Von Peter Hossli (Text) und Stefan Falke (Fotos)

Vielen sei der Appetit vergangen. «Meine Kunden sind angespannt», sagt Stephanie Alfaro. Washington zittert. Weil ab heute mit Donald Trump (70) ein Republikaner regiert – im demokratischsten Flecken der USA. 91 Prozent der Einwohner der US-Hauptstadt wählten im November Hillary Clinton (69).
Schwule fürchten die Republikaner

Es ist kurz vor Mittag, noch 24 Stunden amtet Barack Obama (55) als US-Präsident. Die Strassen in der Nähe von Kapitol und Mall sind für den Verkehr gesperrt. Arbeiter stellen WC-Häuschen auf, montieren hohe Metallzäune, legen Betonblöcke nieder.
Am Himmel kreisen Helikopter. Auf der 1,6 Kilometer langen und 120 Meter breiten Mall liegt harter Plastik, damit sich der Boden trotz erwartetem Regen nicht in ein Schlammbad verwandelt. Überall hängen Hinweise, dass während der Vereidigung Rucksäcke, Selfie-Sticks und Regenschirme verboten sind.
«Das Geschäft läuft schlechter als 2009»

Dafür sind neue Lobbyisten angekommen. Etwa Dr. Richard Lang (60), der die Delaware Avenue entlangschreitet. Er führt ein Spital in El Paso, Texas, und möchte wieder mehr Geld verdienen mit Gesundheit. «Wir lobbyieren dafür, Obamacare zu bodigen.»
Am Abend besucht er eine Party mit 10’000 geladenen Gästen. Dresscode: Cowboystiefel und Smoking. Ein solches Fest sah Washington letztmals in der Zeit von Präsident George W. Bush (70).
«Endlich regiert wieder ein Republikaner»

Festlich beflaggt ist der Hauptbahnhof von Washington. Seit Jahren verkauft Tini Cherkaoui hier politische Souvenirs. Die Muslimin trägt ein rosa Kopftuch, an ihrem Stuhl prangt ein «Hillary Clinton»-Kleber. «Am besten laufen Trump-Hüte», sagt sie. Aber: «Mit Obama erzielte ich mehr Umsatz.»
Trump-Kugelschreiber für vier Dollar

Als «Blase» bezeichnet Uber-Fahrer Aubrey Kenny (35) seine Stadt. «Unter Obama war es eine demokratische Blase, jetzt wird sie eine republikanische.» Wie lange? «Bewegt Trump etwas, lieben sie ihn – sonst dreht Washington in vier Jahren wieder.»