Von Peter Hossli und Christian Maurer (Text) und Sabine Wunderlin (Foto)
Das erste Mail kam im Januar 2005. Ein Mann namens Claude Bühler meldete sich über die Partnervermittler-Site Match.com bei der Solothurnerin Doris Leiser. Er gab sich als 54-jähriger Schweizer Journalist mit Wohnsitz in Florida aus.
Leiser verliebte sich. «Er ist ein Charmeur», sagt sie heute. «Er gab sich als weltgewandter und weit gereister Mann.» Sie glaubte, er würde sie heiraten. Bis Leiser merkte, «dass nichts, was Bühler sagt oder schreibt, wahr ist».
Geschichten erfinden ist seine Natur.
Über 100 frei erfundene Zeitungsartikel hatte Claude Bühler in den 90er-Jahren dem BLICK, dem «Tages-Anzeiger» und der «SonntagsZeitung» angedreht. Bis er im Jahr 2000 aufflog. Aber noch viel später hängte er sich einen selbst gebastelten Presseausweis mit BLICK-Logo um und gab den US-Korrespondenten.
Leiser wohnt in Rottenschwil AG. Nach dem Eingang die Bar mit angebrochenen Flaschen. Die Haut solariumgebräunt, das lange Haar blondiert. Die grosse Frau trägt Minijupe und Bluse mit tiefem Décolleté.
So aufgebrezelt habe sie ihn bei seinem ersten Besuch am Flughafen Kloten abgeholt, erinnert sich Claude Bühler (63). Leiser hatte ihm im Februar 2005 den Flug von Florida in die Schweiz bezahlt. Sie erschrak, als sie ihn traf. «Er sah zehn Jahre älter aus als er vorgegeben hatte.» Trotzdem verliebte sie sich. So sehr, dass sie ihm teure Mobiltelefone kaufte, seine Rechnungen und Flugtickets bezahlte und ihm Bargeld gab. Alles in allem 75 000 Franken in drei Jahren. Minutiös führte sie Buch. «Ich kann alles belegen.» Von der Liebe blieb nichts. «Niederträchtig, hinterhältig und charakterlos», beschreibt sie Bühler heute.
«Sie wusste, dass ich ein Schwindler bin, warum hat sie mir dann Geld gegeben?», meint Bühler. «Sie war verliebt in mich, das habe ich ausgenutzt.» Geschenkt habe sie ihm das Geld. «Sie sagte immer, sie wolle mir Geld rüberschaufeln.»
Im Oktober 2008 brachte sie ihn dazu, einen Darlehensvertrag zu unterschreiben. Er verpflichtete sich, 75 000 Franken plus Zinsen, total über 90 000 Franken, zurückzuzahlen. Mindestens 500 Franken pro Monat. Bis heute zahlte er nichts.
Bei Leiser hat es sich der Hochstapler gut gehen lassen. «Es war wie im Wellness-Hotel», schwärmt er. «Doris hat wunderbar für mich gekocht, meine Augenbrauen gezupft und die Nägel manikürt. Und ich durfte ins Solarium im Bad.»
Dafür hörte er der nach einer Scheidung einsamen Frau zu. Und erzählte ihr tolle Geschichten. Von einer Firma, deren Verkauf ihm 2,5 Millionen Dollar einbringe. Von Häusern in Michigan und Florida, seinem Porsche und seiner Harley-Davidson. Von Stellenangeboten der Uni Zürich und der «Glückspost». Damit Leiser ihr Portemonnaie öffnet, täuschte er Notlagen vor – ein Orkan habe sein Haus in Key West zerlegt, sein Pass sei gestohlen worden. Alles frei erfunden.
Vor zwei Jahren fand Doris Leiser den Heiratsschwindler erneut auf Match.com. Er gab sich als Doktor der Geschichte aus mit einem Jahresverdienst von 250 000 Euro. Leiser intervenierte, Bühlers Profil wurde gelöscht.
Nun will Leiser ihn definitiv stoppen. «Andere Frauen müssen vor Bühler gewarnt sein, in der Schweiz und in Amerika.» Sie sei kaum sein einziges Opfer. Und sie schämt sich nicht. «Wenn er die Presse reinlegen kann, warum sollte ich ihn durchschauen können?»
«Ich bin ihr nicht böse», sagt Bühler. Er verspricht einmal mehr: «Ich werde bis Ende Monat bezahlen.» Er habe geerbt. Wer’s glaubt!
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