Von Peter Hossli und Guido Schätti

Doch nicht die Maschinen, sondern die Migranten bestimmten die meisten Gespräche am WEF, das heute zu Ende geht. Die 60 Millionen Flüchtlinge weltweit waren das grosse Thema.
Für US-Aussenminister John Kerry (72) war das Foto des in der Ägäis ertrunkenen Aylan Kurdi († 3) «das schlimmste Bild des vergangenen Jahres».
Die EU werde wegen der Migration «auseinanderfallen», prophezeite der legendäre amerikanische Investor George Soros (85). Russlands Präsident Wladimir Putin (63) heize die Flüchtlingskrise an, um Europa zu destabilisieren, so Soros.
«Unternimmt die EU nichts, werden im Sommer noch mehr Flüchtlinge über die Balkanroute ziehen als 2015», warnte der serbische Premierminister Aleksandar Vucic (45).
Schliesslich verlangte der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck (75) eine Begrenzung der Zuwanderung: «Ohne Akzeptanz ist eine Gesellschaft nicht aufnahmebereit.» Finanzminister Wolfgang Schäuble (73), sonst Geizhals vom Dienst, forderte «einen Marshallplan für die Krisenländer», um die Flucht nach Norden zu stoppen.
Bezeichnend, dass Angela Merkel (61), die Bundeskanzlerin der Willkommenskultur und sonst Stammgast am WEF, dieses Jahr nicht nach Davos kam.

Fern blieben die Präsidenten Irans, Chinas und Russlands. Zentrale Akteure, um Frieden in Syrien zu schaffen. Und die Flüchtlingskrise zu lösen.
Dagegen waren die Chefs der grossen Konzerne beinahe geschlossen da. Doch die Debatten über grosse Themen überliessen die Manager den Experten, Politikern, Funktionären. Mit wenigen Ausnahmen widmeten sie sich lieber dem Geschäft. Brachten in den Hinterzimmern ihre Deals ins Trockene.
Vor der Finanzkrise 2008 spazierten sie noch in Kaschmirpullis und Cordhosen durch Davos. Heuer trug man wieder Anzug, die Krawatte straff gebunden. Die Verbesserung der Welt – die offizielle Mission des WEF – muss warten. Auf den Podien lieferten die Manager austauschbare, seltsam blutleere Voten. Nur ja keine Angriffsfläche bieten, war die Devise.

Auch US-Vizepräsident Joe Biden (73) störte das Theater der Unverbindlichkeit. In einer eindringlichen Rede forderte er ein Ende des Neoliberalismus und machte sich für höhere Steuern, Löhne und Staatsausgaben stark. Nur wenn die Arbeitnehmer wieder ihren fairen Anteil am technologischen Fortschritt erhielten, könne die globale Nachfragekrise gelöst und die zerfallende Mittelklasse gerettet werden.
Die Manager reagierten auf den Appell nicht ganz unpassend für ein WEF, das sich mit Maschinen befassen wollte: Sie ignorierten Biden und beschäftigten sich mit ihren Smartphones.