mauch_strip

“Meine Aufgabe ist Hochleistungs-Sport”

Velotour durch Zürich mit der Stadtpräsidentin. Corine Mauch (53) über die Finanzlage der Stadt, warum die Verichtungsboxen ein Erfolg sind – und ihre Vorliebe im Fussball.

Interview: Peter Hossli Fotos: Philippe Rossier

CorineMauch30Frau Stadtpräsidentin, am Sonntag wählt die Stadt Zürich. Fürchten Sie um Ihr Amt?
Corine Mauch: Nein, ich bin zuversichtlich. Auf der Strasse erhalte ich viele positive Rückmeldungen, auch von Sympathisanten anderer Parteien.

Filippo Leutenegger will Sie verdrängen. Als BLICK letzte Woche mit ihm auf der orangen Vespa durch Zürich fuhr, meldete sich Ihr Komitee: Sie hätten ein rotes Velo – und wollten auch in den BLICK.
Mein Velo besitze ich seit fünf Jahren. Herr Leutenegger wechselt die Vespa alle zwei Jahre. Zudem fahre ich ein Elektro-Velo, betrieben mit Ökostrom!

Dennoch waren wir erstaunt. Sie reagieren sonst langsam auf Ringier und ignorierten eine Anfrage von Ringier-CEO Marc Walder, Zürich als Medienstadt zu stärken.
Da ist in meinem Sekretariat ein Fehler passiert. Als ich davon erfuhr, nahm ich sofort mit Herrn Walder Kontakt auf. Wir hatten bereits ein Gespräch und verfolgen das Projekt Medienstadt.

Zu Beginn Ihrer Amtszeit beklagten Sie sich über das hohe Pensum. Haben Sie sich daran gewöhnt?
Meine Aufgabe ist anspruchsvoll, ein Hochleistungssport. Jetzt kenne ich aber die Dossiers und meine Geschäfte besser. Die Arbeit macht mir Spass – was die dafür nötige Energie freisetzt.

Wie haben Sie Zürich verbessert?
Durch meinen Stil. Schweizweit gibt es einen Anti-Zürich-Reflex. Man wirft uns Grossspurigkeit vor. Zwar ist Zürich die grösste Stadt des Landes. Aber ohne Region, ohne Schweiz ist Zürich nicht stark. Deshalb suche ich auf Augenhöhe den Austausch mit Bund und Kantonen.

hossli_mauchDann braucht es eine Aargauerin, um Zürich zu verbessern?
Vor mir waren es zwei Innerschweizer! Das zeigt, wie stark Zürich mit der Welt verbunden ist. Die Stadt zieht Menschen an. Ich kam für meine Ausbildung an die ETH und blieb.

Die Finanzbranche erlebt einen Strukturwandel. Wie gehen Sie damit um?
Wir bieten eine gute Infrastruktur an, guten öffentlichen Verkehr, ein attraktives Kultur- und Sportangebot, helfen bei Arbeitsbewilligungen. Ständig erhöhen wir die Sicherheit. Heute fühlen sich 80 Prozent aller Zürcher selbst nachts sicher, 1999 waren es nur 59 Prozent.

Dennoch: Der Finanzplatz ist gefährdet, gerade weil Ihre Partei gegen das Bankgeheimnis ankämpft.
Das Potenzial der Finanzbranche ist gross. Die Banken bieten einen Service, der weit über das faktisch nicht mehr existierende Bankgeheimnis hinausgeht.

Dann ist alles gut?
Der Finanzplatz wird nicht mehr auf das Niveau vor der Krise kommen.

CorineMauch27Zahlen Banken weniger Steuern, leiden Zürichs Finanzen.
Mit der Finanzkrise brachen der Stadt über Nacht 400 Millionen Franken Steuern weg. Einen Teil konnten wir kompensieren. Weil Zürich sehr attraktiv ist, kamen in den letzten zehn Jahren 30 000 Einwohner hinzu. Das fordert zwar heraus, bringt aber neue Steuereinnahmen.

Schliessen Sie aus, in den nächsten vier Jahren Steuern zu erhöhen?
Steuern sind nur ein Faktor der Zürcher Finanzsituation.

Sie weichen aus: Steigen in Zürich die Steuern oder nicht?
So kann ich das nicht sagen. Wir wollen die Finanzen unter Kontrolle halten und hoffen, keine neuen Steuersenkungen schlucken zu müssen, und dass die Banken wieder mehr zahlen.

Wähler wollen nicht die Katze im Sack, sondern klare Antworten.
Würde ich hier versprechen, die Steuern nicht zu erhöhen, würde ich den Wählern entweder Sand in die Augen streuen, oder ich müsste bei anderen Bedingungen mein Versprechen brechen – oder ich würde die Sub­stanz der Stadt angreifen.

Sie haben Verrichtungsboxen aufgestellt. Warum?
Sie boten eine Lösung für unhaltbare Zustände am Sihlquai und für die Frauen. Nun ist klar: Die Verrichtungsboxen sind ein Erfolg, das Quartier ist entlastet, die Szene verschwunden. Die Frauen arbeiten geschützt.

Die Boxen werden selten benutzt. Wo sind die Prostituierten hin?
Es gibt Frauen, die Zürich verliessen. Einige gingen ins Ausland.

Die Nachfrage bleibt. Gibt es eine neue Szene im Untergrund?
Davon wissen wir nichts.

CorineMauch28Ihr Kollege Richard Wolff nannte den Schwarzen Block «bunt» und eine «interessante Ergänzung». Ist er im Stadtrat noch tragbar?
Für seine Äusserungen muss er selbst die Verantwortung übernehmen. Wichtig ist mir, dass er sich klar von Gewalt distanziert hat – und sich entschuldigte. Natürlich sorgten die Aussagen beim Polizeikorps für Irritation.

Mögen Sie Fussball?
Es ist ein spannender Sport. Ab und zu gehe ich an einen Match.

Unterstützen Sie GC oder FCZ?
Spielt der FCZ nicht, bin ich für GC.

Wann erhält Zürich endlich ein Fussballstadion?
Das wüsste ich auch gern! Zwei unterschiedliche Anläufe sind gescheitert: ein selbsttragendes Projekt mit Mantelnutzung; und eines, bei dem die Stadt
etwas zahlen musste.

Ein Stadion ist noch möglich?
Ja. Der Ball liegt jetzt bei Privaten und den Klubs. Bei uns ist die Türe offen für Gespräche.

Sollen GC und FCZ fusionieren?
Das ist Sache der Klubs.

Zürich ist eine internationale Stadt…
… hier leben Menschen aus 170 Nationen friedlich zusammen.

Wie kann die Integration verbessert werden?
Wir helfen Zuziehenden, Deutsch zu lernen. Das ist zentral. Generell funktioniert die Integration in Zürich aber gut.