Von Peter Hossli (Text) und Charly Kurz (Foto)

Mit einem baulichen Novum rüttelt ihr jüngstes Projekt derzeit die New Yorker Architekturwelt auf. Entlang eines 19-stöckigen Wohnblocks errichtet sie einen Aufzug, der es den Bewohnern ermöglicht, das eigene Auto in luftiger Höhe direkt neben der Wohnung zu parkieren. Pech haben da die Paparazzo, welche die Stars am liebsten zu Fuss ablichten – in dieses Haus fahren die Berühmtheiten unbesehen.
«Es ist paradox», sagt Selldorf, 47. «Immer mehr Leute ziehen nach New York, die sich ein Auto leisten können, aber es gibt immer weniger Parkplätze.» Zwar sei New York keine Autostadt. «Wer sich aber eine teure Wohnung leistet, besitzt meist doch ein Auto, sei es nur, um samstags ins Landhaus zu fahren.»

Sie selbst zieht nicht in den Wohnblock ein. «Ich kann mir das nicht leisten», sagt Selldorf. Allerdings besitzt sie ein Auto und ein Haus auf dem Land. «Ich fahre gerne schnell.» Doch nicht das Auto beschäftigt sie intellektuell, sondern die Frage, wie und wo Menschen leben. Derzeit stellt sie eine Rückwanderung in die Städte fest. «Die Stadtflucht hat nicht funktioniert.»
Sie kam in Köln zur Welt. Ihre erste New Yorker Behausung war eine Kellerwohnung an der Upper Westside, ohne Fenster. Das war vor 27 Jahren. Heute führt sie eine Architekturfirma mit 40 Angestellten, als «gutmütige Diktatorin», wie Selldorf Ihren Führungsstil beschreibt. Sie arbeitet gern im Team, und sie will Mitarbeiter, die «genauso fasziniert sind von einem Projekt wie ich selbst».
Rendering: Hayes Davidson, Courtesy Youngwoo & Associates