Von Peter Hossli (Text) und Stefan Falke (Fotos)

Wie ein Fallbeil liegt eine verrostete Metallwand auf dem staubigen Boden. Es ist die Grenze zwischen Mexiko und den USA. An diesem unwegsamen Flecken endet plötzlich die Wand. «Hier zeigt sich, es ist gar nicht möglich, eine durchgehende Mauer zu bauen wie Trump sie anpreist», so Peralta. Dabei ist die Mauer entlang der mexikanisch-amerikanischen Grenze die grosse Idee von Donald Trump (70).
Peralta steht dort, wo die Wand aufhört und geht ungehindert von der mexikanischen auf die amerikanische Seite und wieder zurück. Zu befürchten hat er wenig. Peralta ist Doppelbürger, unterrichtet in Tijuana und in San Diego, Kalifornien. «Der Zaun endet, weil die Täler dahinter viel zu unwegsam sind, um dort zu bauen.»
Die Mauer: Eine Illusion

Die jetzige Wand wurde aus Landeflächen für Helikopter errichtet. Die Metalle kamen 1991 im ersten Irakkrieg in der Wüste von Kuwait zum Einsatz. Just erblickt Peralta auf US-Seite eine Staubwolke: Geländewagen und Motorräder brausen zu ihm. Sie haben die Grenzübertritte beobachtet. Eine Drohne hat sie gefilmt. «Es dauert zwei Minuten, bis die Grenzwache da ist», sagt Peralta – und wechselt zurück nach Mexiko.
Was er macht, ist illegal. Kaum steht er wieder in Mexiko, kehrt die Grenzwache um. 13 Milliarden Dollar im Jahr kostet die USA die Überwachung der südlichen Grenze. Die Wirkung? Bescheiden, ständig gelangen mehr Drogen in die USA. «Trump versteht diese Gegend nicht», sagt Peralta. «Sie ist ein fragiles Ökosystem.» Hinter Tijuana beginnt eine Wüste, die erst in Texas endet. «Versucht er eine Mauer zu bauen, bedroht er Tiere und Pflanzen.»

Schnurgerade führt die Grenze von Nido de las Águilas zwanzig Kilometer zum Pazifik. Hier endet der Grenzzaun im Ozean. Bei Ebbe ist es möglich, nach Norden zu schwimmen. Keine Mauer werde jemanden davon abhalten, sagt Peralta. «Trumps Mauer ist eine Illusion.»