Liebesgrüsse nach Moskau

Von Peter HossliDeutlicher kann man es nicht sagen: «Ich besitze in Russland nichts», sagt Donald Trump (70). Es ist Donnerstag in Washington D.C. Der amerikanische Präsident stellt sich der Presse.Die wittert einen Skandal.Russische Spione sollen Trump im letzten Jahr den Wahlsieg beschert haben. Im Gegenzug soll der Bauherr aus New York dem russischen Präsidenten Wladimir Putin (64) das Ende der wirtschaftlichen Sanktionen versprochen haben.Am Montag tritt Trumps Sicherheitsberater Michael Flynn (58) deshalb zurück. Nun ist Donnerstag, und Trump steht mit dem Rücken zur Wand.Ein Hauch von Watergate weht durch Washington. Antworten auf zwei Fragen wollen alle haben. Was wusste Trump? Und wann wusste er es? «Ich habe keine Geschäfte mit ...

Von Peter Hossli

Deutlicher kann man es nicht sagen: «Ich besitze in Russland nichts», sagt Donald Trump (70). Es ist Donnerstag in Washington D.C. Der amerikanische Präsident stellt sich der Presse.

Die wittert einen Skandal.

Russische Spione sollen Trump im letzten Jahr den Wahlsieg beschert haben. Im Gegenzug soll der Bauherr aus New York dem russischen Präsidenten Wladimir Putin (64) das Ende der wirtschaftlichen Sanktionen versprochen haben.

Am Montag tritt Trumps Sicherheitsberater Michael Flynn (58) deshalb zurück. Nun ist Donnerstag, und Trump steht mit dem Rücken zur Wand.

Ein Hauch von Watergate weht durch Washington. Antworten auf zwei Fragen wollen alle haben. Was wusste Trump? Und wann wusste er es? «Ich habe keine Geschäfte mit Russland», sagt der. «Ich habe nichts zu tun mit Russland.»

Es gibt Fakten, die genau das widerlegen, und es gibt Mutmassungen.

Beides belegt Trumps Nähe zum Zaren-Reich. Und die Bewunderung des amerikanischen für den russischen Präsidenten.

Laut FBI hackten russische Spione letztes Jahr die Wahlkampfzentrale von Trumps Widersacherin Hillary Clinton (69).

Die «New York Times» berichtet über direkte Kontakte von Trumps Team zu russischen Spionen während des Wahlkampfs.

Putin kündet Vergeltung an

Flynn telefonierte am 29. Dezember 2016 mit dem russischen Botschafter in den USA. Die beiden redeten über Sanktionen, die der damalige Präsident Barack Obama (55) verhängte. Am selben Tag verwies Obama 35 russische Diplomaten des Landes. Weil Russland sich in den US-Wahlkampf einmischte.

Zwar kündigte Putin sofort Vergeltung an. Am Tag nach Flynns Telefon mit dessen Botschafter sah er davon überraschend ab. Trump twitterte, wie klug Putin doch sei.

Mit dem Telefonat mischte sich Flynn in diplomatische Angelegenheiten ein, was illegal ist. Der Verdacht liegt nahe, er tat es auf Geheiss Trumps.

Eine «bedingungslose Aufklärung» verlangt sogar der Sender Fox News, sonst Republikanern wie Trump eher freundlich gesinnt.

Der republikanische Senator John McCain (80) möchte eine Anhörung Flynns unter Eid erwirken.

Der Leitsatz «follow the money» soll die beiden Reporter beflügelt haben, die 1972 den Watergate-Skandal aufdeckten. Nun hilft es, dem Rubel zu folgen, um Trumps Verstrickungen zu Russland zu verstehen.

Russen seien «überproportional» vertreten im Portfolio, sagte 2008 Donald Trump Junior, Sohn des heutigen Präsidenten. «Sehr viel Geld aus Russland fliesst zu uns.»

Grosse Bewunderung

Vor drei Jahren, als Trump die Miss-Universe-Wahlen in Moskau abhielt, schwärmte er: «Ich war in Moskau, sie haben mich grossartig behandelt, Putin hat mir ein Geschenk geschickt mit einer wunderbaren Karte, ich habe mit allen seinen Leuten gesprochen.»

Trump bewundere Putin, sagt der konservative Kommentator David Frum (56). «Putin kontrolliert den Staat und wurde so einer der reichsten Menschen der Welt», sagt Frum, der für Ex-Präsident George W. Bush (70) Reden verfasste. «Trump möchte es ihm gleichtun.»

Die Spur des Rubels reicht dreissig Jahre zurück. Bereits 1986, vor dem Fall der Mauer, besprach Trump in New York bei einem Nachtessen mit Russlands Botschafter Jurij Dubinin (1930–2013) die Idee, einen Trump Tower in Moskau zu errichten. Auf Dubinins Einladung reiste Trump nach Moskau. Ein Deal kam nicht zustande.

Zwei Jahre später besuchten der sowjetische Generalsekretär Michail Gorbatschow (85) und Gattin Raisa (1932–1999) die Uno in New York. Vergeblich versuchte der Tycoon, das Paar in den Trump Tower zu lotsen.

Nach dem Kollaps der Sowjetunion suchte Trump eifrig die Nähe zum Rubel. Immer wieder, so die «Financial Times», lieh er sich bei reichen Russen Kapital.

Die Marke Trump in Russland

Zwischen 1996 und 2008 liess er über die Firma Sojuzpatent in Russland mehrere Marken registrieren, darunter «Trump,» «Trump Home» und «Trump Tower».

Zwischen 2000 und 2010 verkaufte Trump vornehmlich an russische Reiche Apartments in Florida. Er lockte sie mit dem «24K Super Premium Vodka» – einem Wodka, den er einer Moskauer Messe für Millionäre vorstellte. Die Flasche? Mit Gold verziert! «Die Russen sind unsere besten Kunden», so damals Trumps Sohn Eric (33).

Auf 8,5 Milliarden Dollar schätzt «Forbes» das Vermögen des Oligarchen Dmitri Rybolowlew (50). 2008 kaufte er Trump in Palm Beach, Florida, ein Anwesen für 95 Millionen Dollar ab. Rybolowlew lebt heute in Monaco. Vor zwei Jahren war er in einen Kunstskandal in Genf verstrickt.

Mit dem Kasachen Tevfik Arif (63) baute Trump in New York das Hotel Trump SoHo. Bezugsbereit war es 2010.

Millionen und enge Banden

Der aserbaidschanische Milliardär Aras Agalarow (62) zahlt 2013 Trump vierzehn Millionen Dollar, um in Moskau die Miss-Universe-Wahl durchzuführen. Was Trump riesig freute. «Denkt ihr, Putin werde im November an die Miss-Universe-Wahl kommen?», fragte Trump im Juni 2013 auf Twitter. «Er wäre dann mein neuer bester Freund.»

Putin kam zwar nicht, aber er sandte «ein schönes Geschenk». Während der Misswahlen sprach Trump mit Agalarow über den Bau eines Trump Towers in Moskau.

Bleiben die Amerikaner in Trumps Umfeld, die beste Freunde in Moskau haben. Den Erdöl-Experten Carter Page (45) nannte Trump einst «meinen aussenpolitischen Berater». Zuvor half Page der US-Bank Merrill Lynch, in Moskau ein Büro zu eröffnen. Er half, Deals des russischen Energiekonzerns Gazprom zu finanzieren. Mittlerweile will Trump Page «nie getroffen haben», so sein Sprecher.

Besonders eng sind die Banden des nun entlassenen Ex-Sicherheitsberaters Michael Flynn. Beim Dinner des Propaganda-Senders RT sass er im Dezember 2015 am selben Tisch mit Putin. Dafür soll Flynn 40’000 Dollar erhalten haben.