Die letzte Männerbastion

Von Peter Hossli«Das ist Hilde, meine Gattin. Mehr braucht man über sie nicht zu sagen», stellte Klaus Schwab, der Präsident des Wirtschaftsforums, seine Ehefrau der Weltpresse vor. Immerhin - an Klausens Seite gründete sie jüngst die Schwab Stiftung für soziales Unternehmertum. Hilde nahm es würdevoll gelassen. Lächelnd schwieg sie.Geplatzt hingegen war der Kragen manch anderer Gattin am Eröffnungstag. Konnten Gemahlinnen den Ministern und Managern in Davos jeweils in die Debatten folgen, mangelte es im New Yorker Hotel «Waldorf-Astoria» an Platz. Just erhielten die ausgesperrten Frauen - viele mit akademischen Würden - von Mastercard eine Kreditkarte mit 100 Dollar Guthaben. Die Botschaft der Geste: Männer lösen globale Probleme. Die Damen? Ab zur Manikür.Das erstmals in New York durchgeführte WEF ...

Von Peter Hossli

«Das ist Hilde, meine Gattin. Mehr braucht man über sie nicht zu sagen», stellte Klaus Schwab, der Präsident des Wirtschaftsforums, seine Ehefrau der Weltpresse vor. Immerhin – an Klausens Seite gründete sie jüngst die Schwab Stiftung für soziales Unternehmertum. Hilde nahm es würdevoll gelassen. Lächelnd schwieg sie.

Geplatzt hingegen war der Kragen manch anderer Gattin am Eröffnungstag. Konnten Gemahlinnen den Ministern und Managern in Davos jeweils in die Debatten folgen, mangelte es im New Yorker Hotel «Waldorf-Astoria» an Platz. Just erhielten die ausgesperrten Frauen – viele mit akademischen Würden – von Mastercard eine Kreditkarte mit 100 Dollar Guthaben. Die Botschaft der Geste: Männer lösen globale Probleme. Die Damen? Ab zur Manikür.

Das erstmals in New York durchgeführte WEF bleibt das letzte Männerritual. Ein Fossil, das mehr als die Hälfte der Bevölkerung übersieht. 90 Prozent der knapp 3000 Teilnehmer waren männlich. An vielen der hochkarätigen Workshops zu Terrorismus oder zur kränkelnden Wirtschaft kam keine einzige Frau zu Wort. Dies, obwohl Friedensforscher allenthalben die Meinung teilen, Konflikte könne man nur wirkungsvoll schlichten, wenn Frauen in den Prozess einbezogen werden. Längst hat die US-amerikanische Konsumindustrie erkannt: Frauen entscheiden, wie viel Geld für was ausgegeben wird. Vermehrt prägen Frauen Parlamente, Chefetagen und auch Medien. Am WEF traten sie als Hostessen auf.

Die Schweizer Delegation? Auch nur Bundesräte. Ausser Carla del Ponte keine Frau – und die arbeitet in Den Haag. Dem Image Helvetias mehr genützt als das von Präsenz Schweiz angerichtete, 600 000 Franken teure Risottoessen hätte sicher ein dynamischer Auftritt Ruth Metzlers. Aus nächster Nähe hätte die Justizministerin obendrein noch erfahren, wie eine friedliche Demonstration abzuhalten wäre. Stattdessen stammelte Kaspar Villiger am WEF wie an dessen Gegenveranstaltung zweimal dieselbe trockene Rede.

Zweifellos, das Forum bleibt ein wichtiger Anlass. Wie heuer gehören 2003 die zentralen Fragen erneut aufs Parkett. Reden sollen dann aber einmal Frauen. Ich will endlich wissen, wer Hilde Schwab ist.