Von Peter Hossli

Die Versorgungslage ist laut Jensen prekär – und angespannt. «Mazedonien hat die Grenze mit Soldaten und Polizisten militarisiert.» Der grossgewachsene Däne leitet im Transitcamp im mazedonischen Gevgelija den Kinderhort. «Wir sind fast leer, weil Mazedonien die Grenzen zugemacht hat und die Kinder nicht zu uns lässt.»
So wird das Nadelöhr der europäischen Flüchtlingskrise noch schmaler. Wenige Hundert Personen lassen die Mazedonier täglich durch. In Idomeni aber kommen täglich 3000 Flüchtlinge aus Athen an.
Mazedonien schliesst die Grenzen, weil das Nachbarland Serbien die Grenzen schliesst. «Das arme Balkan-Land kann selbst keine Flüchtlinge beherbergen», so Jensen. «Es will sie nur durchschleusen.» Was nicht mehr möglich ist, denn ein Domino-Effekt blockiert die Balkan-Route: Serbien schliesst, weil Kroation schliesst; Kroation schliesst, weil es keine Flüchtlinge mehr nach Slowenien schleusen kann; Slowenien macht dicht, «da Österreich nur noch 500 Personen pro Tag ins Land lässt», sagt Jensen.
Syrer, Iraker und Afghanen haben deshalb versucht, den Stacheldrahtzaun an der mazedonisch-griechischen Grenze niederzureissen. Grenzwächter stoppten sie mit Tränengas. «Europa steht vor einer humanitären Krise», warnt die Uno. Sie triff besonders das krisengebeutelte Griechenland. So sind im Januar und Februar bereits 122 637 Menschen über die Ägäis nach Griechenland gelangt – fast so viele wie in der ersten Hälfte 2015. Der griechische Premierminister Alexis Tsipras (41) muss sofort 50 000 Betten bereitstellen. Er bat gestern die Uno und andere europäische Länder um Hilfe.