Von Peter Hossli

Geopolitik. Die Türkei grenzt an Syrien und kontrolliert den Luftraum über dem von Bürgerkrieg geschundenen Land. Das Land ist Nato-Mitglied und beherbergt die Incirlik Air Base. Von hier fliegen die USA Einsätze. Die Türkei droht immer wieder mal mit der Schliessung des Stützpunktes – ein stetes Druckmittel. Istanbul kontrolliert die Verbindung zwischen Mittelmeer und Schwarzem Meer. Die Türken könnten der russischen Flotte also den Zugang zum Mittelmeer unterbinden.
Flüchtlinge. Gegen drei Millionen syrische Flüchtlinge leben in der Türkei. Sechs weitere Millionen wollen Syrien verlassen und über den Bosporus nach Europa gelangen. Seit März 2016 gilt zwischen EU und Türkei ein Flüchtlingsabkommen. Bricht die Türkei das Abkommen, würden wohl erneut Millionen über Griechenland und den Balkan nach Europa strömen. Allerdings würden dann die Milliarden aus Brüssel versiegen.
Tourismus. Die türkischen Strände und Istanbul waren jahrzehntelang beliebte Reiseziele vieler Schweizer. Letztes Jahr kam der Einbruch: Nur noch 215’194 Schweizer besuchten das Land. Ein Jahr davor waren es noch 380’338 Personen. Dieses Jahr dürfte es noch weniger werden.

Regionalmacht. Türkische Baufirmen errichten im Nahen und Mittleren Osten Hochhäuser und Shoppingcenter. Politisch gehört sie neben Iran und Saudi Arabien zu den einflussreichsten Ländern der Region.
Wirtschaft. Siebzig Prozent aller Haselnüsse stammen aus der Türkei. Darauf angewiesen sind Schweizer Schokolade- und Guetsli- sowie der Nutella-Hersteller. Die Türkei exportiert Textilien im Wert von jährlich 20 Milliarden Franken– vom Unterleibchen bis zum Massanzug. Toyota, Daimler, Ford, Fiat und Renault stellen in der Türkei Autos her. Ab 2018 soll durch die Transanatolische Pipeline Erdgas aus Aserbaidschan bis nach Österreich fliessen. Auch Katar will Gas via die Türkei nach Europa liefern.