Basel sich und somit die Schweiz kreuzen. Morgens weckt ihn ein Smartphone. Auf dem Weg zum Bahnhof berieselt Musik seine Ohren. Kaum ist Emre im Zug, loggt er sich per Telefon bei Facebook ein. Dazu hört er satten Sound. Im Unterricht verschickt er SMS. Über Mittag stöpselt er die Kopfhörer wieder ein. Um vier Uhr nachmittags kommt er nach Hause und startet den Rechner. Emre surft, mailt, spielt und schaut Filme. Über den Chatkanal MSN trifft er jeweils 400 Bekannte. Bis er schläft, surrt sein Computer. Ist Emre wach, ist er online, oft auf mehreren Kanälen gleichzeitig. «Ein Drittel schlafen, ein Drittel Schule und ein Drittel Medien», beschreibt der Schüler seinen Tagesablauf. Ein Sonderling ist der kräftige Kerl nicht. Alle in seiner Klasse, ob Mädchen oder Junge, haben daheim einen Computer und besitzen ein Mobiltelefon. Sie hören Hip-Hop nicht ab CD, sondern über MP3-Player. Das Handy, welches SMS und E-Mails verschickt und die Auffahrt ins Internet schafft, liegt nachts bei den meisten unter dem Kopfkissen. Es ist das letzte Ding, das sie vor dem Einschlafen sehen, und das erste, das sie morgens anfassen. Mehr

lybienDer Einsatz – Ein Plan wie aus einem James-Bond-Film. Was einige Bundesräte in Tripolis vorhatten, erschüttert die Schweiz. Die Details sind geheim. Es kam nicht dazu. Warum? Das werden wir wahrscheinlich nie wissen. Vielleicht fehlte der Mut, vielleicht die Ausrüstung. Vielleicht entdeckte der libysche Geheimdienst die Pläne. Vielleicht war der Bundesrat zerstritten, fürchtete harsche aussenpolitische Folgen. So aber hätte die militärische Geiselbefreiung gemäss Experten erfolgreich ablaufen können. Die Fiktion des Reporters basiert auf Gesprächen mit Militärexperten, in- und ausländischen Geheimdienstlern und einem Ex-Kommandanten der Schweizergarde, der Bewacher des Papstes. Mehr

leuenberger_bildIch bin wahnsinnig eingebildet und habe keine Vorbilder – Moritz Leuenberger überlässt nichts dem Zufall. Bis zum Schluss. «Der Fotograf kommt nicht rein?», fragt er. «Ich bin hier», antwortet der Mann mit der Kamera. Wie die Reporter sitzt er mit am Holztisch in Leuenbergers fast leerem Büro in Bern. «Und Ihre Riesenausrüstung?» – «Ist draussen.» – «Fotografieren Sie nicht jetzt?» – «Nach dem Gespräch.» – «Wo, wie?» Leuenberger wirkt nervös. «Den Ort finde ich, während Sie das Interview geben.» Als sei er der Regisseur, weist er den Fotografen an. «Es braucht doch auch mein Einverständnis.» Zu zweit verlassen sie das Büro. Die Journalisten werden unruhig. Leuenberger wirkt gereizt. Bricht er die ganze Übung ab? Dann kehrt er zurück, lächelnd. Er hat einen Ort gefunden: in der Kantine. Die Szene ist typisch. Leuenberger, vor 64 Jahren geboren und seit 1995 im Bundesrat, versteht es wie kein zweiter Politiker, sich selbst zu inszenieren. Er mag Macht. Und zur Macht gehört Kontrolle. Mehr

Talk on Journalism

Gedanken zum Journalismus

Alle Artikel von 2010

So Long, Larry

kinggAmerikanische Helden wissen stets gute Geschichten zu erzählen. Bei Larry King, 77, dem populären Talkmaster auf CNN, ist es die des mausarmen Tellerwäschers, der es zum Millionär schaffte. 1956 putzte King als Lawrence Harvey Zeiger die Böden einer lokalen Radiostation in Miami, Florida. Als der Dienst habende Morgenmoderator eines Tages nicht erschien, sprang King als Ersatz ein. Fortan nannte sich der in Brooklyn geborene Zeiger Larry King, «Zeiger tönte zu jüdisch». Nachher führte er über 40000 Interviews, zuerst im Radio, dann im Fernsehen.

Diese Woche verabschiedete er sich mit seiner letzten Sendung «Larry King Live».

Ich traf Larry King im Februar 1998 zum Interview in seinem Studio in Washington, eine Stunde vor der täglichen Sendung.  Er bestellte sich das Abendessen ins Büro und beantwortete meine Frage. Das Gespräch war ein Genuss, richtiges Ping-Pong. King antwortete rasch, präzise, wich nie aus.

Lesen Sie hier das gesamte Gespräch über die Medien, das Fernsehen, US-Politik – und Bill Clinton und Monica Lewinsky.

Herren und Invaliden

Gesehen an der Toiletten-Türe in einem japanischen Restaurant in der Schweizer Stadt Zürich. Die Udon-Suppe mit Gemüse schmeckte hervorragend.

wc

Good Design

We are humbled to learn that hossli.com has been selected as one of the most beautiful and clean websites around. Thank you for this honorable recognition, and kudos to designer Tina Roth Eisenberg.

For the list of 30 beautiful and clean blogs, click here.

9/11 Ain’t Funny

Switzerland’s former federal council Christoph Blocher seems to have a peculiar sense of humor. In an interview on Teleblocher the right wing politician was snorting with laughter about terrorism and the attacks on the World Trade Center on September 11, 2001. The reporter interviewing Blocher happily laughs and chuckles along.

A translation of Blocher’s outburst for non Swiss-German speakers:

“Stop using those superlatives in New York, ‘this is the World Trade Center, the World Trade Center, the highest building in the world, the highest building, we have the highest building in the world’, after that – tick – tack – two airplanes – blurblurblurblur, everything finito, over, right?”

The clip was shown by Swiss comedy show Giacobbo / Müller

Gekko und die Schweiz

gekkoGier ist nicht mehr nur gut, Gier ist legal. Das ist die Botschaft in Oliver Stones Film «Wall Street: Money Never Sleeps». Eine tragende Rolle spielt der Steuerstreit zwischen der Schweiz und den USA. Der abgehalfterte Investor Gordon Gekko (erneut brillant: Michael Douglas) schafft den Sprung zurück in den Finanzolymp mit 100 Millionen Dollar, die er jahrelang in der Schweiz vor dem US-Fiskus versteckt hatte. Schweizer Banken, lobt Gekko, seien bestens geeignet für Steuertricks.

Mit deren Hilfe gelingt ihm, was 4650 amerikanischen UBS-Kunden versagt blieb: Unerkannt wäscht er sein Geld, vermehrt es zu einer Milliarde, bringt es zurück in die USA.

Talk on Journalism

talkThis morning I was a guest speaker at the “Freitag am Donnerstag” series on journalism. It was organized by Freitag AG and curated by Tina Roth Eisenberg.

I spoke about what I believe is a good story, and referenced my piece on Monica Lewinsky, the story about the McAlester Army Ammunition Plant in Oklahoma, the firefighters who trained to go to Iraq to extinguish burning oil fields, my feature on victims of the Subprime crisis, an interview with UBS client Igor Olenicoff, the visit I paid Dennis Kozlowski in jail, a story I did on electroconvulsive therapy in Switzerland, another on how the Swiss youth uses media, and about the football school that Swiss football club Young Boys operates in Cote d’Ivoire, and lastly my search for Switzerland’s holy grail, a rock.

The audience was wonderful, and I got many interesting questions. Marcel Bernet wrote a good summary on his blog.

Photo by Marcel Bernet

You can watch a video of my talk:

FREITAG am Donnerstag – Peter Hossli (Sep 23, 2010) from FREITAG lab. ag on Vimeo.

Schwingen den Schweizern

schwingenAm 1. August am Schwingfest auf dem Urnerboden im Kanton Uri. Eine Gruppe von 16-jährigen Mädchen verfolgt einen Kampf. «Wir sind wegen den starken und schönen Männern hier», sagt eine.

Fast jedes Wochenende besuchen die Mädchen irgendwo ein Schwingfest, erzählen sie später. Warum? «Weil es so friedlich und urchig ist.» Was bedeutet das? «Urchig? Das ist Heimat.» Was ist Heimat? «Berge – und dass es keine Ausländer hat.» «Wir gehen ans Schwingfest, weil hier sicher ein Schweizer gewinnt.» «Wenn nur Schweizer mitmachen, dann gibt es keinen Ärger.»

Die Schweiz ist doch ein Land, das schon immer viele Zuwanderer hatte, wo die Ausländer gut integriert sind. «Nicht beim Schwingen», sagt ein Mädchen. «Hier machen die Ausländer nicht mit, und das soll so bleiben.»

Sport hat eine integrative Funktion. Sollten junge Ausländer nicht zum Schwingen animiert werden? «Nein, Schwingen dürfen nur Schweizer, die Ausländer können ja Fussball spielen.»

Foto: Robert Huber

UBS Reader

doug2Fast drei Jahre brodelte der Steuerstreit zwischen den USA und der Schweiz. Auslöser wardie UBS und ihr grenzüberschreitendes Geschäft mit amerikanischen Kunden. Vor einem Gericht in Florida hat Ex-UBS-Banker Bradley Birkenfeld gestanden, wohlhabenden US-Kunden bei der Steuerflucht geholfen zu haben.

In einem Deferred Prosecution Agreement hat die UBS am 18. Februar eingestanden, über Offshore-Konten US-Bürgern zur Steuerflucht verholfen zu haben. Der amerikanischen Börsenaufsichtskommission SEC musste sie eingestehen, in den USA ohne Lizenz Anlagetipps abgegeben zu haben.

Letzten Juli entschuldigte sich UBS-Finanzchef Mark Branson vor dem US-Senat für das Fehlverhalten der UBS. Infolge beschloss die UBS, US-Kunden nur noch von den USA aus zu betreuen.

Währenddessen steckte die Schweiz den Kopf in den Sand.

Mittels Zivilklage versuchte die US-Regierung weiter, an Namen von UBS-Kunden zu gelangen. Per Staatsvertrag setzten die Schweiz und die USA die Zivilklage aus. Diese Woche segnete das Parlament das Abkommen ab.

Eine Sammlung von Artikeln und Dokumenten

Artikel

Das Arsenal der UBS, SonntagsBlick, 13. Juni 2010

Schweizer ans Messer, SonntagsBlick, 23. Mai 2010

“Die UBS hat mich reingelegt”, Interview mit Igor Olenicoff, SonntagsBlick, 4. April 2010

Das Land ohne Konsequenzen, Ein Essay, SonntagsBlick Magazin, 27. Dezember 2009

Leben mit dem Betrug, SonntagsBlick Magazin, 20. September 2009

“Man will uns jede Kleinigkeit vorschreiben”, Interview mit Hans-Ulrich Doerig, SonntagsBlick, 13. September 2009

So fangen Amis die UBS-Steuersünder, SonntagsBlick, 30. August 2009

“Die Kunden sind nicht bloss harmlose Opfer”, Interview mit Kaspar Villiger, SonntagsBlick, 23. August 2009

Sie machten aus Amerikanern Schweizer, SonntagsBlick, 23. August 2009

“Viele Reiche beissen in den sauren Apfel”, Interview mit Fritz Kaiser, SonntagsBlick, 16. August 2009

Er will 20 Schweizer Banken verklagen, SonntagsBlick, 9. August 2009

Die neue amerikanische Offensive, SonntagsBlick, 2. August 2009

So rettet sie das Bankgeheimnis, SonntagsBlick, 19. Juli 2009

“Ich bin schuldig”, Interview with Igor Olenicoff, Weltwoche, 21. Mai 2009

Bundesrat lockert Bankgeheimnis, Reaktionen in den USA, Sonntag, 15. März 2009

Levin im Hintertreffen, Sonntag, 15. März 2009

Steueroase in Delaware, Weltwoche, 12. März 2009

“Die USA negieren Abkommen”, Interview mit Faith Whittlesey, Mittelland Zeitung, 9. März 2009

“Wir wollen einen vollständigen Informationsaustausch”, Interview mit Carl Levin, Sonntag, 8. März 2009

Wehrlos, Hossli.com, 1. März 2009

Schweiz droht schwarze Liste, Sonntag, 1. März, 2009

Gnade vor Recht – das Deferred Prosecutioin Agreement, Bilanz, 27. Februar 2009

Konten in der Schweiz sind geschützt, Weltwoche, 26. Februar, 2009

3800 illegale Treffen in Amerika, Sonntag, 22. Februar, 2009

Der clevere UBS-Deal, Hossli.com, 18. Februar 2009

UBS wegen Chefs in der Tinte, Sonntag, 14, Dezember 2008

Le cauchemar Birkenfeld, Private Banking, 15. August 2008

“Es war ein Kniefall”, Interview mit Mark Branson, Weltwoche, 24. Juli 2008

Riskanter Auftritt, Weltwoche, 24. Juli 2008

“Amerikaner bellen den falschen Baum an”, Sonntag, 20. Juli 2008

Alptraum Birkenfeld, Bilanz, 18. Juli 2008

Martin Liechti sagt aus, Bilanz, 15. Juli 2008

“Kein Angriff auf das Bankgeheimnis”, Interview mit John C. Coffee, Weltwoche, 26. Juni 2008

Bankdaten gegen Straffreiheit, “Sonntag”, 22. Juni 2008

“Bankgeheimnis schwierig zu verteidigen”, “Sonntag”, 8. Juni 2008

UBS sucht Deal mit US-Behörden, “Sonntag”, 1. Juni 2008

Cowboy-Methoden, Hossli.com, 11. Mai 2008

Dokumente / Links / Other Media

Senatshearing, Tax Haven Banks and U. S. Tax Compliance – Obtaining the Names of U.S. Clients with Swiss Accounts, 4. März, 2009

America must treat its Swiss friends with care, Faith Whittlesey, FT, 1. März 2009

Swiss Bank Miss, Wall Street Journal, 27. Februar 2009

Zivilklage, US-Justizministerium, 19. Februar, 2009

Deferred Prosecution Agreement, 18. Februar 2009

GAO-Report, International Taxation, 18. Dezember, 2008

Senatshearing zu Banken und Steueroasen, 17. Juli 2008

GAO-Report zu QIs

Tax Haven Banks and US Tax Compliance, US-Senats Bericht von Carl Levin

Opening Statement von Mark Branson (UBS), Senat-Hearing 17. Juli 2008

Wohnsiedlung von Bradley Birkenfeld in North Weymouth

Anklageschrift gegen Bradley Birkenfeld

Schuldbekenntnis von Bradley Birkenfeld

Verhör-Protokoll von Bradley Birkenfeld

Statement UBS / English

Statement UBS / Deutsch

No More Kissin’

They kissed forever during the Democratic convention in the year 2000. Now they ain’t no more. Almost President, Nobel Peace laureate and Oscar winner Al Gore has separated from his wife of 40 years, Tipper.

A sad story, sure. For one last time, let’s go back to that memorable kiss:

Jobs Beats Gates

jobes_gatesApple co-founder Steve Jobs has finally arrived where he always wanted to be – on top and ahead of Bill Gates. Today Apple surpassed arch enemy Microsoft in market capitalization for the first time in it’s 34 year history. Apple is the largest technology company in the world.

Maybe now Steve Jobs will start to think about what Bill Gates has been doing for that last decade: use some of his money for a better cause then trying to kill Flash.

Es braucht das iPad

Seit gestern besitze ich ein iPad. Es kam per persönlichem Kurier aus New York nach Zürich. “It’s a giant iPhone”, sagte meine Tochter, als ich es aus der Schachtel nahm.

Falsch. Das iPad – und ähnliche Geräte von anderen Herstellern – ist viel mehr als das.

Es könnte das Internet zum globalen Telefonbuch degradieren und damit die Epoche grottenschlechter digitaler Inhalte beenden. Für kreative Menschen, für gute Journalisten und Fotografen, für Filmemacher und Geschichtenerzähler bietet das iPad die Möglichkeit, endlich Geld mit digitalen Geschichten zu verdienen.

Seit rund 15 Jahren laden professionelle Journalisten und Amateure Inhalte ins Netz – und zwar fast durchwegs kostenlos. Die Folge: Ein riesiger Haufen Schrott. Die Medien verloren die Rubrikenanzeigen ans Internet – ebenso die Aufmerksamkeit und somit ihr Geschäftsmodell. Die Qualität litt. Leserinnen und Leser wenden sich weiterhin vom Papier ab, weil die gedruckten Worte und die dazugehörigen Bilder meist uninteressant sind.

Online ist es selten besser. Was nichts kostet, hat keinen Wert.

Das iPad könnte das ändern. Es wird dann ein Erfolg, wenn es das Modell der letzten 15 Jahren ablöst.

Das Potenzial ist da. Das iPad ist ein geschlossenes System. Inhalte werden über so genannte Apps vertrieben. Das kostet den Nutzer. Sie geben aber nur dann Geld für Inhalte aus, wenn die Inhalte sehr gut sind. Die Anbieter von iPad-Apps sind also gezwungen, hervorragende Text und Bilder, Videos und Grafiken anzubieten. Was Geld kostet, hat einen Wert und muss gut sein.

Das iPad wird gute Inhalte provozieren. Sonst ist es nicht nötig.

Mehr zum Alptraum Internet

Italian Kummer

Tommaso Debenedetti is a Rome based freelance journalist. He gives famous Swiss borderline journalist Tom Kummer a run for his money.

Back in March, an Italian reporter for La Repubblica interviewed US novelist Philip Roth. She confronted him with a negative statement on Barack Obama that Roth allegedly made in an interview with Debenedetti. Roth was very surprised. He did not know about Debenedetti, and he never made the statement.

Though Roth began to dig in. He found a Q&A interview by Debenedetti with author John Grisham with similar denunciations of Obama. Roth had his agent contacting Grisham’s agent. Soon it was obvious: The Grisham interview also was a fake.

Now the New Yorker has unearthed that Debenedetti is actually a serial faker. According to the magazine’s website a Gore Vidal interview by Debenedetti never happened. Nobel price laureates Toni Morrison, Nadine Gordimer, Günter Grass, and Herta Müller say Debenedetti never talked to them, even though he published interviews with him.

The New Yorker reached Debenedetti by phone. He denies to have ever fabricated anything. As he only got 20 Euros, Debenedetti argues, he is not greedy.

Maybe his stuff is just worthless.

Mr iPod Has Left the Building

Today, the New York Times reports that Tony Fadell is finally leaving Apple. Fadell is considered the father of the famous iPod. For many years he was not allowed to talk to the press. A couple of years back we met Mr iPod in New York for one of the very few interviews he ever gave while still at Apple. Back then he was even afraid to say that he invented the iPod.

Click to read the interview

Interview mit Kathryn Bigelow

bigelowVor 14 Jahren brachte die Action-Regisseurin Kathryn Bigelow den Film «Strange Days» in die Kinos. Im Interview, das ich damals mit ihr führte, nannte sie Hollywood einen «Boys-Club». Gestern gewann sie als erste Frau den Regie-Oscar für ihren neusten Film «The Hurt Locker». Ein Klick führt zum Interview.

Funny Swiss Man

U.S. comedian Stephen Colbert found a truly funny Swiss man at the Vancouver Olympics. For his show “Colbert Report” he plays Fondue Pong with the guy in charge at the Swiss House in Vancouver. Not to be missed.

The Colbert Report Mon – Thurs 11:30pm / 10:30c
Olympic International Houses
www.colbertnation.com
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