Von Peter Hossli

Hier das Bündner Dorf Domat/Ems, wo Christoph Blocher (75) einen Weltkonzern aufbaute, den jetzt seine Tochter Magdalena Martullo (46) führt.
Dort, auf der anderen Seite der Brücke, das Dörfchen Felsberg, wo Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf (59) lebt, wo ihr Vater Leon Schlumpf (1925–2012) zur Welt kam.
Die zwei Clans schreiben eine Geschichte, wie sie Shakespeare nicht besser hätte schildern können. Es geht um Aufstieg und Fall, Bruch und Rache. Der jüngste Akt: Die erfolgreiche Kandidatur Martullos als Bündner Nationalrätin. «Durchgeschüttelt» habe deren Wahl Widmer-Schlumpf, heisst es. Sie sei ein Grund für den möglichen Abritt.
Für die Blochers wäre es die seit 2007 ersehnte Rache. Damals liess sich SVP-Regierungsrätin Widmer-Schlumpf in den Bundesrat wählen – und drängte Blocher raus. Eine Schmach, die der Milliardär aus Herrliberg ZH nie verdaut hat. Nie verzieh er, dass Widmer-Schlumpf sich am Komplott gegen ihn beteiligt hatte. So liess er sich 2011 nochmals in den Nationalrat wählen. Damit er bei der Abwahl der Nachfolgerin im Saal sitzen konnte. Was ihm vergönnt blieb; er trat vorzeitig aus dem Rat ab.

Als Leon Schlumpf 1987 aus dem Bundesrat zurücktrat, setzte er auf Adolf Ogi (73). Der Berner Oberländer würde Blocher stoppen. Doch der trieb die SVP eigenhändig zur stärksten Partei. Was bei Schlumpf und Tochter Eveline das Unbehagen förderte. So viel Macht soll einer nicht haben. Die sachlichen Felsberger verschmähten die deftigen Kampagnen aus Zürich gegen Ausländer und für Isolation.
Mit der Wahl der Schlumpf-Tochter in den Bundesrat spaltete sich die BDP von der SVP ab.
Jetzt wankt die BDP, Blochers Tochter aber triumphiert. Viele erwarten nun den Abgang Widmer-Schlumpfs. Was nicht das Ende des Dramas im Schatten des Calanda wäre: Ihre Kinder gelten als hochbegabt – ideal für die politische Arbeit.