Von Peter Hossli

Nächste Woche weilt der US-Aussenminister in der Schweiz. Damit rückt die Alpenrepublik in den Fokus der Weltpolitik – so stark wie seit Jahren nicht mehr.
Es geht um den Frieden – und um Kerry (70) selbst. Den Friedensnobelpreis strebe er an, heisst es in diplomatischen Kreisen der USA. Deshalb will er verfeindete Staats- und Regierungschefs des Nahen Ostens zueinander führen – hier bei uns.
Am Mittwoch besucht Kerry die Uno-Konferenz zu Syrien in Montreux VD, will sich bemühen, den seit Jahren schwelenden Bürgerkrieg zu stoppen. Vom Genfersee fliegt er ans Weltwirtschaftsforum WEF nach Davos. Über das «amerikanische Engagement in Nahost» werde er reden, heisst es im dürren Communiqué seines Ministeriums. Erstmals seit 2004 weilt damit wieder ein Spitzenvertreter der US-Regierung am WEF. 2003 war US-Vizepräsident Dick Cheney (72) dabei.

Am WEF versucht Kerry das Tauwetter zwischen den USA und Iran zu nutzen: Im September hatte Barack Obama (52) mit Irans Präsident Hassan Rohani (65) telefoniert. Nun hoffen viele, dass sich Rohani und Kerry in Davos die Hand geben. Oder – noch besser: hinter verschlossenen Türen über Irans Nuklearprogramm reden.
Die USA wären bereit, Wirtschaftssanktionen zu lockern – wenn Teheran sein Atomprogramm künftig nur noch zivil betreibt.
Genau das haben die Iraner versprochen. Ein Versprechen, dem Israel zutiefst misstraut. Eine Delegation aus Jerusalem reist ebenfalls nach Davos – mit Top-Besetzung: Präsident Shimon Peres (90) und Premierminister Benjamin Netanyahu (64). Niemand zweifelt daran, dass Kerry plant, die iranische und die israelische Delegation zusammenzubringen.
Ein Handschlag zwischen Netanyahu oder Peres mit Rohani wäre eine politische Sensation, wie sie dem WEF in den letzten Jahren so sehr gefehlt hat – Davos würde einmal in den Geschichtsbüchern stehen.

Kerry geht dabei durchaus Risiken ein. Sollte Israels Hardliner Netanyahu der iranischen Delegation gezielt aus dem Weg gehen, könnte sich der US-Aussennminister sogar lächerlich machen.
Mittendrin ist der Schweizer Bundespräsident Didier Burkhalter (53). Er wird mit John Kerry an den Konferenzen in Montreux und Davos zusammenkommen.
Bei Bedarf wird er sicher helfen, in der Schweiz Geschichte zu schreiben.