Von Peter Hossli

Etwas fehlt: Weihnachten.
Kein Samichlaus, sondern viele Micky Mäuse auf der Karte. Diese ist nicht weihnachtlich-melancholisch in Rot und Grün, sondern psychedelisch bunt. Leicht verfremdete Disney-Nager blasen Saxofon, lärmen mit Tschinellen, zupfen Banjos und singen sich die Lunge aus dem Leib. Mit der Musik der Welt sende er «beste Wünsche für 2016», schreibt Berset.
Die Karte ist oh so fröhlich. Aber ohne jeden Hinweis auf die Weihnachtszeit.
Schnee? Kerzen? Tannenzweige? Eine Krippe mit dem Christkind? Genauso Fehlanzeige wie das Wort Weihnacht.
Schämt sich der Kulturminister für unsere abendländische Kultur? Oder will er mit weltlicher Weihnacht ein bisschen mehr zur Trennung von Kirche und Staat beitragen? Eine Trennung, die in der Schweiz nicht gänzlich vollzogen ist.

Jedes Jahr beauftrage Berset einen Künstler, der für den Schweizer Designpreis nominiert worden sei, erklärt sein Sprecher Peter Lauener. Dieses Jahr kam das Zürcher Grafik-Duo Hammer in die Kränze. Der Innenminister gewährt den Gestaltern jeweils eine Carte blanche, bittet sie um mehrere Vorschläge und wählt das Sujet stets persönlich aus. «Die Vorschläge waren bisher Motive, die losgelöst sind von Weihnachten», sagt Lauener.

Auch andere Bundesräte verzichten in ihren Weihnachtskarten auf Weihnachten. Auf jener von Verkehrsministerin Doris Leuthard (52) ist das Solarflugzeug von Bertrand Piccard in Aktion zu sehen. Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann (63) verschickt ein Foto vom Bachalpsee mit den Berner Gipfeln Schreckhorn und Finsteraarhorn.
Alpine Idylle, saubere Energie, jazzige Mäuse – die Weihnachtskarten der Schweizer Bundesräte sind gänzlich befreit von christlichen Bezügen oder Werten, auf die sich Politiker so gern berufen.