Von Peter Hossli (Text) und Pascal Mora (Fotos)

Es eilt. Maximal fünfzehn Minuten dürfen sie sich beim Bahnhof Slanishte aufhalten. Sie erhalten Wasser, etwas zu essen, Windeln für die Babys, können ihre Mobiltelefone aufladen. Das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR hat Toiletten und Zelte aufgestellt.
«Wir sind vor sieben Tagen in Aleppo los», erzählt Abdel Hamid (40), ein kräftiger Mann mit einem Ziel: seine Familie in Sicherheit zu bringen. In einer Hand trägt er eine Lidl-Tasche, gefüllt mit seiner ganzen Habe, mit der anderen hält er seinen Sohn. Seine Frau trägt die Tochter. Weil er um das Leben seiner Familie fürchtete, sei er geflohen. «Wir gerieten zwischen die Fronten, zwischen den ISIS und die syrische Armee», sagt Hamid in perfektem Englisch.

Er wirkt gestresst. «Wir müssen weiter, wo geht es nach Serbien?», ruft er. «Ich zeige es euch», sagt Aleksandra Dawidowska (31), eine mazedonische Schuh-Designerin, die seit Monaten durchreisende Flüchtlinge betreut. Sie führt die Gruppe entlang der Geleise auf einem schmalen Weg über ein offenes Feld. Ein weisser Grenzstein markiert den unbewachten Übergang nach Serbien.
Eine Etappe auf dem langen Weg nach Deutschland – zu Angela Merkel.