Von Peter Hossli

Schellenberg gehörte zu den prägendsten Figuren der Schweizer Medienlandschaft. Als 24-Jähriger kam der gelernte Speditionskaufmann 1964 ins Studio Leutschenbach, arbeitete als Redaktor und Moderator. Am 1. Januar 1988 wurde er Direktor von SF DRS, wie der grösste Kanal der SRG damals hiess. «Fernsehdirektor ist kein Beruf, das ist eine Funktion», sagte er stets. «Schellenberg bewegte sich als gewiefter, nicht gerade zimperlicher Taktiker und Stratege in einem politisch-kulturell spannungsreichen Feld», fasste die NZZ seine Zeit als Direktor zusammen, als er Ende 2003 die Leitung an Ingrid Deltenre übergab.
«Schälli», wie er unter Kollegen hiess, führte das Schweizer Fernsehen durch Umbruch und Erneuerung. Mit deutschen Privatsendern entstand neue Konkurrenz. Bei SF stieg der Druck, hohe Quoten zu erzielen. Schellenberg setzte auf Innovation. Unter ihm wurde 1990 die Nachrichtensendung «10 vor 10» lanciert, 1994 die «Sternstunde Philosophie». Er strukturierte das Programm, führte den Infokanal ein, setzte auf Eigenproduktionen wie «Viktors Programm» und «Lüthi und Blanc». Nach der Pensionierung lebte Schellenberg in Zürich und Marseille. Er hinterlässt seine Frau und zwei Söhne. «Er hat die Familie wie niemand sonst geprägt», sagt Pia Schellenberg.