Von Peter Hossli (Text) und Sabine Wunderlin (Foto)

«Wir sind sehr interessiert, dass die Schweiz für die Finanzbranche attraktiv bleibt», sagt Alfredo Gysi (64), Präsident des Verbandes der Auslandsbanken in der Schweiz. Er ist VR-Präsident der Bank BSI. «Sonst könnten wir ja gehen.»
Diese Attraktivität sei gefährdet, sagt Gysi. «Der Bankenplatz befindet sich in einer heiklen Phase, er muss sich neu aufstellen.» Das Bankgeheimnis locke keine Steuerhinterzieher mehr an. Was gut sei. «Künftig werden in der Schweiz nur noch steuerkonforme Vermögen verwaltet.»
Für diese neue Ausrichtung müssten Politik, Verwaltung und Banken nun geeint vorangehen, verlangt Gysi. «Zuletzt haben wir zu oft aneinander vorbeigeredet.»
Er appelliert an Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf (56): «Bilden Sie eine Taskforce für den Finanzplatz!» Eine «kleine und effiziente Gruppe, die nicht reflektiert, sondern entscheidet», schwebt ihm vor. Widmer-Schlumpf soll sie einsetzen – und führen. «‹Schweiz und Banken› hat heute einen negativen Beigeschmack», weiss Gysi. «Das muss sich wieder ändern.»

Ob die Taskforce nötig ist, kommentiert die Bankiervereinigung nicht. Deren Sprecher Thomas Sutter: «Die Schweiz kann als Kleinstaat aber nur erfolgreich sein, wenn Banken, Behörden und Politik geschlossen und kohärent auftreten, das gilt es zu verbessern.»
Die neue Gruppe soll helfen, den «Finanzplatz rascher zu wandeln», hofft Gysi. Fortan lockten Schweizer Banken neue Kunden mit «hoher politischer Stabilität, Rechtssicherheit und guten Dienstleistungen». Solcher Wandel kostet Arbeitsplätze, weiss Gysi. «Aber danach schaffen wir in der Schweiz wieder neue Banken-Stellen.»
Wie viele Jobs im schmerzvollen Prozess verloren gingen, will er nicht sagen. «Mich interessiert mehr, wie viele neue es gibt.»
Genau beobachten würden internationale Banken, was in der Schweiz passiere. «Einige haben Projekte in der Schublade für neue Schweizer Ableger», sagt Gysi. Denn sie wollten hier Superreiche betreuen. «Aber nur jene, die ihr Vermögen korrekt versteuert haben.»