Da hatte die New York Times eine fabelhafte Geschichte über Freundinnen von Bankern an der Wall Street im Blatt. Wegen der Finanzkrise müssten die verwöhnten Frauen nun unten durch, hiess es. Statt monetärer Zuneigung erhielten sie von gestressten Geldjongleuren nur noch Wehklagen über fallende Kurse und schmelzende Portfolios. Aus schierer Not, berichtete die Zeitung, hätten sich Banker-Begleiterinnen in einer Selbsthilfegruppe mitsamt Blog organisiert. Der Name: Dating a Banker Anonymous.
Die Geschichte tönt so gut, sie kann gar nicht stimmen.
Trotzdem schrieben sie etliche renommierte Zeitungen scheinbar ungeprüft nach. Darunter Die Welt, Le Monde, die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Frankfurter Rundschau, die NZZ am Sonntag und De Telegraf.
Newsweek wollte es genauer wissen und fragte nach. Die Geschichte war rasch als Scherz enttarnt. Es gibt keine Selbsthilfegruppe. Die Einträge auf dem Blog sind Satire. Die beiden Autorinnen (siehe Bild) kennen keine Liebchen von Bankern. Sie erlaubten sich einen derben Witz mit der ohnehin angeschlagenen Medienwelt. Verkniffen druckte die New York Times eine Korrektur.
Beschämt stehen die Renommierblätter aus Europa da. Spätestens seit den aufgedonnerten WMD-Berichten von Judith Miller und Jayson Blairs Fakes sollten sie wissen: wer abschreibt, muss zumindest die Fakten nachprüfen.
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