Observations by Peter Hossli, a curious reporter who always finds a good story

Tür-Knall war kein Selbstmordversuch

«Selbstmord-Versuch des Datendiebes» titelte die «Sonntags Zeitung» am 8. Januar auf Seite 1. Reto T. (39) habe versucht, sich das Leben zu nehmen, schrieb die Zeitung, gestützt auf mehrere Quellen. Glücklicherweise ist das eine Ente. Zwar befindet sich der ehemalige Mitarbeiter der Bank Sarasin nach wie vor in psychiatrischer Behandlung. Gut geht es ihm nicht – aber es gab nie einen Selbstmordversuch. Wie kamen diese Gerüchte auf? Anfang Januar entliess ihn Sarasin, nachdem er zugegeben hatte, Kontodaten von SNB-Präsident Philipp Hildebrand entwendet zu haben. T. erlitt einen Zusammenbruch. Medien bedrängten seine Familie. Eine Person befand sich in seiner Nähe, als T. eine Türe zuschlug. Diese glaubte, ein Schuss habe sich gelöst. Das war falsch.

Begegnungen 2011

Journalismus ist gut, wenn er aktuelle Themen mit Menschen plausibel darstellt. Das habe ich im vergangenen Jahr gemacht – zuerst mit dem iPad-Magazin The Collection. Ab September als Autor der Blick-Gruppe. Grossem Dank verpflichtet bin ich Menschen, die mir Zeit gaben und meine Fragen beantworteten.

Eine Auswahl von Begegnungen im Jahr 2011

salari_170“Das ist alles eine grosse Lüge”
Der Botschafter der iranischen Mullahs in Bern über Gaddafi – und das gestörte Verhältnis seines Landes zur Schweiz.
Herr Botschafter, Muslime massakrieren in Libyen Muslime. Wer soll das stoppen?
Alireza Salari: Alle müssen sich jetzt zurückhalten. Und wir müssen sofort aufhören, die Diktatoren zu unterstützen. Verantwortlich für das Chaos sind Grossmächte, die seit Jahrzehnten Despoten helfen.
Ein bekanntes Argument. Das Volk scheint anderer Meinung zu sein. Amerikanische Flaggen brennen keine.
Weil Kolonialisten vortäuschen, dem Volk zu helfen, die Diktatoren zu verjagen. mehr

rhondaRhonda, Gerry and Blaze – The Global Baby
It takes two to start a family – or three, or even four. Take Rhonda and Gerry from Mesa, Arizona. The American couple has tried to have children for years – unsuccessfully. So they hired a surrogate mother in India. And they bought a donor egg. Their son Blaze has a father, a social mother, a surrogate mother and a biological mother. Now another surrogate is pregnant with twins – Blaze’s siblings.
It’s not an unusual story anymore. Each year, thousand of couples travel to India to rent a womb – or to Georgia, to the Ukraine, to Brazil, Poland, or to Thailand. Global fertility tourism has become a ten billion dollar business. more

peteEs schneite die Asche der Zwillinge
9/11 veraenderte das Leben vieler Menschen – auch meines. Vor zehn Jahren berichtete ich vor Ort ueber den Terror. Ein Stück Erinnerung und eine Mediengeschichte.
Die schöne Norwegerin teilte es mir zuerst mit. Die Grafikerin in meinem Büro, mit der ich schon lange hatte sprechen wollen, wozu ich aber zu scheu war. «Ein Flugzeug ist ins World Trade Center geflogen», sagte sie. «Mein Freund beobachtete es vom Fenster aus.» Sie hat einen Freund? Sicher ein Kleinflugzeug, eine Piper, war der zweite Gedanke. «Was für ein Flugzeug?» «Keine Ahnung», sagte sie und verschwand.
Sofort rief ich in Zürich an, auf der Redaktion von «Facts». «Schmitt», meldete sich der Blattmacher. «Ein Flieger steckt im World Trade Center, willst du eine Geschichte dazu?» «Ist etwas weit weg von der Schweiz, vielleicht eine halbe Seite.» mehr

dekkers_170“Jeden Tag wünsche ich mir, ich hätte etwas geahnt”
Die Terroristen von 9/11 lernten bei ihm das Fliegen: Rudi Dekkers, einst Millionär, heute mausarm. Ein Treffen in Florida. Er spreizt die Hände – und offenbart ein intimes wie ekliges Geheimnis. Alle seine Fingernägel sind vollständig abgenagt. «Ich nage nachts, wenn ich nicht schlafen kann.»

Schlafen kann Rudi Dekkers (55) seit zehn Jahren nicht mehr. Seit ihn am 12. September 2001 ein FBI-Agent frühmorgens anrief. Ererfuhr: Den Terroristen, die am Tag zuvor in New York Jets ins World Trade Center flogen, hatte er das Fliegen beigebracht. mehr

blocher_170Blochers Wahrheit
Seine Chancen, in den Ständerat gewählt zu werden, hält er selber für gering. Schuld gibt SVP-Stratege Christoph Blocher den Medien. Und er fordert, die Löhne der Bundesräte zu halbieren.
Wie viel sollte ein Nationalrat denn verdienen?
So viel, dass er halbtags arbeiten muss, keinesfalls mehr als 100000 Franken. Heute haben die Räte bezahlte Zeit für unnötige Sitzungen und zu viele Gesetze. Wir sollten zudem die Saläre der Bundesräte halbieren, von 500000 auf 250000 Franken.
Warum? Ein Bundesrat verdient weniger als CEOs grosser Firmen.
Das Bundesratsamt muss auch ein Ehrenamt sein. Ein Dienst am Land.
Dann kommen nur noch Reiche wie Sie rein?
Was? Kann einer mit 250000 Franken Lohn nicht anständig leben? Verdienen Sie denn mehr?
Leider nicht.
Können Sie anständig leben?
Es geht, ja.
Also, sehen Sie. Ein schweizerischer Bundesrat verdient mehr als der amerikanische Präsident.
Das stimmt.
Ich habe noch nie einen hungernden US-Präsidenten gesehen.
Gibt der US-Präsident das Amt ab, verdient er sehr viel mehr als ein alt Bundesrat.
Unsere Bundesräte können ja auch Reden für 50000 Franken halten.
Ein US-Präsident spricht nicht unter 200000 Dollar.
Wenn er Dumme findet, die das bezahlen, soll er dies tun. Aber es ist nicht gut, wenn die Leute wegen des Lohns Bundesrat werden. Die meisten verdienen jedenfalls als Bundesrat mehr als zuvor. mehr

probst_16020 Milliarden für Verdingkinder?
Jahrzehntelang profitierte die Schweiz von Verdingkindern. Jetzt fordern sie Geld. Ihnen stehen mindestens 20 Milliarden Franken zu.
Morgens um vier steigt Charles Probst aus dem Stroh, reibt sich die Augen, reckt den Rumpf. Er hustet, klettert barfuss die Leiter ­hinunter in den Viehstall, greift zur Mistgabel – und putzt hinter zwanzig Kühen dampfenden Dung weg.
Um sieben, Probst schuftet seit drei Stunden, bringt ihm der Bauer ein Stück beinhartes Brot. Er weicht es in Wasser auf, verschlingt es. Dann eilt er auf den Acker, spannt ein Pferd vor den Pflug, ruft «hü».
Das geschah 1938 auf einem Hof im Oberaargau. Acht war der Junge eben geworden. mehr

hossli_ermottiUm 12.06 Uhr steigt Ermotti auf die dunkle Bühne
Hustend eilt Sergio Ermotti die Treppe hoch, hält die Hand vor den Mund. Zwischen zwei Fingern hält er ein abgebissenes Salzgebäck. Er hat sich daran verschluckt. «Hello, Sir», grüsst ein Wächter und zieht für den UBS-Chef eine Spiegeltüre auf. Sie führt in den Empire Room, einen pompösen Saal mit gewölbter Decke im Erdgeschoss des Waldorf Astoria, des ehrwürdig abgetakelten Luxushotels an der Park Avenue in New York.
Zum «Investor Day» lädt die UBS an diesem trüben Donnerstag, zur Tagung für Investoren. mehr

kilchsperger170Strom im Kopf
Mit 38 erkrankte Daniel Kilchsperger an Parkinson. Bald schaffte er den Alltag nicht mehr ohne fremde Hilfe. Jetzt liegen zwei Drähte in seinem Kopf. Stromstösse erlauben ihm ein beschwerdefreies Leben.
Er setzt sich auf die Türschwelle, schiebt die Füsse in die Turnschuhe, schnappt mit beiden Händen die Schuhbändel. Im Nu ziehen die Finger sie zu perfekten Schlaufen.
Ohne fremde Hilfe schafft Daniel Kilchs­perger wieder die Banalität des Alltags.
Vor drei Monaten noch hatte er steife Glieder. Der linke Arm schlug mal aus, mal hing er einfach runter. Kaum kontrollieren konnte er die Finger. Zwanzig Minuten brauchte er, um die Socken überzustreifen. mehr

christian_stiefel_170Herr über 635 Milliarden
Wie bescheiden die Schweiz zuweilen ist, zeigt der Weg zu den Einflussreichen. Mitten ins behäbige Bern führt er, vorbei am billigen asiatischen Take-Away – Menü: Fr. 8.80 –, hinauf zur zweiten Etage, ins schlicht möblierte Büro.
«Grüezi», grüsst Christian Stiefel (54), ein kräftiger Mann mit solidem Händedruck, der Anzug sitzt, ohne allzu edel zu sein. Ab Januar führt er die Swissholdings, den Verband der Industrie- und Dienstleistungskonzerne in der Schweiz.
Eine geballte Macht vertritt Stiefel – die wichtigsten Unternehmen der Schweiz. Riesen wie Roche und Novartis, Nestlé, Schindler oder Sulzer. Allesamt Firmen, die weltweit tätig sind. Darunter viele, die ihre Muttergesellschaft in den USA haben und von der Schweiz aus Geschäfte in Europa lenken. mehr

blocher_hossli_170Begegnung mit einem Verlierer, der ein Sieger sein will
Wer den Verlierer nach der Niederlage trifft, erwartet eine gebrochene Figur. Dazu Einsicht, vielleicht Demut – und den Willen, eigene Fehler einzugestehen.
Eine Erwartung, die sich im dritten Stock des Bundeshauses rasch zerschlägt. Höchst agil und selbstsicher begrüsst SVP-Nationalrat Christoph Blocher Reporter und Fotograf, lädt zum Espresso aus dem Plastikbecher ins karge Sitzungszimmer der SVP. An den Wänden hängen alte Wahlplakate, im Regal stehen Bierdosen. mehr

Und alle Artikel von 2011

Wo Adoboli hockt

wandswothAm Donnerstag tritt der mutmassliche UBS-Betrüger Kweku Adoboli (31) in London vor den Richter. Dieser legt fest, welche Instanz seinen Strafprozess führen wird. Adoboli ist angeklagt, durch illegalen Handel bei der UBS einen Verlust von über zwei Milliarden Franken verursacht zu haben. Ihm drohen 40 Jahre Haft.

Angesetzt ist der Gerichtstermin auf 10 Uhr. An der Seite von Ladendieben, Haschhändlern und Prostituierten muss sich der Investmentbanker jedoch gedulden, bis ihn der Richter aufrufen wird. Die Anhörung dauert wenige Minuten. Zwar könnte Adoboli ein Geständnis ablegen. Was unwahrscheinlich sei, ist aus dem Umfeld seiner Anwälte zu erfahren. Unmittelbar nach der Verhandlung wird ihn ein gepanzerter Transportwagen zurück ins Wandsworth Prison fahren, ein berüchtigtes Zuchthaus im Südwesten Londons. Mit einer Kapazität von 1665 Gefangenen ist es der grösste Knast Grossbritanniens, erbaut 1881. Betrieben wird er von Her Majesty’s Prison Service, also von Königin Elizabeth II.

Zwischen 1878 und 1961 liess die Krone hier 135 Todesurteile vollstrecken – meist mit dem Strang. Berühmte Häftlinge waren Autor Oscar Wilde, Punk Pete Doherty sowie Wikileaks-Gründer Julian Assange. Posträuber Ronnie Biggs gelang 1965 die Flucht.

Das ist die Strategie von Adobolis Anwälten

Obama sagt “thank you”

calmy_obamaAm vergangenen 23. September lud Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon (stehend) zahlreiche Staats- und Regierungschefs in New York zum Mittag­essen ein. US-Präsident Barack Obama teilte den Tisch mit EDA-Vorsteherin Micheline ­Calmy-Rey. Ausdrücklich hatte sich Obama gewünscht, in der Nähe der Bundesrätin sitzen zu dürfen. Persönlich wollte sich der Präsident bei Calmy-Rey für die diplomatischen Dienste der Schweiz im Iran bedanken. «Sowohl Präsident Obama wie auch das US-State Department haben sich nach der Freilassung der beiden US-Bürger in öffentlichen Statements bei der Schweiz für ihre Unterstützung in dieser Angelegenheit bedankt», sagt EDA-Mediensprecher Adrian Sollberger

All About Steve Jobs

steve_jobsSteve Jobs ist tot. Der Apple-Gründer war einer der grösster Unternehmer aller Zeiten. Seine Produkte haben die Welt verändert. Eine Rückschau.

Generation Click
SonntagsBlick Magazin, 25. April 2010
Ein Smartphone weckt sie. ­Facebook begleitet sie durch den Tag. Über iPods rieselt ständig Musik. Die erste Liebe erwacht per Chat. Sind Schweizer ­Jugendliche wach, sind sie online.

Steve Jobs
SonntagsBlick Magazin, 24. January 2010
Kein Wirtschaftsführer beeinflusst uns mehr als der visionäre Apple-Chef. Computer hat er vermenschlicht, dem Mobiltelefon die Musik und das Internet einverleibt. Jetzt soll er den Journalismus retten – vielleicht sein letzter Akt

“Steve Jobs is an Industrial Beethoven”
hossli.com, 2. March 2009
Great leaders are obsessed to build something exceptional, Jim Collins says. The American management guru talks about paranoia, turbulent times and his admiration for Beethoven and Steve Jobs.

Wie krank ist Apple-Gründer Steve Jobs?
Sonntag, 27. July 2008
Müde und mager wirkt der Mann, der die digitale Welt revolutionierte. Ob die blendende Karriere von Steve Jobs weitergeht, hängt von seinem Magen ab.

iPhone im Schnellstest
20 Minuten.ch, 30. June 2007
Endlich ist das iPhone da. Wir haben in Brooklyn eines gekauft und getestet. Erstes Fazit: Das iPhone ist toll, telefonieren konnte man damit erst nach 20 Stunden Verzögerung.

Geniale Veredelung
Weltwoche, 28. June 2007
Apple bringt den neuen Wunderautomaten iPhone auf den Markt. Die Firma kündigt mit dem Handy eine Revolution an. Konzernchef Steve Jobs will zum globalen Cheftrendsetter avancieren. Das Rezept: Er bringt zur Vollendung, was andere erfinden.

Wie zwei Egos unsere Welt verändern
Cash, 30. März 2006
Apple wird dreissig - und seit drei Jahrzehnten befehden sich Apple-Gründer Steve Jobs und Microsoft-Lenker Bill Gates. Jobs und sein Konzern haben in jüngster Zeit massiv Boden gut gemacht. Ein Vergleich zweier verschrobener Milliardäre.

Mister iPod
Facts, 23. September 2004
Er hat die Erfindung des Jahrzehnts gemacht, den MP3-Musikplayer iPod von Apple, und er hat damit einen Lifestyle lanciert. Tony Fadell, heimlicher Star der Computerindustrie, darf das eigentlich niemandem erzählen. Erstmals setzt er sich nun über das Verbot hinweg. Eine Personenfahndung.

Das ganze iPodpourri zum Herunterladen
Cash, 17. June 2004
Mit dem europäischen iTunes Music Store festigt Apple seine führende Position als Verkäufer digitaler Musik. Die Zuwendung des Computerherstellers zur Unterhaltungselektronik sagt den Anlegern zu.

Kampf um die Mäuse der Zukunft
Cash, 19. February 2004
Der Chef von Apple hat ein unglaubliches Comeback hingelegt - und ist noch lange nicht zufrieden. Apple-Chef Steve Jobs steht im Zenit seiner Karriere: Seine PC sind gefragt, der Musikplayer iPod ist ein regelrechter Renner. Gelingt der Angriff der Kabelfirma Comcast auf Walt Disney, wird er als neuer Konzernchef des weltweit grössten Medienkolosses gehandelt.

Magischer Apfel
Facts, 8. January 2004
Innovativ in Technik und Design: Apple hat wie kein anderes Hightech-Unternehmen die Popkultur der letzten 20 Jahre geprägt – mit dem Macintosh.

Die Klagewut lässt Apples Kasse klingen
Cash, 19. December 2003
Die Internet-Piraterie kostet die Musikindustrie jährlich zig Milliarden von Dollar. Nun schiebt die Branche einen Riegel vor und klagt die Piraten an – meist junge Studenten und Schülerinnen, die Musik tauschen. Das freut die Anbieter der neuen benutzerfreundlichen legalen Dienste.

Microsoft hat in den goldenen Apfel gebissen
Facts, 4. September 1997
Bill Gates hats geschafft: Mit bescheidenen 150 Millionen Dollar hat er sich bei Apple eingekauft und die Herrschaft über das Internet übernommen.

Backround, On- und Off-the-Record

Neulich hat mir der Pressesprecher eines Weltkonzerns ein Hintergrundgespräch mit einem Anwalt angeboten. Es sei “natürlich off-the-record”, sagte der Sprecher. Er fügte an: “Zitieren Sie unseren Mann nicht namentlich, und nennen Sie den Namen des Konzerns nicht.” Die Fakten aber, die könne ich verwenden.

Zwei Tage später schickte mir ein Reporter eines Schweizer Magazins per E-Mail ein paar Fragen, die ich, wenn ich denn wolle, “off the record” beantworten können.

Es fällt auf, dass Schweizer Mediensprecher wie Journalisten die Formen von investigativen Gesprächen nicht genau kennen.

Ein kleiner Index:

On-the-record Alle Informationen können verwendet und dem Gesprächspartner zugeordnet werden, es sei denn, während des Gesprächs werden ausdrücklich gewisse Passagen gestrichen, also “off-the-record” gestellt.

Background Die Informationen dürfen verwendet, allerdings nicht dem Gesprächspartner direkt zugeordnet werden. In der Regel wird vereinbart, wie die Quellenlage im Artikel dargestellt wird. Das führt zu den Floskeln “wie ein Banker sagt” oder “nach Informationen eines Bundesbeamten”.

Off-the-record Ein Off-the-record-Gespräch ist – off-the-record. Das heisst, es darf journalistisch nicht verwendet werden. Will man die so erhaltenen Informationen in einen Artikel einbauen, ist der Reporter verpflichtet, andere Quellen herbeizuziehen. Ein off-the-record-Gespräch steht oft am Anfang einer Recherche, oder es dient dazu, die Fakten einer abgeschlossenen Recherche zu überprüfen.

The Global Baby

cover_baby_cn1Today, we published the second issue of the collection, Ringier’s international iPad magazine that is available in English, German and Chinese.

The issue is called The Global Baby, and it deals with everything related to human reproduction.

It takes two to start a family – or three, or even four. Take Rhonda and Gerry from Mesa, Arizona. The American couple has tried to have children for years – unsuccessfully. So they hired a surrogate mother in India. And they bought a donor egg. Their son Blaze has a father, a social mother, a surrogate mother and a biological mother.

cover_deNow another surrogate is pregnant with twins – Blaze’s siblings.

It’s not an unusual story anymore. Each year, thousand of couples travel to India to rent a womb – or to Georgia, to the Ukraine, to Brazil, Poland, or to Thailand. Global fertility tourism has become a ten billion dollar business.

We explain it in the collection’s latest issue – and much more.

With exciting interactive features we look at thousand of years of reproductive research. Today, one in seven couples have fertility problems – the collection shows why, and which high- and low-tech remedies can solve them.

cover_engWe look at where you can get a treatment, and what it costs.

You’re a superstar? And you want a kid? No problem. Just go baby shopping. Elton John and his boyfriend got a surrogate. Madonna got her babies in Africa. And Angelina Jolie got them all over the world.

Nature determines a baby’s sex – unless Dr. Jeffrey Steinberg is involved. He’s helped over seven thousand couples to have children of the gender they desire. He didn’t miss even once.

But is this okay? Five experts around the world discuss legal and ethical issues.

cover3_de2For decades, Hollywood has been scaring us. With cloning, three-parent babies, artificial wombs, and stem-cell farming. Such sci-fi staples are much closer to reality than you might think.

We publish The Global Baby both as a regular issue of the collection, and as stand alone app.

Get the collection here

US Store

Swiss Store

German Store

UK Store

Chinese Store

Austrian Store

Canadian Store

Get the The Global Baby here

• In English, US Store, Swiss Store, German Store, Chinese Store, UK Store, in Australia Store

• In German, Swiss Store, German Store, Austrian Store

How to Start an iPad Magazine - the collection

collection_englishToday sees the launch of the collection of an iPad magazine that I have developed over the past few months in conjunction with creative director, Stéphane Carpentier, and under the guidance of Thomas Trüb.

The international magazine is published by the Swiss media group, Ringier. It will initially appear monthly in three languages: German, English, and Chinese. Each issue will be sold for $5, and its potential readership includes 20 million iPad owners.

Each issue is dedicated to a particular topic, and each theme is approached in all available formats. We commission essays and feature stories, publish photographs, videos, and interactive graphics, and take a look behind the scenes. And, if that wasn’t enough, we also tell stories with interactive graphics, 3D animation, and humorous features, such as rubbing and motion sensitivity. In short, we’re looking for new forms of journalism.

Our underlying thematic policy is to be contemporary, entertaining, and globally relevant. We choose stories that are of interest worldwide, including social issues, political, economic, and scientific issues and sports.

The first issue is dedicated to Prince William, the British monarchy’s great hope. The second issue will be on reproduction.

Overall, management is in Thomas Trüb’s hands. Stéphane Carpentier acts as creative director and Peter Hossli is editor-in-chief. Our developers are Marc Carrard and Romain Rosay, all of whom work at Ringier. We have offices in Zurich, Ho Chi Minh City, and Lausanne.

The idea was born in Thalwil. In the spring of 2010, Thomas Trüb conducted a workshop on the banks of Lake Zurich. He was looking for projects connected to the iPad, introduced in early 2010. Towards the end of the day, I said, ‘Why don’t we produce a journalistic product? A magazine for the iPad?’

Trüb, himself a former journalist, seemed enthused by the prospect of launching a new journalism project.

At the time, I was thinking more of a news magazine along the lines of Focus or Der Spiegel, but there are a lot of news sources out there; the expenditure would have been immense. Setting up an editorial office that can analyze the week’s events and render them in multimedia formats is no easy task.

We eventually agreed on a single topic magazine. The visual elements were to be as important as the theme: the interaction as important as the images. Multimedia formats were to be as important as texts. Starting in August 2010, I produced two prototypes in conjunction with Stéphane. Eventually, Thomas gave us the go ahead to set up an office in Zurich and a production site in Vietnam.

We developed ideas and looked for opportunities to tell stories in an entirely different way that was tailor-maid to the requirements of the iPad.

We soon met with technical limitations: we could either invest several million in expensive developments, or we could produce in conjunction with Woodwing, and our products would end up looking like the other iPad magazines.

We rejected both options. Stéphane got lucky with Ringier Romandie in Lausanne; Marc Carrard and Romain Rosay had developed their own production system, the idea behind which is simple and expandable. We had found two perfectionists who could realize all of our needs.

We began agreeing on topics, building teams, collecting visual material, developing and discarding formats, commissioning authors, video artists, and photographers, developing layouts, and, ultimately, translating texts.

Our editorial office is still small and nimble; we are currently expanding and looking for talented journalists who are able to tell stories with more than just text and pictures, write well in German and English, and are eager to work on the collection.

Wie ein iPad-Magazin entsteht - the collection

collection_english1Seit heute gibt es the collection– ein iPad-Magazin, das ich in den letzten Monaten zusammen mit Creative Director Stéphane Carpentier unter der Leitung von Thomas Trüb entwickelt habe.

Der Schweizer Medienkonzern Ringier gibt das internationale Magazin heraus. Es erscheint monatlich in vorerst drei Sprachen: Deutsch, Englisch und Chinesisch. Eine Ausgabe kostet $5. Die potenzielle Leserschaft: 20 Millionen iPad-Besitzerinnen und -Besitzer.

Hier gibt es the collection:

US Store

Swiss Store

German Store

Jede Ausgabe ist monothematisch. Wir behandeln jeweils ein Thema – mit allen uns zur Verfügung stehenden Formaten. Wir lassen Essays und Reportagen schreiben, publizieren Fotos, Videos, interaktive Grafiken, blicken mit Lupen hinter Fassaden, erzählen Geschichten mit interaktiven Grafiken, 3D-Animation, humorvollen Elementen wie Rubbing und Motion Sensitivity. Kurz – wir suchen nach neuen journalistischen Formen.

Thematisch sind wir latent aktuell, unterhaltsam und global relevant. Wir wählen Geschichten aus, die weltweit ankommen. Uns interessieren gesellschaftliche Themen, ebenso politische und wirtschaftliche, wissenschaftliche und Sport. Die erste Ausgabe widmet sich dem Prinzen William Wales, dem Hoffnungsträger der britischen Krone. Die zweite befasst sich mit Reproduktion.

collection_deutschDie Gesamtleitung liegt bei Thomas Trüb. Stéphane Carpentier amtet als Creative Director, Peter Hossli als Chefredaktor. Unsere Entwickler sind Marc Carrard und Romain Rosay – alles Personen, die bei Ringier tätig sind. Wir haben Büros in Zürich, Ho Chi Minh City und Lausanne.

Geboren wurde die Idee in Thalwil. Thomas Trüb lud im Frühling 2010 zu einem Workshop an den Zürichsee. Er suchte nach Projekten für das Anfang 2010 vorgestellte iPad. Gegen Ende des Tages sagte ich: «Warum machen wir nicht ein journalistisches Produkt? Ein Magazin fürs iPad?»

Trüb, einst selbst Journalist, schien das Feuer zu packen, nochmals ein journalistisches Produkt zu lancieren.

Damals dachte ich eher an ein Nachrichtenmagazin im Stile von Focus oder Der Spiegel. Doch Nachrichten gibt es viele. Der Aufwand wäre immens. Eine Redaktion aufzubauen, die wöchentlich das aktuelle Geschehen vertieft und dazu noch multimedial umsetzt, ist ein beachtliches Unterfangen.

Schliesslich einigten wir uns, ein monothematisches Magazin zu entwickeln. Das Visuelle sollte so wichtig sein wie das Thema, die Interaktion so bedeutend wie Bilder. Multimediale Formate würden dieselbe Bedeutung erhalten wie Texte. Zusammen mit Stéphane Carpentier erstellte ich ab August 2010 zwei Prototypen. Schliesslich gab uns Thomas Trüb grünes Licht, eine Redaktion in Zürich und eine Produktionsstätte in Vietnam aufzubauen.

collection_chineseWir entwickelten Ideen, suchten nach Möglichkeiten, Geschichten ganz anders zu erzählen, erlebbarer zu gestalten, auf die Möglichkeiten des iPads zuzuschneiden – und stiessen rasch an technische Grenzen. Entweder wir investieren mehrere Millionen in teure Entwicklungen, oder wir produzieren mit Woodwing – und unser Produkt sieht ähnlich aus wie die anderen iPad-Magazine.

Wir verwarfen beide Optionen. Schliesslich wurde Stéphane in Lausanne fündig – bei Ringier Romandie. Marc Carrard und Romain Rosay hatten ein eigenes Produktionssystem entwickelt. Die Idee dahinter ist einfach und ausbaubar. Wir hatten zwei Tüftler gefunden, die alle unsere Wünsche umsetzen konnten.

Anfang Januar begannen wir Themen zu setzen, Teams aufzubauen, visuelles Material zu sammeln, Formate zu entwickeln, zu verwerfen, Aufträge an Autoren, Video- und Fotografen zu vergeben, Layouts zu erstellen – schliesslich Texte zu übersetzen.

Noch ist unsere Redaktion klein und fein. Derzeit bauen wir aus, suchen begabte Journalistinnen und Journalisten, die Geschichten mit weit mehr als Texten und Bildern erzählen könne, die gut Deutsch und Englisch schreiben können – und eine hohe Bereitschaft haben, sich für the collection einzusetzen.

Hier können Sie the collection kaufen:

US Store

Swiss Store

German Store

Am Tag danach

spiegel_hebdo-kopie-kopieIst das nun Zufall, oder doch ein Plagiat? Oder einfach das einzige, was Redaktionen zum Thema Japan und Kernschmelze derzeit einfällt?

Das deutsche Nachrichtenmagazin Der Spiegel titelte zu Beginn dieser Woche “Das Ende des Atomzeitalters”. Das Cover ziert ein Bild einer Rauchwolke über dem AKW Fukushima.

Nun zieht das westschweizer Magazin L’Hebdo mit der fast identischen Optik nach. Titelzeile: “Le fin de l’ âge du nucléaire”.

Bei den Kopfzeilen unterscheiden sich die beiden Titelblätter. Noch ist offenbar nicht sicher, wann genau das Atomzeitalter zu Ende ging. Der Spiegel: “Fukushima, 12. März 2011, 15.36 Uhr.” L’Hebdo: “Fukushima, 14 Mars 2011, 11h01″.

Guttenberg und die US-Verfassung

Der deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat in seiner Doktorarbeit die amerikanische Verfassung mit der Entwicklung von europäischen Verfassungen verglichen. Etliche Passage davon hat er bei anderen Autoren abgeschrieben.

Es stellt sich allerdings die Frage, ob er die US-Verfassung überhaupt gelesen hat. Darin sichern die Gründerväter nämlichen allen Autoren das Urheberrecht ausdrücklich zu – um die Wissenschaften und die Künste zu fördern.

Article I, Section 8, Clause 8

The Congress shall have Power …

To promote the Progress of Science and useful Arts, by securing for limited Times to Authors and Inventors the exclusive Right to their respective Writings and Discoveries.

Dieser Satz in der US-Verfassung ist zentral für die amerikanische Wertschätzung des geschriebenen Wortes, des eigenständigen Gedankens. Wissenschaftler, Autoren und Künstler sollen in der Lage sein, durch ihre geistige Arbeit den eigenen Lebensunterhalt zu sichern.

Es gibt viele Verfassungshistoriker, die den Schutz der Urheberrechte vor mehr als 200 Jahren als Grundlage für den globalen Siegeszug Hollywoods sehen, für die grossartigen US-Bildungsstätten, für die Software-Industrie.

Geschaffen hat der Satz in der Verfassung ein Bewusstein, das in Europa fehlt – dass man sich nicht mit fremden Federn schmückt. Der Fall Guttenberg zeigt vor allem diesen gravierenden Unterschied zwischen Europa und den USA.

Ein US-Politiker, der nur ein Wort wonanders abschreibt, müsste sofort abtreten.

So schwächen wir den Franken

franken1Der Schweizer Franken ist so stark wie nie zuvor. Darunter leiden Tourismus und Exportindustrie. Besorgt reagieren Schweizer Politiker und Unternehmer. Für Freitag hat der Bund die Spitzen der Wirtschafts-Verbände und der Gewerkschaften zu einer Krisensitzung aufgeboten. Ziel: Lösungen zu finden, die den Franken schwächen. Es könnten Negativzinsen sein, die direkte Franken-Anbindung an den Euro, an den Dollar, die Inhaftierung aller Währungshändler.

Es gibt wirkungsvollere Mittel: Wir müssen ein riesiges Staatsdefizit erzeugen. Zumal der Franken erstarkt ist wegen des verhältnismässig gesunden Haushalts der Eidgenossenschaft, der Kantone und der Gemeinden. Länder wie Italien und Griechenland, Spanien, Portugal und die USA hingegen schreiben hohe Defizite.

Wollen wir den Franken schwächen, muss der Staat mehr ausgeben, viel mehr. Ein paar Ideen für Politiker und Unternehmer:

• Jede Schweizer Gemeinde baut ein neues Hallenbad mitsamt Rutschbahn
• An Werktagen kostet Zugfahren nichts
• Wer nicht Zug fährt, erhält ein deutsches oder amerikanisches Auto nach Wahl
• Der Bund subventioniert Benzin
• Der Bund gründet eine eigene Fluggesellschaft; sie heisst Swissair
• Die Flugwaffe erhält noch dieses Jahr neue Kampfflugzeuge
• Milchbauern erhalten den doppelten Betrag für den Liter Milch bei gleich bleibenden Milchpreisen
• Seeanstoss für alle Hausbesitzer; der Bund legt neue Seen an
• Baden, Aarau, Winterthur, St. Gallen und Bülach bauen je ein neues Opernhaus
• Sommerskifahren in Solothurn
• Schweizer Regisseure drehen nur noch mit amerikanischen Schauspielern
• Baubeginn neuer Gotthardröhren in der zweiten Hälfte März

Weitere Vorschläge sind willkommen

Begegnungen 2010

Journalistische Geschichten sind gut, wenn sie aktuelle Themen mit Menschen plausibel darstellen. Möglich werden solche Geschichten durch persönliche Begegnungen. Als Reporter bin ich Menschen zu grossem Dank verpflichtet, die mir Zeit geben und Fragen beantworten.

Eine Auswahl von Begegnungen im Jahr 2010:

madagaskarMadagaskar – Madagaskar ist eine fabelhafte Insel. Hier leben Tiere und gedeihen Pflanzen, die es sonst nirgends gibt. Seit einem Jahr hält ein Putsch das Land in Atem und die Touristen fern. Mit fatalen Folgen für die Umwelt. Statt Besucher durch den dichten Regenwald zu führen, schlagen viele Einheimische geschützte Edelhölzer und jagen Lemuren. Ein Motorboot bringt Touristen von zum Masoala National Park. Die Fahrt beginnt sanft, vorbei an Kindern, die vom Ufer winken, an Dschunken, die Lebensmittel transportieren und Fischerbooten, von denen Frauen Crevetten aus dem Fluss ziehen. Dann geht es aufs offene Meer. Wellen so hoch wie Felsen schlagen gegen das Schiff. Jeder klammert sich fest. Angst liegt im Gesicht des fünfjährigen Leonard, der mit dem Vater mitfährt.

nadine_peterNadine Gordimer: Die Stimme Afrikas – Ihr ganzes Leben schrieb sie gegen die Apartheid an. Mit Nelson Mandela ist sie eng befreundet. Literaturnobelpreisträgerin Nadine Gordimer über Brot, Spiele, die Fussball-WM und den aufkeimenden Rassismus in Südafrika. Sachte öffnet der kräftige Haushälter die Tür des weissen Holzhauses. Es steht in einer ruhigen Strasse in Johannesburg. «Frau Gordimer ist gleich so weit», sagt er und führt am weimaraner Jagdhund vorbei ins Lesezimmer mit Sofa, Stuhl und Nierentisch. An den Wänden stehen in Glasschränken Hunderte von Büchern. «Hallo», grüsst Nadine Gordimer, 86, und stellt ein Tab lett mit zwei Porzellantassen und einer weissen Kanne auf den Tisch. «Wie trinken Sie den Tee? Stark? Milch und Zucker?» «Schwarz, bitte.» Die zierliche Frau trägt Kordhose und Pullover. Sie ist die Stimme Afrikas. Seit 70 Jahren fabuliert Gordimer ironisch übers Leben auf dem Schwarzen Kontinent. Mit 15 publizierte sie die erste von vielen Kurzgeschichten. Es folgten elf Romane und etliche Essays. Zur Welt kam sie in der Nähe von Johannesburg als Tochter eines Litauers und einer Engländerin. In den 50er-Jahren – die Apartheid wurde in Südafrika 1948 gesetztlich verankert – begann sie an der Seite der Schwarzen gegen die Rassentrennung zu kämpfen und anzuschreiben. Als Nelson Mandela 1990 nach 27 Jahren Haft entlassen wurde, war Gordimer eine der ersten Personen, die er traf. Ein Jahr später erhielt sie den Literaturnobelpreis. Sie giesst Tee auf und setzt sich aufs Sofa. Mehr

estelleCote d’Ivoire - Sie sind hungrig auf Erfolg. Ihr grosser Traum ist eine Fussballkarriere in der Schweiz. Erste Station für die kleinen Kicker aus der Côte d’Ivoire ist die Nachwuchsakademie der Young Boys in Westafrika. Ich traf Estelle, 9, und schenkte ihr einen Ball. «Mädchen spielen doch keinen Fussball», lachte mein Fahrer. Estelle sah das anders. In Côte d’Ivoire spielt jeder Fussball. Sie schnappte sich das Leder. Eine Meute Jungs eilte hinterher, wollte mitspielen. Eine halbe Stunde überlässt sie ihnen den Ball. Dann musste sie heim in die Küche. Mit ihrem Ball trottete Estelle weg – überglücklich. Mehr


dmzKorea - Im Auge des Orkans. Säbelrasseln in Korea. Seine Pistole ist geladen. Wie vor dem Hechtsprung liegen die Arme am Rumpf. Die Fäuste hat der südkoreanische Grenzsoldat geballt, alle Sehnen des muskulösen Oberkörpers gespannt. Eine pechschwarze Brille mit goldenen Rändern verdeckt das kantige Gesicht. Vor sengenden Sonnenstrahlen schützen die Gläser – und vor Hypnoseversuchen des nordkoreanischen Wächters. Der steht wenige Meter entfernt. Dünn ist er, trägt Uniform und Helm. Beides erinnert an karges Sowjet-Design. Vom Hals baumelt ein Feldstecher, den er alle paar Sekunden zu den Augen führt. Nonstop starren sich erwachsene Männer am 38. Breitengrad in Korea an. Kameras filmen. Abhörgeräte lauschen. Satelliten äugen. Warten, bis etwas passiert. Seit 57 Jahren. Es ist der letzte heisse Schauplatz des Kalten Kriegs. Ein Flecken, wo der Dritte Weltkrieg jederzeit ausbrechen könnte. Und wo mittendrin fünf Schweizer Soldaten harren. Ihr Auftrag ist klar – sie haben den Krieg zu verhindern. Mehr

steinDer Stein – Sportler stossen ihn. Für die Berner ist er ein Symbol des Friedens, für die Jurassier eine Geisel. Mal wird der Unspunnenstein geklaut, mal geht er verloren. Eine Geschichte, so erstaunlich wie die Schweiz. Er liegt in New York, verborgen in einer muffigen Kellerwohnung. Vier Jurassier bewachen ihn. Es sind Béliers, jugendliche Separatisten, die sich in den USA versteckt halten. Über Umwege erreichte er Amerika. Ein Lieferwagen brachte ihn von Interlaken nach Rotterdam. Auf einem Bananenfrachter reiste er im Herbst 2005 nach Panama. Über Landstrassen gelangte er nach New York, gehüllt in eine Decke auf dem Rücksitz eines Jeeps. Diese abenteuerliche Story erzählt ein Jurassier in New York. Stimmt sie? Vielleicht. Wo er sich heute befindet, wissen nur wenige. Dafür jagen sich Gerüchte, breiten sich Legenden aus. Einmal liegt der Stein in einem Güllenloch, unter dem Eisfeld von Tramelan, dann in den Tiefen des Thunersees, zu Sand zermalmt. Und – diese These hält sich hartnäckig – die Ex-Miss-Texas Shawne Fielding hat ihn in einer Feuerstelle verarbeitet. Mehr

newsroomNewsroom – Freitagnacht, kurz vor elf. Redaktion BLICK in Zürich. Blattmacher Urs Helbling, 48, tippt die Titelschlagzeile: «Stephanie – das Diätwunder». Er sitzt an einem von vier Computern, die noch surren. Daneben schneiden Handwerker den Teppich in viereckige Stücke, reissen diese vom Boden und tragen sie weg. Die Schlagzeile passt, Helbling schickt die Seite an die Druckerei. Es ist heute die letzte. «Ein emotionaler Moment», sagt er. «Vor 21 Jahren habe ich hier angefangen, jetzt verlasse ich diesen Raum – und den alten BLICK.» Ein Techniker löst alle Kabel, die an Helblings Rechner hängen. In der Nacht löscht er die Festplatte und setzt sie neu auf. Ein Packer schraubt Beine von Tischen. Sein Kollege sammelt Telefone ein. Der Umzug verändert die Blick-Gruppe und somit den Medienkonzern Ringier. Die grösste Schweizer Redaktion zieht in einen integrierten Newsroom, ein Grossraumbüro auf zwei Etagen im Zürcher Quartier Seefeld. Mehr

clickGeneration Click –Emre ist 16. In Olten besucht er die Bezirksschule. Dort, wo die Schnellzüge aus Bern, Zürich, Basel sich und somit die Schweiz kreuzen. Morgens weckt ihn ein Smartphone. Auf dem Weg zum Bahnhof berieselt Musik seine Ohren. Kaum ist Emre im Zug, loggt er sich per Telefon bei Facebook ein. Dazu hört er satten Sound. Im Unterricht verschickt er SMS. Über Mittag stöpselt er die Kopfhörer wieder ein. Um vier Uhr nachmittags kommt er nach Hause und startet den Rechner. Emre surft, mailt, spielt und schaut Filme. Über den Chatkanal MSN trifft er jeweils 400 Bekannte. Bis er schläft, surrt sein Computer. Ist Emre wach, ist er online, oft auf mehreren Kanälen gleichzeitig. «Ein Drittel schlafen, ein Drittel Schule und ein Drittel Medien», beschreibt der Schüler seinen Tagesablauf. Ein Sonderling ist der kräftige Kerl nicht. Alle in seiner Klasse, ob Mädchen oder Junge, haben daheim einen Computer und besitzen ein Mobiltelefon. Sie hören Hip-Hop nicht ab CD, sondern über MP3-Player. Das Handy, welches SMS und E-Mails verschickt und die Auffahrt ins Internet schafft, liegt nachts bei den meisten unter dem Kopfkissen. Es ist das letzte Ding, das sie vor dem Einschlafen sehen, und das erste, das sie morgens anfassen. Mehr

lybienDer Einsatz – Ein Plan wie aus einem James-Bond-Film. Was einige Bundesräte in Tripolis vorhatten, erschüttert die Schweiz. Die Details sind geheim. Es kam nicht dazu. Warum? Das werden wir wahrscheinlich nie wissen. Vielleicht fehlte der Mut, vielleicht die Ausrüstung. Vielleicht entdeckte der libysche Geheimdienst die Pläne. Vielleicht war der Bundesrat zerstritten, fürchtete harsche aussenpolitische Folgen. So aber hätte die militärische Geiselbefreiung gemäss Experten erfolgreich ablaufen können. Die Fiktion des Reporters basiert auf Gesprächen mit Militärexperten, in- und ausländischen Geheimdienstlern und einem Ex-Kommandanten der Schweizergarde, der Bewacher des Papstes. Mehr

leuenberger_bildIch bin wahnsinnig eingebildet und habe keine Vorbilder – Moritz Leuenberger überlässt nichts dem Zufall. Bis zum Schluss. «Der Fotograf kommt nicht rein?», fragt er. «Ich bin hier», antwortet der Mann mit der Kamera. Wie die Reporter sitzt er mit am Holztisch in Leuenbergers fast leerem Büro in Bern. «Und Ihre Riesenausrüstung?» – «Ist draussen.» – «Fotografieren Sie nicht jetzt?» – «Nach dem Gespräch.» – «Wo, wie?» Leuenberger wirkt nervös. «Den Ort finde ich, während Sie das Interview geben.» Als sei er der Regisseur, weist er den Fotografen an. «Es braucht doch auch mein Einverständnis.» Zu zweit verlassen sie das Büro. Die Journalisten werden unruhig. Leuenberger wirkt gereizt. Bricht er die ganze Übung ab? Dann kehrt er zurück, lächelnd. Er hat einen Ort gefunden: in der Kantine. Die Szene ist typisch. Leuenberger, vor 64 Jahren geboren und seit 1995 im Bundesrat, versteht es wie kein zweiter Politiker, sich selbst zu inszenieren. Er mag Macht. Und zur Macht gehört Kontrolle. Mehr

Talk on Journalism

Gedanken zum Journalismus

Alle Artikel von 2010

So Long, Larry

kinggAmerikanische Helden wissen stets gute Geschichten zu erzählen. Bei Larry King, 77, dem populären Talkmaster auf CNN, ist es die des mausarmen Tellerwäschers, der es zum Millionär schaffte. 1956 putzte King als Lawrence Harvey Zeiger die Böden einer lokalen Radiostation in Miami, Florida. Als der Dienst habende Morgenmoderator eines Tages nicht erschien, sprang King als Ersatz ein. Fortan nannte sich der in Brooklyn geborene Zeiger Larry King, «Zeiger tönte zu jüdisch». Nachher führte er über 40000 Interviews, zuerst im Radio, dann im Fernsehen.

Diese Woche verabschiedete er sich mit seiner letzten Sendung «Larry King Live».

Ich traf Larry King im Februar 1998 zum Interview in seinem Studio in Washington, eine Stunde vor der täglichen Sendung.  Er bestellte sich das Abendessen ins Büro und beantwortete meine Frage. Das Gespräch war ein Genuss, richtiges Ping-Pong. King antwortete rasch, präzise, wich nie aus.

Lesen Sie hier das gesamte Gespräch über die Medien, das Fernsehen, US-Politik – und Bill Clinton und Monica Lewinsky.

Herren und Invaliden

Gesehen an der Toiletten-Türe in einem japanischen Restaurant in der Schweizer Stadt Zürich. Die Udon-Suppe mit Gemüse schmeckte hervorragend.

wc

Good Design

We are humbled to learn that hossli.com has been selected as one of the most beautiful and clean websites around. Thank you for this honorable recognition, and kudos to designer Tina Roth Eisenberg.

For the list of 30 beautiful and clean blogs, click here.

9/11 Ain’t Funny

Switzerland’s former federal council Christoph Blocher seems to have a peculiar sense of humor. In an interview on Teleblocher the right wing politician was snorting with laughter about terrorism and the attacks on the World Trade Center on September 11, 2001. The reporter interviewing Blocher happily laughs and chuckles along.

A translation of Blocher’s outburst for non Swiss-German speakers:

“Stop using those superlatives in New York, ‘this is the World Trade Center, the World Trade Center, the highest building in the world, the highest building, we have the highest building in the world’, after that - tick - tack - two airplanes - blurblurblurblur, everything finito, over, right?”

The clip was shown by Swiss comedy show Giacobbo / Müller

Gekko und die Schweiz

gekkoGier ist nicht mehr nur gut, Gier ist legal. Das ist die Botschaft in Oliver Stones Film «Wall Street: Money Never Sleeps». Eine tragende Rolle spielt der Steuerstreit zwischen der Schweiz und den USA. Der abgehalfterte Investor Gordon Gekko (erneut brillant: Michael Douglas) schafft den Sprung zurück in den Finanzolymp mit 100 Millionen Dollar, die er jahrelang in der Schweiz vor dem US-Fiskus versteckt hatte. Schweizer Banken, lobt Gekko, seien bestens geeignet für Steuertricks.

Mit deren Hilfe gelingt ihm, was 4650 amerikanischen UBS-Kunden versagt blieb: Unerkannt wäscht er sein Geld, vermehrt es zu einer Milliarde, bringt es zurück in die USA.

Talk on Journalism

talkThis morning I was a guest speaker at the “Freitag am Donnerstag” series on journalism. It was organized by Freitag AG and curated by Tina Roth Eisenberg.

I spoke about what I believe is a good story, and referenced my piece on Monica Lewinsky, the story about the McAlester Army Ammunition Plant in Oklahoma, the firefighters who trained to go to Iraq to extinguish burning oil fields, my feature on victims of the Subprime crisis, an interview with UBS client Igor Olenicoff, the visit I paid Dennis Kozlowski in jail, a story I did on electroconvulsive therapy in Switzerland, another on how the Swiss youth uses media, and about the football school that Swiss football club Young Boys operates in Cote d’Ivoire, and lastly my search for Switzerland’s holy grail, a rock.

The audience was wonderful, and I got many interesting questions. Marcel Bernet wrote a good summary on his blog.

Photo by Marcel Bernet

You can watch a video of my talk:

FREITAG am Donnerstag - Peter Hossli (Sep 23, 2010) from FREITAG lab. ag on Vimeo.

Schwingen den Schweizern

schwingenAm 1. August am Schwingfest auf dem Urnerboden im Kanton Uri. Eine Gruppe von 16-jährigen Mädchen verfolgt einen Kampf. «Wir sind wegen den starken und schönen Männern hier», sagt eine.

Fast jedes Wochenende besuchen die Mädchen irgendwo ein Schwingfest, erzählen sie später. Warum? «Weil es so friedlich und urchig ist.» Was bedeutet das? «Urchig? Das ist Heimat.» Was ist Heimat? «Berge – und dass es keine Ausländer hat.» «Wir gehen ans Schwingfest, weil hier sicher ein Schweizer gewinnt.» «Wenn nur Schweizer mitmachen, dann gibt es keinen Ärger.»

Die Schweiz ist doch ein Land, das schon immer viele Zuwanderer hatte, wo die Ausländer gut integriert sind. «Nicht beim Schwingen», sagt ein Mädchen. «Hier machen die Ausländer nicht mit, und das soll so bleiben.»

Sport hat eine integrative Funktion. Sollten junge Ausländer nicht zum Schwingen animiert werden? «Nein, Schwingen dürfen nur Schweizer, die Ausländer können ja Fussball spielen.»

Foto: Robert Huber

UBS Reader

doug2Fast drei Jahre brodelte der Steuerstreit zwischen den USA und der Schweiz. Auslöser wardie UBS und ihr grenzüberschreitendes Geschäft mit amerikanischen Kunden. Vor einem Gericht in Florida hat Ex-UBS-Banker Bradley Birkenfeld gestanden, wohlhabenden US-Kunden bei der Steuerflucht geholfen zu haben.

In einem Deferred Prosecution Agreement hat die UBS am 18. Februar eingestanden, über Offshore-Konten US-Bürgern zur Steuerflucht verholfen zu haben. Der amerikanischen Börsenaufsichtskommission SEC musste sie eingestehen, in den USA ohne Lizenz Anlagetipps abgegeben zu haben.

Letzten Juli entschuldigte sich UBS-Finanzchef Mark Branson vor dem US-Senat für das Fehlverhalten der UBS. Infolge beschloss die UBS, US-Kunden nur noch von den USA aus zu betreuen.

Währenddessen steckte die Schweiz den Kopf in den Sand.

Mittels Zivilklage versuchte die US-Regierung weiter, an Namen von UBS-Kunden zu gelangen. Per Staatsvertrag setzten die Schweiz und die USA die Zivilklage aus. Diese Woche segnete das Parlament das Abkommen ab.

Eine Sammlung von Artikeln und Dokumenten

Artikel

Das Arsenal der UBS, SonntagsBlick, 13. Juni 2010

Schweizer ans Messer, SonntagsBlick, 23. Mai 2010

“Die UBS hat mich reingelegt”, Interview mit Igor Olenicoff, SonntagsBlick, 4. April 2010

Das Land ohne Konsequenzen, Ein Essay, SonntagsBlick Magazin, 27. Dezember 2009

Leben mit dem Betrug, SonntagsBlick Magazin, 20. September 2009

“Man will uns jede Kleinigkeit vorschreiben”, Interview mit Hans-Ulrich Doerig, SonntagsBlick, 13. September 2009

So fangen Amis die UBS-Steuersünder, SonntagsBlick, 30. August 2009

“Die Kunden sind nicht bloss harmlose Opfer”, Interview mit Kaspar Villiger, SonntagsBlick, 23. August 2009

Sie machten aus Amerikanern Schweizer, SonntagsBlick, 23. August 2009

“Viele Reiche beissen in den sauren Apfel”, Interview mit Fritz Kaiser, SonntagsBlick, 16. August 2009

Er will 20 Schweizer Banken verklagen, SonntagsBlick, 9. August 2009

Die neue amerikanische Offensive, SonntagsBlick, 2. August 2009

So rettet sie das Bankgeheimnis, SonntagsBlick, 19. Juli 2009

“Ich bin schuldig”, Interview with Igor Olenicoff, Weltwoche, 21. Mai 2009

Bundesrat lockert Bankgeheimnis, Reaktionen in den USA, Sonntag, 15. März 2009

Levin im Hintertreffen, Sonntag, 15. März 2009

Steueroase in Delaware, Weltwoche, 12. März 2009

“Die USA negieren Abkommen”, Interview mit Faith Whittlesey, Mittelland Zeitung, 9. März 2009

“Wir wollen einen vollständigen Informationsaustausch”, Interview mit Carl Levin, Sonntag, 8. März 2009

Wehrlos, Hossli.com, 1. März 2009

Schweiz droht schwarze Liste, Sonntag, 1. März, 2009

Gnade vor Recht – das Deferred Prosecutioin Agreement, Bilanz, 27. Februar 2009

Konten in der Schweiz sind geschützt, Weltwoche, 26. Februar, 2009

3800 illegale Treffen in Amerika, Sonntag, 22. Februar, 2009

Der clevere UBS-Deal, Hossli.com, 18. Februar 2009

UBS wegen Chefs in der Tinte, Sonntag, 14, Dezember 2008

Le cauchemar Birkenfeld, Private Banking, 15. August 2008

“Es war ein Kniefall”, Interview mit Mark Branson, Weltwoche, 24. Juli 2008

Riskanter Auftritt, Weltwoche, 24. Juli 2008

“Amerikaner bellen den falschen Baum an”, Sonntag, 20. Juli 2008

Alptraum Birkenfeld, Bilanz, 18. Juli 2008

Martin Liechti sagt aus, Bilanz, 15. Juli 2008

“Kein Angriff auf das Bankgeheimnis”, Interview mit John C. Coffee, Weltwoche, 26. Juni 2008

Bankdaten gegen Straffreiheit, “Sonntag”, 22. Juni 2008

“Bankgeheimnis schwierig zu verteidigen”, “Sonntag”, 8. Juni 2008

UBS sucht Deal mit US-Behörden, “Sonntag”, 1. Juni 2008

Cowboy-Methoden, Hossli.com, 11. Mai 2008

Dokumente / Links / Other Media

Senatshearing, Tax Haven Banks and U. S. Tax Compliance - Obtaining the Names of U.S. Clients with Swiss Accounts, 4. März, 2009

America must treat its Swiss friends with care, Faith Whittlesey, FT, 1. März 2009

Swiss Bank Miss, Wall Street Journal, 27. Februar 2009

Zivilklage, US-Justizministerium, 19. Februar, 2009

Deferred Prosecution Agreement, 18. Februar 2009

GAO-Report, International Taxation, 18. Dezember, 2008

Senatshearing zu Banken und Steueroasen, 17. Juli 2008

GAO-Report zu QIs

Tax Haven Banks and US Tax Compliance, US-Senats Bericht von Carl Levin

Opening Statement von Mark Branson (UBS), Senat-Hearing 17. Juli 2008

Wohnsiedlung von Bradley Birkenfeld in North Weymouth

Anklageschrift gegen Bradley Birkenfeld

Schuldbekenntnis von Bradley Birkenfeld

Verhör-Protokoll von Bradley Birkenfeld

Statement UBS / English

Statement UBS / Deutsch

No More Kissin’

They kissed forever during the Democratic convention in the year 2000. Now they ain’t no more. Almost President, Nobel Peace laureate and Oscar winner Al Gore has separated from his wife of 40 years, Tipper.

A sad story, sure. For one last time, let’s go back to that memorable kiss:

Jobs Beats Gates

jobes_gatesApple co-founder Steve Jobs has finally arrived where he always wanted to be – on top and ahead of Bill Gates. Today Apple surpassed arch enemy Microsoft in market capitalization for the first time in it’s 34 year history. Apple is the largest technology company in the world.

Maybe now Steve Jobs will start to think about what Bill Gates has been doing for that last decade: use some of his money for a better cause then trying to kill Flash.

Es braucht das iPad

Seit gestern besitze ich ein iPad. Es kam per persönlichem Kurier aus New York nach Zürich. “It’s a giant iPhone”, sagte meine Tochter, als ich es aus der Schachtel nahm.

Falsch. Das iPad – und ähnliche Geräte von anderen Herstellern – ist viel mehr als das.

Es könnte das Internet zum globalen Telefonbuch degradieren und damit die Epoche grottenschlechter digitaler Inhalte beenden. Für kreative Menschen, für gute Journalisten und Fotografen, für Filmemacher und Geschichtenerzähler bietet das iPad die Möglichkeit, endlich Geld mit digitalen Geschichten zu verdienen.

Seit rund 15 Jahren laden professionelle Journalisten und Amateure Inhalte ins Netz – und zwar fast durchwegs kostenlos. Die Folge: Ein riesiger Haufen Schrott. Die Medien verloren die Rubrikenanzeigen ans Internet - ebenso die Aufmerksamkeit und somit ihr Geschäftsmodell. Die Qualität litt. Leserinnen und Leser wenden sich weiterhin vom Papier ab, weil die gedruckten Worte und die dazugehörigen Bilder meist uninteressant sind.

Online ist es selten besser. Was nichts kostet, hat keinen Wert.

Das iPad könnte das ändern. Es wird dann ein Erfolg, wenn es das Modell der letzten 15 Jahren ablöst.

Das Potenzial ist da. Das iPad ist ein geschlossenes System. Inhalte werden über so genannte Apps vertrieben. Das kostet den Nutzer. Sie geben aber nur dann Geld für Inhalte aus, wenn die Inhalte sehr gut sind. Die Anbieter von iPad-Apps sind also gezwungen, hervorragende Text und Bilder, Videos und Grafiken anzubieten. Was Geld kostet, hat einen Wert und muss gut sein.

Das iPad wird gute Inhalte provozieren. Sonst ist es nicht nötig.

Mehr zum Alptraum Internet

Italian Kummer

Tommaso Debenedetti is a Rome based freelance journalist. He gives famous Swiss borderline journalist Tom Kummer a run for his money.

Back in March, an Italian reporter for La Repubblica interviewed US novelist Philip Roth. She confronted him with a negative statement on Barack Obama that Roth allegedly made in an interview with Debenedetti. Roth was very surprised. He did not know about Debenedetti, and he never made the statement.

Though Roth began to dig in. He found a Q&A interview by Debenedetti with author John Grisham with similar denunciations of Obama. Roth had his agent contacting Grisham’s agent. Soon it was obvious: The Grisham interview also was a fake.

Now the New Yorker has unearthed that Debenedetti is actually a serial faker. According to the magazine’s website a Gore Vidal interview by Debenedetti never happened. Nobel price laureates Toni Morrison, Nadine Gordimer, Günter Grass, and Herta Müller say Debenedetti never talked to them, even though he published interviews with him.

The New Yorker reached Debenedetti by phone. He denies to have ever fabricated anything. As he only got 20 Euros, Debenedetti argues, he is not greedy.

Maybe his stuff is just worthless.

Mr iPod Has Left the Building

Today, the New York Times reports that Tony Fadell is finally leaving Apple. Fadell is considered the father of the famous iPod. For many years he was not allowed to talk to the press. A couple of years back we met Mr iPod in New York for one of the very few interviews he ever gave while still at Apple. Back then he was even afraid to say that he invented the iPod.

Click to read the interview

Interview mit Kathryn Bigelow

bigelowVor 14 Jahren brachte die Action-Regisseurin Kathryn Bigelow den Film «Strange Days» in die Kinos. Im Interview, das ich damals mit ihr führte, nannte sie Hollywood einen «Boys-Club». Gestern gewann sie als erste Frau den Regie-Oscar für ihren neusten Film «The Hurt Locker». Ein Klick führt zum Interview.

Funny Swiss Man

U.S. comedian Stephen Colbert found a truly funny Swiss man at the Vancouver Olympics. For his show “Colbert Report” he plays Fondue Pong with the guy in charge at the Swiss House in Vancouver. Not to be missed.

The Colbert Report Mon - Thurs 11:30pm / 10:30c
Olympic International Houses
www.colbertnation.com
Colbert Report Full Episodes Political Humor Skate Expectations

The Presence of Magazines

Apple’s iPad will launch at the end of March, and it is going to revolutionize that way we consume media. All over the world, magazines are embracing the new opportunities to bring digital content to their readers. Here is a selection of approaches:

Wired

Sports Illustrated

The Presence of Advertising

The advertising industry experiences a fundamental shift. Ads are rapidly moving from print and television to online media. In this radio interview with Brian Lehrer, Dow Jones reporter Ty McMahan talks about which companies are doing online commercials right, and what trends are already here. Not to be missed.

Google Knows Ads

Sure, Google might have morphed into an unpleasant giant. The search company wants to know who you are. Their slogan “don’t be evil” seems to be “bullshit“, as Apple CEO Steve Jobs puts it. Google wants to control the world, some say.

But Google surly does know advertisement. At last week’s Super Bowl, the ad company ran a commercial for it’s search engine. It’s a one-minute love story that left me sobbing. Check it out:

Begegnungen 2009

Journalistische Geschichten sind gut, wenn sie aktuelle Themen mit Menschen plausibel darstellen. Möglich werden solche Geschichten durch persönliche Begegnungen. Als Reporter bin ich jenen Menschen zu grossem Dank verpflichtet, die mir Zeit geben und Fragen beantworten.

Eine Auswahl von Begegnungen im Jahr 2009:

Auf eine Zigarre mit Marc Rich

rich_begDer Financier Marc Rich nennt die Ehe mit Gisela Rossi in einem Buch seinen zweitgrössten Fehler. Der Milliardär lud mich zum Lunch in sein Chalet nach St. Moritz ein. Dort zeigte er Reue. «Den Kaffee trinken wir im Wohnzimmer», sagt Rich. Für die Haushälterin ein Zeichen, ihm eine Siglo II zu bringen, eine kräftige kubanische Cohiba-Zigarre. Drei bis vier Cohibas rauche er täglich, sagt er. Zigarrenschneider und das rosa Feuerzeug sind aus Plastik. «Wollen Sie auch eine?», fragt er. «Schon, aber ich sollte mitschreiben, was Sie sagen.» «Sie können sicher beides, rauchen und arbeiten.» Sein Charme obsiegt. «Okay, ich nehme eine.» Mehr

In Köln mit Ausnahmepilot Chesley Sullenberger

hossli_sullenbergerbegEin Ausnahmekönner sieht so aus: schütteres weisses Haar, schlaksiger Rumpf, schläfrige Augen. Der Händedruck ist schlaff. Er heisst Chesley Sullenberger, ist 58 und Pilot. Gänse verklemmten kurz nach dem Start vom New Yorker Flughafen La Guardia seine beiden Triebwerke. Er landete den Airbus auf einem Fluss. Alle Insassen überlebten. Das Kunststück vollbrachte er am 15. Januar 2009 um 15.30 Uhr auf dem Hudson, einem mächtigen Strom, der entlang der Häuserschluchten New Yorks in den Atlantik mündet. Ein knappes Jahr später empfängt Sullenberger in Köln Reporter. Seine Autobiografie «Man muss kein Held sein» erschien eben auf Deutsch. «Hallo, ich bin Sully», stellt er sich mit seinem kindlichen Kosenamen vor. Hat er den Rhein gesehen? «Ja, es wäre um einiges schwieriger, darauf zu landen», gesteht er. «Der Rhein ist schmaler als der Hudson und es hat hier viel mehr Brücken.» Mehr

Auf Besuch bei Urs und Ansta in Namibia

ursbegAn der Wäscheleine hängen feuchte Hosen und Hemden, am riesigen Himmel aufquellende Wolken. Es ist heiss. Eine Hündin stillt Welpen. Daneben gedeihen in einem Beet Spinat und Schnittlauch, Basilikum und Peperoni. «Alles, was im afrikanischen Sand so wächst», sagt Urs Gabathuler, ein blonder, blauäugiger Maurer aus der Schweiz, der hier in der nordnamibischen Stadt Outjo daheim ist. Er baut sein Haus wieder auf, das letzten Mai niederbrannte. Aus dem Innern des Rohbaus dringen Stimmen von Arbeitern. Gabathuler, der Shorts und T-Shirt trägt, führt den Reporter in einen feuchten Raum. «Hier ist alles passiert», sagt er und spricht die unfassbare Tat an, bevor er dazu befragt wird. Am 4. Mai frühmorgens stieg ein Angestellter Gabathulers ein, tötete die beiden Söhne des Schweizers sowie seine Schwägerin. Nach der Bluttat zündete er das Haus an. Am selben Tag fasste die Polizei den Mörder. Wie können sie wieder bauen, wo alles geschah? Wie können sie leben, wo die Kinder starben? «Ob ich das jemals wieder kann, weiss ich nicht», sagt Urs. Er baut hier, weil die Versicherung sonst nicht bezahlt hätte. «Wir ziehen erst einmal ein – wenn wir es nicht aushalten, gehen wir woanders hin.» Mehr

In Bern mit UBS-Verwaltungsratspräsident Kaspar Villger

villigerbegAls Hoffnungsträger übernahm der ehemalige Finanzminister Kaspar Villiger (68) Mitte April das Präsidium des Verwaltungsrats der angeschlagenen Crossbank UBS. Beim Interview in einem Büro in Bern bat der Verwaltungsratspräsident der Grossbank UBS  die Öffentlichkeit um Geduld. Künftig stehe der Kunde, nicht der Bonus im Zentrum. «Herr Villiger, was ist das Beste am Vergleich zwischen den USA und der Schweiz?» Kaspar Villiger: Aus Sicht der UBS, dass der Mühlenstein an unserem Hals weg ist. Aus staatsbürgerlicher Sicht, dass alles rechtsstaatlich gelöst wird. «Die Schweiz jubelt, die USA jubeln. Das macht misstrauisch.» Villiger: Kompromisse sind gut, wenn beide Parteien Hurra rufen oder sich beklagen. Hauptsache, sie sagen das Gleiche. Die US-Steuerbehörde hat ein Interesse, den Vergleich propagandistisch zu nutzen, um Druck zu machen. Der Druck richtet sich aber nicht mehr gegen die UBS. Mehr

In der Villa von Igor Olenicoff

igorbegZwei oxidierte Kupfertore trennen die von Palmen gesäumte Quartierstrasse von der mediterran anmutenden Villa an der Ostküste Floridas. Ratternd öffnet sich die rechte der grünlichen Pforten. Galant winkt Igor Olenicoff den Mietwagen der Reporter auf den Vorplatz des Hauses in Lighthouse Point. Vom Strandstädtchen zwischen Fort Lauderdale und West Palm Beach fahren Millionäre ihre Motorjachten aus. Olenicoff, 67, ist längst kein Millionär mehr. Auf 1,7 Milliarden Dollar schätzt Forbes das Vermögen des Immobilientycoons, der rund 11 000 Mietwohnungen in Kalifornien, Florida und Nevada besitzt. «Ich habe viel mehr Geld», sagt Olenicoff. Wie viel? Das sagt er nicht. Er ist client number one im Steuerstreit zwischen der UBS und den USA. Mattblaue Augen leuchten aus dem verschmitzten Gesicht. Die obersten zwei Knöpfe des kleinkarierten Hemds sind offen. Er trinkt Kaffee. Die Wände der Villa sind geschmückt mit Ölgemälden. «Bilder, die es nicht auf meine Jacht oder in das Haus in Kalifornien geschafft haben», sagt der Kunstsammler. Mehr

Mit Barack Obama an der Amtseinführung

inbegLos geht es um fünf Uhr früh, eine Stunde später als der Concierge am Abend vor dem geschichtsträchtigen Eid riet. «Zwei Millionen fahren per Bahn in die Stadt, das dauert», warnte er. «Ziehen Sie sich warm an.» Minus zehn Grad Celsius zeigt das Thermometer um fünf. Zwei Paar Socken sind angezogen, ebenso Thermounterwäsche, über Hemd und Anzug eine Daunenjacke, dazu Schal und Wollmütze. Zum Frühstück gibt es Müesliriegel. Unverhofft strahlt vor dem Hotelzimmer das hoffnungsvolle Gesicht von Barack Obama. «Ein historischer Tag», titelt «USA Today», das Blatt liegt vor der Tür. Selbstsicher und einnehmend lacht der neue Präsident von einer Fotografie herab. «Heute übernimmt Obama die Macht», schreibt die Zeitung. Mehr

Auf der Ranch von Bushs Nachbar

bushbeg1Gross war die Euphorie im 705-Seelen-Kaff Crawford, als mit George W. Bush einer der Ihren zum Präsidenten gewählt wurde. Die hoffnungsvollen Träume von einst sind geplatzt, Ernüchterung hat sich breitgemacht. Eine Diagnose vor Ort. An der Primarschule trafen sich Billy Lu und Keith Lynch, beide 71. Seit 52 Jahren sind sie verheiratet, haben drei Kinder, fünf Enkel. Vier Meilen vom Stadtzentrum entfernt, an der Prairie Chapel Road, halten sie Schafen, Ziegen und Pferde. Just stoppen ein Minivan und zwei Geländewagen. «Wo geht es zum Präsident?», röhrt der vorderste Fahrer. «Geradeaus, drei Meilen», sagt Lynch und winkt gefällig. «Zu sehen gibt es nichts.» Ihr Idyll platzte als Bush einzog, sagen die Lynchs, Nachbarn des Präsidenten. Fuhren früher täglich drei Autos vorbei, seien es zeitweise Hunderte gewesen. Ständig hämmerten Helikopter über ihr Dach. Keith zog Autos von Fahrern aus den Gräben, die enge Strassen nicht gewohnt sind. «Hoffentlich hört das nun auf, Verkehr macht mürbe.» Mehr

Das Jahr, das war - alle Artikel von 2009

Fotos: Sebastian Derungs, Per-Anders Pettersson, Charly Kurz, Stefan Falke

Building Minarets in Zurich

After Swiss voters have supported a referendum proposal to ban the building of minarets at the end of November, photographer Robert Huber – a close friend of mine – began to build minarets all over Zurich. Today Swiss Television had a good report about Robert’s clever approach to launch a discussion. Food for thought.

Click on the icon below (in German):

What People do To Be on TV

statedinnerAs the White House released a photograph of a face-to-face encounter between President Obama and the couple who sneaked into a state dinner last Tuesday, the New York Times has a good story to report. It seems as if Michaele and Tareq Salahi of Virginia just wanted to make it into a reality show.

The Times calls them “aspiring reality-show celebrities”, two folks who really wanted to be on TV. For weeks they were on a trial run to join the cast of “The Real Housewives of D.C.”, a Bravo show. The couple was filmed right before they went to the state dinner at the White House. They were probably hoping that the act would give them a spot on the show.

This seems to be a classic “Life the Movie” moment. Back in 1999 author Neal Gabler describes in his book Life the Movie: How Entertainment Conquered Reality, how low-brow entertainment overtakes reality in the United States. People act as their lives are moves. Gabler: “It is not any ism but entertainment that is arguably the most pervasive, powerful, and ineluctable force of our time–a force so overwhelming that it has finally metastasized into life.”

To Tweet or Not to Tweet

twitter1A couple of weeks back Twitter was used from inside Fort Hood to report news about the shooting on a military base. Some of the tweets turned out to be wrong. Brian Lehrer discusses the role of social media with Paul Carr, columnist for TechCrunch and author of Bringing Nothing To The Party, and Jeff Jarvis, professor at the CUNY Graduate School of Journalism and author of the blog BuzzMachine.com.

Falscher Doktorvater

geigerHans Geiger (66) darf nicht mehr mit der Presse über seinen Auftrag sprechen, die Rolle der Finanzmarktaufsicht in der UBS-Krise zu prüfen. Diesen Maulkorb erhielt der emeritierte Bankenprofessor letzte Woche.

Journalisten hatten eine angeblich berufliche und akademische Verbandlung zur Unternehmerin Adriana Ospel (34) ausgemacht. Dabei trifft Geiger die Gattin von Ex-UBS-Chef Marcel Ospel (59) «ein bis zwei Mal» jährlich zur Beiratssitzung ihrer Consultingfirma Adbodmer.

Zuerst «Das Magazin», dann vor Wochenfrist der «Sonntag» glaubten überdies zu wissen, Geiger sei ihr Doktorvater. «Mein Doktorvater ist Rudolf Volkart», korrigiert sie jetzt Adriana Ospel.

Bloomberg Wants to Rule the Planet

bloomberghToday, the New York Times published a highly interesting story on how Bloomberg LLP wants to become the world’s most influential media company. While publishing giants like Condé Nast, Time Inc., or the New York Times Company have to lay off people by the thousands, Bloomberg is hiring and expanding. It now has a bigger editorial staff than The New York Times or the Wall Street Journal.

Why is that? The New York Times points to the following reasons:

• Bloomberg has deep pockets, and makes wise investments.

• Bloomberg revamps their websites into services that appeal to a more general audience.

• Bloomberg is privately held, which excludes it from Wall Street’s pressure to grow on a quarterly basis.

Read the entire New York Times story here

Twitter-Jimmy?

obama_twitterPresident Barack Obama got a thumpin’ last night. Republicans swept the top races in U.S. regional elections.

Christopher Christie, a Republican former United States
attorney, won the race for governor over the incumbent, Gov. Jon Corzine. Obama’s support didn’t help Corzine.

Robert McDonnell, a Republican and a former state attorney
general, won a decisive victory in Virginia’s governor’s race
Tuesday. Before, Democrats held have held control in that state for the past eight years.

One wonders whether Barack Obama’s magic has worn off after less than one year in office. U.S. voters seem to have realized that his superior style does not generate real results.

Should this trend continue, Democrats face a debacle in next year’s mid-term elections. If the Republicans come up with a strong candidate – a Ronald Reagan type – they might be able to unseat Obama in 2012.

Is all style but no substance already history? Obama might go down as “Twitter-Jimmy” – in reference to his constant use of New Media, and the once hopeful but eventually short presidency of Jimmy Carter.

Obama has shown that he understands New Media as a great marketing tool. But as everybody else he’s not been able to turn it into real value.

It’s easy to tweet but hard to govern.

A footnote. Jimmy Carter got his Nobel peace price for hard work many years after leaving the White House. Obama got his this year for, well, not much at all.

Wo ist die Polizei?

kuesnachtSeit bald einem Monat bin ich in der Schweiz. Die Zeitungen berichten vornehmlich über Tennisass Roger Federer – und über Gewalt. In München schlagen drei Schüler aus Küsnacht grundlos mehrere Passanten spitalreif. Bei Schlägereien in Basel und Zürich erleiden junge Männer lebensgefährliche Verletzungen. «Auto-Prügler» verhauen in St. Gallen einen Maurer. Die Liste wäre noch länger.

Wo aber war bei diesen Attacken die Polizei? Was macht die Polizei?

Die einzigen uniformierten Beamten, die man in Zürich oder Baden, in Basel oder St. Gallen öfters sieht, schreiben Strafzettel für Falschparker. Die anderen sitzen wohl in Amtsstuben und verfassen Berichte. Offenbar ist kaum jemand auf Patrouille. Und wenn, dann anonym hinter Fensterscheiben in Streifenwagen.

Das ist in Deutschland scheinbar nicht anders. Eine halbe Stunde lang sollen die Küsnachter Schläger in München unbesehen ihren Opfern nachgestellt und auf sie eingedroschen haben. Warum schritt die Polizei nicht ein? Wo war sie?

policeDa bin ich mir anderes gewohnt. In New York ziehen Polizisten unaufhörlich zu Fuss durch die Strassen. Zu zweit patrouillieren sie meist gutgelaunt, sei es in einem Familienquartier in Brooklyn, in der Bronx oder bei Touristen am Times Square. Sie geben sich freundlich, mampfen bei Hunger Hot Dogs. Sie sind aufmerksam, bestimmt und selbstsicher. Vor allem aber sind sie da, für alle gut sichtbar.

Das verbreitet Sicherheit.

Vor ein paar Jahren geriet ich in New York beim Stadthaus beinahe in eine wüste Schlägerei. Ein befreundeter und kräftiger Künstler stellte einem Kerl nach, der mich versehentlich angerempelt hatte. Zur Schlägerei kam es nicht. Nach wenigen Sekunden schon waren zwei besonnene Cops zur Stelle, welche die Raufbolde trennten und sie rasch beruhigten. Verhaftet wurde keiner, alle zogen friedlich davon. Der Abend war gerettet.

Zu dieser Anekdote gehört eine Erfolgsgeschichte. Die in den neunziger Jahren verstärkte Präsenz von Polizeipatrouillen hat die Kriminalitätsrate in New York minimiert. Aus der einst gefährlichen Stadt wurde eine der sichersten Metropolen der Welt. Nicht wegen Rambos, sondern dank Cops, die man in den Quartieren kennt und schätzt – und die dann einschreiten, wenn sie gebraucht werden.

Wäre das Modell für Europa tauglich? Vielleicht. Sicher ist, dass Strafzettel für Falschparker nicht vor Körperverletzungen bewahren. Ein Polizist aber, der eine Schlägerei stoppt oder sie gar verhindert, kann das.

Bild: Stefan Falke

Das wars - 33 Geschichten

interviewsSeit 1998 berichte ich aus den USA. Dabei habe ich versucht, mit Reportagen, Interviews und News-Geschichten ein oft missverstandenes Land begreifbar zu machen.

Der Absturz der Swissair-Maschine Flug 111 brachte mich mehrmals nach Halifax. Ich berichte über den Internetboom, das amerikanische Rechtssystem, das Drama um Präsident Bill Clinton, Praktikantin Monica Lewinsky und Sonderermittler Kenneth Starr, das Wahldebakel in Florida, den Aufstieg eines Gouverneurs aus Texas, 9/11, einen globalen Handelskrieg um Kleiderbügel, die Vorbereitungen auf den Irakkrieg, die Präsidentschaftswahlen von 2004 und 2008, über Banken, Technologie, die Grosse Rezession und Bradley Birkenfeld.

Getroffen habe ich den iPod-Erfinder, verfemte Eiskunstläuferinnen, Mafiajäger, Weisskragenkriminelle, Künstler, Musiker, amerikanische Zeitungs- und arabische Fernsehleute, Luxusbestatter und Gefängniswärter, Trump, Spock, Redstone, King, Ali, Cash, Sexpuppen- und Bombenfabrikanten, Fortpflanzungsmediziner und Boxer und Gauner, Fussballer und Footballer, Professoren und Pokerköniginnen, Börsianer und Prediger – und Robert Frank.

Nun ziehe ich nach Europa und hoffe, dort ebenso gute Geschichten zu finden.

Ein Rückblick mit 33 Highlights:

2009

“Steve Jobs is an Industrial Beethoven”

Great leaders are obsessed to build something exceptional, Jim Collins says. The American management guru talks about paranoia, turbulent times and his admiration for Beethoven and Steve Jobs.

“Eine Beleidigung der Ureinwohner Amerikas”

Der Häuptling der Havasupai-Indianer in Arizona spricht über den Indianer-Vergleich des deutschen Finanzministers Peer Steinbrück.

Bush - um Himmels willen!

Gross war die Euphorie im 705-Seelen-Kaff Crawford, als mit George W. Bush einer der Ihren zum Präsidenten gewählt wurde. Die hoffnungsvollen Träume von einst sind geplatzt, Ernüchterung hat sich breitgemacht. Eine Diagnose vor Ort.

2008

Marx hilft nicht

Wenn die Prognosen von Ökonomen und Managern nichts taugen, braucht es Historiker: Princeton-Professor Harold James über die Dauer der Krise, den Vergleich mit der grossen Depression – und die Rettung durch China.

Il Lato Variabile Del Destino

Ricevono 162 dollari al mese in buoni alimentari. Al posto della casa, una tenda. L’ultimo simbolo della peste immobiliare è Tent City, la metropoli dei senzatetto.

“Ich bin ein Opfer meiner Zeit”

Er wurde zum Symbol für die unersättliche Gier der Bosse: Dennis Kozlowski, CEO des US-Konglomerats Tyco, der einst pro Jahr 200 Firmen zusammenraffte und auf Tyco-Kosten rauschende Feste feierte. Steuerbetrug und unanständig hohe Boni brachten ihm 25 Jahre Haft. Ein Besuch im Zuchthaus.

2007

“Ich wars, Tommie Smith”

Mit der Goldmedaille am Hals reckte Tommie Smith die Faust zum Himmel: Eine einzige Geste machte den schwarzen Sprinter 1968 unsterblich. In den vierzig Jahren seither wird er täglich darauf reduziert.

Fight Club

Treten, würgen, schlagen. Bei den brutalsten Kämpfen der amerikanischen Freestyle-Fighter ist fast alles erlaub. Ist das wirklich noch Sport?

Unser Mann in New York

Peter Maurer ist der Schweizer Uno-Botschafter in New York. Ohne grosse Töne zieht er Fäden, bahnt Kontakte an und arbeitet zwanzig Stunden.

2006

Città in panne

Anderson nell’Indiana fino al 1999 ha vissuto grazie alla General Motors. Oggi è abitata soprattutto da anziani ex dipendenti. Ma la crisi dell’industria rischia di trasformarla in un villaggio fantasma.

Dass sie nicht lacht

Sie und ihre Familie haben 21,9 Millionen Dollar aus dem Schweizer Bankenvergleich erhalten, Anfang Woche musste ihr Österreich fünf Klimt-Gemälde zurückgeben: Wo andere glorios feiern würden, fragt Maria Altmann den Besucher: «Wollen Sie noch etwas zu essen?»

Inseltraum

Für Trinidad & Tobago kommt die WM im richtigen Moment. Fussball eint und ist das beste Mittel gegen Korruption und Gewalt.

2005

“Ich bin besser als die Natur”

Wünschen Sie sich einen Sohn? Jeffrey Steinberg erfüllt Ihnen den Wunsch. Oder hätten Sie doch lieber eine Tochter? Kein Problem. Der amerikanische Arzt pflanzt Ihnen eine Eizelle mit dem richtigen Chromosom ein. In der Schweiz müsste er dafür ins Gefängnis.

So wird Ihr Kind ein Kapitalist!

In Florida lernen Kinder in einem Vergnügungspark, wie man möglichst viel Geld verdient. Sie wickeln Babys, sie löschen Brände, sie verhaften Verbrecher.

Und Gott griff in die Tiefkühltruhe

Tausende Embryonen lagern in den USA gefroren in Röhrchen. Forscher wollen daraus Stammzellen gewinnen. Für fromme Amerikaner ist das Mord: Sie adoptieren die Zellklumpen – und ihre Frauen tragen sie zu Babys aus.

2004

Mein Gott, Walder!

Ein kleiner Schweizer Banker wollte in New York groß rauskommen. Da klaute er 75 Millionen und kaufte ein Schloss.

Kinder des Mondes

Sie leben tagsüber hinter verdunkelten Fenstern, sie dürfen nur nachts ins Freie – denn Tageslicht bringt ihnen den Tod. Sie leiden an Xeroderma pigmentosum, einer seltenen, unheilbaren Hautkrankheit. Eine Geschichte von Kindern, die nie die Sonne sehen.

Das andere Florida

Sie sind alt, sie sind gebrechlich. Doch wegen der schlechten Wirtschaftslage in den USA müssen immer mehr Rentner zurück in die Jobwelt - als Kellnerin, Packer oder Portier. Alltag im Sonnenstaat Florida.

2003

Retter des brennenden Schatzes

Sobald die Kampfgebiete gesichert sind, schlägt ihre Stunde. Hoch bezahlte Spezialisten trainieren in den USA seit Monaten das Löschen von Ölquellen.

Die Schule des Kriegs

Sie kommen als Teenager und gehen als Leutnants, bereit für den Krieg. West Point, die Kaderschmiede der US-Armee, ist gefragter denn je.

Verstorben, bis auf weiteres

Ewiges Eis in der Wüste von Arizona: Eingelegt in flüssigem Stickstoff harren 58 Tote bei minus 196 Grad ihrer Auferstehung.

2002

Hitlers Filmerin hält Hof

Leni Riefenstahl wird am 22. August 100. Die Unverbesserliche ist kein bisschen müde und bringt am Geburtstag ihren ersten Film seit 48 Jahren in deutsche Kinos.

Bombe um Bombe

Saddam Hussein ist ihr Feind. Sie wollen, dass endlich Bomben auf den Irak fallen. Dafür leisten die Arbeiter von Amerikas grösster Munitionsfabrik Sonderschichten. Ein Exklusiv-Bericht aus McAlester, Oklahoma.

Artenschutz für ein Handwerk

Luxusuhren finden in den USA reissenden Absatz. Aber es gibt kaum noch Menschen, die diese reparieren und warten können. Darum bildet Rolex in der amerikanischen Provinz Uhrmacher aus.

2001

Das grosse Krabbeln

Hummer kann man mit gutem Gewissen essen: Im Gegensatz zu den immer rarer werdenden Fischen aus den Weltmeeren, nimmt die Zahl der gepanzerten Viecher zu. Zumindest im Atlantik vor der nordamerikanischen Küste in Maine.

Eine Nation unter Schock

Nach dem Terroranschlag ist die Acht-Millionen-Stadt nicht mehr, was sie einmal war. New York wurde ins Herz getroffen.

“Die Schweiz kam in den USA zu schlecht weg”


Stuart E. Eizenstat rang den Schweizer Banken 1,25 Milliarden Dollar Wiedergutmachung für ihre Rolle im Zweiten Weltkrieg ab. In seinem Bericht warf er der Schweiz Kriegsverlängerung vor, was auf heftige Kritik stiess. «Dass die Schweiz dachte, wir beschuldigten nur sie, ist ein Missverständnis. I am sorry».

2000

Von Kopf bis Fuss auf Diebe eingestellt

Die Bewohner von Florence, einem krisengeschüttelten Industriestädtchen am Fusse der Rocky Mountains im US-Bundesstaat Colorado, glaubten an die Zukunft: Sie sammelten Geld und schenkten dem Staat ein Stück Land zum Bau von vier Gefängnissen. Die Investition hat sich gelohnt.

Im Kabinett des Doktor McMullen

Mit Plastikspielzeug der besonderen Art macht ein kalifornischer Skulpteur ein Vermögen: Sexpuppen in Lebensgrösse und Lebendgewicht.

Raus aus der Natur

Der Amerikaner Peter Huber will den radikalen Umweltschutz: Esst Gen-Food, fördert Kernkraft, werdet reich.

1999


Mit anderen Augen sehen

Der in Amerika lebende Schweizer Robert Frank ist einer der einflussreichsten Fotografen des Jahrhunderts. Ein Treffen.

Zentrum der Avantgarde

Boom in New Yorks attraktivstem Kulturquartier: In Williamsburg mischen sich unter Tausende von Kunstschaffenden die ersten Touristen.

“Hollywood war hysterisch”

Regisseur Elia Kazan soll einen Ehren-Oscar erhalten, obschon er ein Denunziant gewesen ist. Historiker Arthur M. Schlesinger verteidigt ihn.

1998

Swissair 111 - Das letzte Adieu

Die Angehörigen sind gekommen, um zu verstehen. Ihnen bleibt nicht mehr als eine Flasche Meerwasser und ein paar Steine von Peggy’s Cove.

“Cllinton sollte sein Schweigen brechen”

Der populäre CNN-Talkmaster würde Bill Clinton fragen, ob er Monica Lewinsky überhaupt kenne, falls der US-Präsident in seine Talkshow käme.

“Es bleiben Bier und Sex”

“Alles ist erforscht”, sagt Wissenschaftsjournalist John Horgan. Doch die Forscher glauben nicht an das Ende der Wissenschaft.

It Takes Oprah

tentFor the last couple of years, many tent cities have arrived at the outskirts of American towns. While European media outlets have widely reported on those modern-day Hoovervilles, the mainstream American press mostly ignored them. Why? It obviously did not want to address the chronic problem of homelessness in the United States.

Now the Oprah Winfrey Show went west to Sacramento, California, where a tent city has emerged over the last couple of months. It generated a media firestorm. Even the New York Times writes about it. Finally it’s news fit to print.

As with so many thorny issues, it takes Oprah to bring them to the American forefront. Sad but true.

Read photographer Stefan Falke’s and my feature story on Camp Hope in Ontario, California, in German, and in English.

Mistrial by iPhone

iphone_courtToday, the New York Times runs a fascinating story about the influence of technology on the U.S. legal system. More often judges have to declare mistrial because jurors “had been doing research on the case on the Internet, directly violating the judge’s instructions and centuries of legal rules”, the Times reports.

Jurors not only use Google to search information about defendants, they exchange information about the trial with their iPhones and BlackBerrys.

The Times talks about a recent drug trial in Florida that was thrown out because of Internet research by a juror. Also last week, a company in Arkansas asked to overturn a $ 12.6 million judgment because a juror used Twitter to send updates during a civil trial.

It is illegal for jurors to seek information outside of the courtroom.

Read “As Jurors Turn to google and Twitter, Mistrials are Popping Up”.

Schreibtischjournalismus

dabaDa hatte die New York Times eine fabelhafte Geschichte über Freundinnen von Bankern an der Wall Street im Blatt. Wegen der Finanzkrise müssten die verwöhnten Frauen nun unten durch, hiess es. Statt monetärer Zuneigung erhielten sie von gestressten Geldjongleuren nur noch Wehklagen über fallende Kurse und schmelzende Portfolios. Aus schierer Not, berichtete die Zeitung, hätten sich Banker-Begleiterinnen in einer Selbsthilfegruppe mitsamt Blog organisiert. Der Name: Dating a Banker Anonymous.

Die Geschichte tönt so gut, sie kann gar nicht stimmen.

Trotzdem schrieben sie etliche renommierte Zeitungen scheinbar ungeprüft nach. Darunter Die Welt, Le Monde, die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Frankfurter Rundschau, die NZZ am Sonntag und De Telegraf.

Newsweek wollte es genauer wissen und fragte nach. Die Geschichte war rasch als Scherz enttarnt. Es gibt keine Selbsthilfegruppe. Die Einträge auf dem Blog sind Satire. Die beiden Autorinnen (siehe Bild) kennen keine Liebchen von Bankern. Sie erlaubten sich einen derben Witz mit der ohnehin angeschlagenen Medienwelt. Verkniffen druckte die New York Times eine Korrektur.

Beschämt stehen die Renommierblätter aus Europa da. Spätestens seit den aufgedonnerten WMD-Berichten von Judith Miller und Jayson Blairs Fakes sollten sie wissen: wer abschreibt, muss zumindest die Fakten nachprüfen.

Jobs and Beethoven

beethoven_jobs.jpgRecently I interview author and management guru Jim Collins for Swiss magazine Bilanz. He talks about how great leaders are driven to do great things. He elegantly links Apple CEO Steve Jobs and Ludwig van Beethoven:

What does Jobs have that others don’t?
Collins: Steve Jobs is an industrial Beethoven. I think that the Macintosh is like the Third Symphony. And the iPod is like the Fifth Symphony. And maybe the iPhone is the Seventh Symphony. I admire his dedication to creating great things, tremendously. He’s one of the people I really admire.

So Jobs might be admired for the wrong things. He mostly took existing ideas, put them together and turned them into great things.
Collins: They’re no great things without the supreme execution around them. A lot of other people have the same ideas. A lot of people could have had the idea of “Bum bum bum baba baba bum [humming Beethoven’s Fifth].” But not everybody could have written the Fifth Symphony.

Read the entire interview:

in English

in German

UBS Reader II

branson.jpgSeit bald einem Jahr brodelt der Steuerstreit zwischen den USA und der Schweiz. Auslöser ist die UBS und ihr grenzüberschreitendes Geschäft mit amerikanischen Kunden. Vor einem Gericht in Florida hat Ex-UBS-Banker Bradley Birkenfeld gestanden, wohlhabenden US-Kunden bei der Steuerflucht geholfen zu haben.

In einem Deferred Prosecution Agreement hat die UBS am 18. Februar eingestanden, über Offshore-Konten US-Bürgern zur Steuerflucht verholfen zu haben. Der amerikanischen Börsenaufsichtskommission SEC musste sie eingestehen, in den USA ohne Lizenz Anlagetipps abgegeben zu haben.

Letzten Juli entschuldigte sich UBS-Finanzchef Mark Branson vor dem US-Senat für das Fehlverhalten der UBS. Infolge beschloss die UBS, US-Kunden nur noch von den USA aus zu betreuen.

Währenddessen steckte die Schweiz den Kopf in den Sand.

Eine Sammlung von Artikeln und Dokumenten

Artikel

“Ich bin schuldig”, Interview with Igor Olenicoff, Weltwoche, 21. Mai 2009

Bundesrat lockert Bankgeheimnis, Reaktionen in den USA, Sonntag, 15. März 2009

Levin im Hintertreffen, Sonntag, 15. März 2009

Steueroase in Delaware, Weltwoche, 12. März 2009

“Die USA negieren Abkommen”, Interview mit Faith Whittlesey, Mittelland Zeitung, 9. März 2009

“Wir wollen einen vollständigen Informationsaustausch”, Interview mit Carl Levin, Sonntag, 8. März 2009

Wehrlos, Hossli.com, 1. März 2009

Schweiz droht schwarze Liste, Sonntag, 1. März, 2009

Gnade vor Recht – das Deferred Prosecutioin Agreement, Bilanz, 27. Februar 2009

Konten in der Schweiz sind geschützt, Weltwoche, 26. Februar, 2009

3800 illegale Treffen in Amerika, Sonntag, 22. Februar, 2009

Der clevere UBS-Deal, Hossli.com, 18. Februar 2009

UBS wegen Chefs in der Tinte, Sonntag, 14, Dezember 2008

Le cauchemar Birkenfeld, Private Banking, 15. August 2008

“Es war ein Kniefall”, Interview mit Mark Branson, Weltwoche, 24. Juli 2008

Riskanter Auftritt, Weltwoche, 24. Juli 2008

“Amerikaner bellen den falschen Baum an”, Sonntag, 20. Juli 2008

Alptraum Birkenfeld, Bilanz, 18. Juli 2008

Martin Liechti sagt aus, Bilanz, 15. Juli 2008

“Kein Angriff auf das Bankgeheimnis”, Interview mit John C. Coffee, Weltwoche, 26. Juni 2008

Bankdaten gegen Straffreiheit, “Sonntag”, 22. Juni 2008

“Bankgeheimnis schwierig zu verteidigen”, “Sonntag”, 8. Juni 2008

UBS sucht Deal mit US-Behörden, “Sonntag”, 1. Juni 2008

Cowboy-Methoden, Hossli.com, 11. Mai 2008

Dokumente / Links / Other Media

Senatshearing, Tax Haven Banks and U. S. Tax Compliance - Obtaining the Names of U.S. Clients with Swiss Accounts, 4. März, 2009

America must treat its Swiss friends with care, Faith Whittlesey, FT, 1. März 2009

Swiss Bank Miss, Wall Street Journal, 27. Februar 2009

Zivilklage, US-Justizministerium, 19. Februar, 2009

Deferred Prosecution Agreement, 18. Februar 2009

GAO-Report, International Taxation, 18. Dezember, 2008

Senatshearing zu Banken und Steueroasen, 17. Juli 2008

GAO-Report zu QIs

Tax Haven Banks and US Tax Compliance, US-Senats Bericht von Carl Levin

Opening Statement von Mark Branson (UBS), Senat-Hearing 17. Juli 2008

Wohnsiedlung von Bradley Birkenfeld in North Weymouth

Anklageschrift gegen Bradley Birkenfeld

Schuldbekenntnis von Bradley Birkenfeld

Verhör-Protokoll von Bradley Birkenfeld

Statement UBS / English

Statement UBS / Deutsch

Der clevere UBS-Deal

780 Millionen Dollar zahlt die UBS an die USA, um den Steuerstreit mit einem so genannten deferred prosecution agreement beizulegen. Unter den Bedingungen des Deals erklärt sich die UBS bereit, Daten von einer begrenzten Anzahl US-Kunden an die amerikanischen Behörden weiter zu reichen.

Wird damit das Schweizer Bankkundengeheimnis gelüftet?

Nein. Die UBS zeigt Reue und gesteht ein, bei Steuerbetrug behilflich gewesen zu sein. Das ermöglicht die Herausgabe von Kundendaten.

Der juristische Kniff der UBS und der eidgenössischen Finanzmarktaufsicht ist elegant. Da das Bankgeheimnis Betrug prinzipiell nicht schützt, wird mit der Weitergabe der Daten von betrügerischen Kunden schweizerisches Recht nicht verletzt.

Den Schlüsselsatz liess UBS-Verwaltungsratspräsident Peter Kurer in einem Statement verlauten:

“Client confidentiality, to which UBS remains committed, was never designed to protect fraudulent acts or the identity of those clients, who, with the active assistance of bank personnel, misused the confidentiality protections.”

Das ist clever. Die UBS, argumentiert Kurer, umgehe das Bankkundengeheimnis durch den Transfer von Kundendaten nicht, da dieses Betrug nie schütze.

Rechtsstaatlich ist der Deal allerdings problematisch. Die juristischen Schritte, die vor der Ausgabe der Kundendaten notwendig gewesen wären – Amtshilfeverfahren, Einspracherecht der Bankkunden –, werden im nun ausgehandelten deferred prosecution agreement durch die Finma just übersprungen. Die Unschuldsvermutung wird übergangen, laufende Verfahren werden abgewürgt.

Unter den Erwartungen liegt die Höhe der Busse. Demnach kommt die UBS gut weg.

Spielberg kummern

spiel.jpgLetzte Woche publizierte die WOZ eine Fälschung von Tom Kummer. Wem ein solcher journalistischer Lapsus unterläuft, sollte sich bei den Leserinnen entschuldigen.

Stattdessen redet sich die WOZ diese Woche raus – und lässt sich von Kummer ein zweites Mal veralbern.

Einer der Vorwürfe sei korrekt gewesen: Steven Spielberg hätte in der «Los Angeles Times» tatsächlich nicht gesagt, die Super Bowl sei die «beste, emotionalste Footballshow aller Zeiten». Wie kam das? Kummer verwechselte angeblich die Quellen: «Spielberg habe das im Fernsehen zu einem Reporter gesagt. Belegen lässt sich das nicht», schreibt die WOZ.

Es ist die klassische Lüge von journalistischen Fälschern. Mit minimalem journalistischem Handwerk ist sie rasch entlarvt. Man ruft den Pressesprecher von Steven Spielberg an und konfrontiert ihn mit der Darstellung der WOZ. «Das tönt überhaupt nicht nach Steven», sagt Spielbergs Sprecher Marvin Levy. «Mir ist ein Fernsehauftritt von Steven zur Super Bowl nicht bekannt.» Es ist Levys Job, solche Auftritte zu koordinieren. «Er sah das Spiel im privaten Rahmen bei sich zu Hause an.»

Per E-Mail stellt Levys Sekretärin klar: «Mr. Spielberg made no quotes about the Super Bowl. He has been on set shooting a film since the end of January.»

Return to Mexico City

espn.jpgAmerican athletes Tommie Smith and John Carlos are responsible for one of the most enduring pictures in the history of sports.

In 1968, Smith won a Gold medal in the 200 meter sprint at the Olympic Games in Mexico City. Carlos reached third place. During the award ceremony they put up their fists in protest against racial discrimination in the USA. With one silent gesture, Smith and Carlos created a powerful moment. Without words they captured the sentiment of Black America. After the ceremony they were called traitors, anti-American and worse.

Now Smith and Carlos return to Mexico City. A documentary about the trip will be shown on February 15, 4 pm ET on ESPN.

To learn more about Tommie Smith, read the interview I conducted at this house outside Atlanta.

Kummer mit Kummer

angi1.jpgFälscher Tom Kummer durfte wieder ran. In der Schweizer “Wochenzeitung” schreibt er diese Woche über die Super Bowl. Der Text ist typisch Kummer – gespickt mit falschen, verdrehten und überhöhten Passagen.

So soll Schauspielerin Angelina Jolie das Football-Spiel als “aufregendstes Finale in der Geschichte der National Football League” bezeichnet haben. Google- und Nexis-Lexis-Recherchen bringen keinerlei Jolie-Zitate zur Super Bowl hervor. Weil sie nicht existieren. Jolie war letzte Woche mit Gatte Brad Pitt und Familie auf Promotionstour in Japan. Von dort aus reiste sie direkt in ein Flüchtlingslager nach Thailand weiter, wo sie ein Lager mit geflohenen Burmesen besuchte.

Quasi ein Kummer-Klassiker – er legt Stars Worte in den Mund.

“Es war die beste, emotionalste Football-Show aller Zeiten, bestätigte auch Steven Spielberg in der «Los Angeles Times»”, schreibt Kummer. Im Archiv der “Los Angeles Times” ist kein Zitat von Spielberg zur Super Bowl zu finden.

“Deutlich weniger Fans” hätten sich das Spiel angeschaut, schreibt Kummer. Fakt ist: Das Spiel vom Sonntag war die Super Bowl mit der höchsten Einschaltquote aller Zeiten.

Überhaupt nimmt es Kummer nicht genau mit den Zahlen. Mit “150 Millionen US-Dollar” hätte das TV-Ereignis “einen Viertel weniger” umgesetzt als noch vor Jahresfrist. Fakt ist: NBC erzielte einen Rekordumsatz am Sonntag mit Werbeeinnahmen von 206 Millionen Dollar für die Übertragung des Spiels. Insgesamt nahm der Sender 261 Millionen Dollar ein.

Matchwinner Santonio Holmes bezeichnet Kummer als ehemaligen Crackdealer  – da weiss Kummer mehr als Holmes preisgibt. Gegenüber dem “Miami Herald” outete er sich als Drogenhändler, jedoch nicht als Crackdealer. Ist das wichtig? You bet. Ein Strafmass hängt in den USA von der Droge ab, die einer dealt.

Ob wenigstens die nicht überprüfbaren Passagen in Kummers Text stimmen? Hat Kummer tatsächlich reiche Freunde in den Bergen über Hollywood, die wegen der Krise ihren Pool mit Schutt auffüllen, Gemälde von Ed Ruscha verkaufen müssen, sich aber keine grossen Schalen mit “Guacamole und Chilisauce” mehr leisten können? Yeah, right.

Auf einem “drei Meter breiten Flachbildschirm” will Kummer das Spiel angeschaut haben. Das gibt es gar nicht. Das derzeit grösste TV-Modell hat Panasonic im Angebot. Es misst 2,6 Meter in der Diagonale und 2,4 Meter in der Breite. Der Fernseher kostet bei Amazon knapp 70′000 Dollar.

Journalistische Grundregeln tritt Kummer mit Füssen, deshalb hat er fast überall Schreibverbot. Nicht bei der WOZ. «Einer Person, die Mist gebaut hat, wollten wir eine zweite Chance geben», begründet WOZ-Redaktionsleiterin Susan Boos den Auftrag an Kummer. «Er will in den Journalismus zurück, wir entschieden uns, mit einem unproblematischen Stoff zu beginnen.» Die Super Bowl, sagt Boos, sei «in der Schweiz nicht relevant». Zudem hätte Kummer «sauberen Journalismus» zugesagt. Dass in seinem ersten WOZ-Text vieles nicht stimme, bestreitet sie.

Aus falscher Ehrfurcht? Die «New York Times» soll Kummer mal als «bad guy of German journalism» bezeichnet haben, schreibt die WOZ bewundernd. Falsch. Zwar schrieb das US-Blatt am 2. Juni 2000 über den Fälscher, jedoch nicht mit diesen Worten. Öfters wiederholt Kummer die Floskel selbst, mit der «Los Angeles Times» als Urheberin. Auffindbar ist auch dieser Artikel nicht.

Wer mit Kummer ins Geschäft kommt, sollte jeden Fakt doppelt prüfen.

Bereits letzten Herbst hatte die WOZ Kontakt mit Kummer. Für eine Satirenummer sollte er ein Interview mit Ex-UBS-Chef Marcel Ospel fälschen. Wenn schon Fälschung, dann Kummer, dachten sich die WoZ-RedaktorInnen wohl. Prompt lieferte Kummer den Ospel-Fake. Die Redaktion hatte das Stück jedoch aus juristischen Gründen nicht publiziert. Es war nicht klar genug als Satire zu erkennen.

Tom Kummer retournierte mehrere telefonische Anfragen nicht. Es ist zu hoffen, dass er nie mehr Mist baut.

Bild: Angelina Jolie auf Promotionstour in Japan, 30. Januar 2009.

Artikel in “Sonntag”

Adieu, W.

bush-goodbye-1.jpgDienstag nach 13 Uhr, hinter dem Capitol von Washington D.C. «Stopp, Stopp, alle sofort anhalten», ruft ein Agent des Secret Service. Zwei Geländewagen brausen herbei. Ein Dutzend schwer bewaffneter Kerle mit dunklen Sonnenbrillen hetzen auf die Strasse. Von fern ist zu sehen, wie George W. und Laura Bush beim Capital einen Marine-Helikopter besteigen. «Adieu, Mister Präsident, kommen Sie nie wieder», buht einer, als der Hubschrauber abhebt. «Ein bisschen Respekt, er war immerhin unser Präsident», antwortet eine Frau. Es tut gut, Bush beim Gehen zuzuschauen.

Ein Rückblick auf acht Jahre W.:

Bush - um Himmels willen, SonntagsBlick Magazin, 18. Januar 2009

Taking a Shoe
, Observation, 12. Dezember 2008

Ein besseres Amerika, Sonntag, 26. Oktober 2008

Mit diesem Präsident ist nichts zu gewinnen, Cash, 4. November 2006

bush_rede.jpgDas neue Pleitegesetz trifft die Armen, Cash, 29. September 2005

Dem Sturm folgt die Abrechnung, Cash, 8. September 2005

Die betrogenen Rentner Amerikas, Cash, 3. Februar 2005

“Der Tag der Abrechnung wird kommen”, Cash, 11. November 2004

Ohne Geist und ohne Niveau, Cash, 28. Oktober 2004

Die Gruft eines mystischen Kults, Cash, 9. September 2004

Das andere Florida, Facts, 8. Mai, 2004

Der Analyst des Bösen, Facts, 1. Juli 2004

Konservative Gefahr für Bush, Cash, 3. Juni 2004

bush_umbrella.jpgSodom und Gomorrha, Facts, 29. April 2004

Kreuzzug für die gesunde Ehe, Facts, 22. Januar 2004

Der schwarze Schatz, Cash, 2. Dezember 2003

“Die Republikaner regieren 20 Jahre lang”, Cash, 27. November 2003

Bushs Brückenbauer, Cash, 16. Oktober 2003

Abrocken im Namen Gottes, Facts, 7. Juli 2003

Retter des brennendes Schatzes, Facts, 27. März, 2003

Die Schule des Krieges, Facts, 6. März, 2003

Mit schrägen Ideen gegen Krieg und Grössenwahn, Greenpeace Magazin, 1. März 2003

Der stille Querflieger, Facts, 23. Januar 2003

Bombe um Bombe, Facts, 21. November 2002

cowboybush.jpgBombenblender, Cash, 14. März 2002

Vortritt für Rechtsabbieger, Cash, 28. Dezember 2001

Wer auf den Busch klopft, erntet mehr Staat, Cash, 5. Oktober 2001

Eine Nation unter Schock, Facts, 13. September 2001

Der Chef nimmt sich Zeit, Cash, 10. August 2001

“Bush ist ökologisch eine Mini-Krise”, Cash, 18. Mai 2001

Bush-Feuer ist bereits erloschen, Cash, 20. April 2001

George W. Filz, Cash, 30. März 2001

Ein Reagan mit MBA-Titel, Cash, 23. Januar 2001

Erfinden kann das wirklich keiner, Berner Zeitung, 9. November 2000

Je dümmer, desto besser, Cash, 3. November 2000