Roger Federer brillierte in Texas. Die Nummer eins in der Weltrangliste scheint in greifbarer Nähe. Verschlossen bleibt ihm aber trotz des Triumphs der lukrative amerikanische Werbemarkt. Es mangelt ihm an Charisma. Hinderlich ist ihm zudem das Schweizer Kreuz.
Die Konkurrenten der Potenzpille Viagra machen mobil. An Novartis und Roche läuft das Geschäft jedoch vorbei. Die Marketingschlacht der Pharmakonzerne um die lahmende Manneskraft geht in eine neue Runde. Bayer und Eli Lilly wollen im Milliarden-Markt mitmischen.
Nicht nur das Stromnetz in den USA erinnert an ein Drittweltland - die Übersicht der gravierendsten Mängel. Der Blackout von letzter Woche war kein Sonderfall: In den USA ist die Infrastruktur überall brüchig. Um die Weltmacht auf den Stand des 21. Jahrhunderts zu bringen, sind mehrere hundert Milliarden Dollar nötig. Doch das Geld für die Modernisierung fehlt.
Der Sesselwechsel beim weltweit grössten Finanzhaus, Citigroup, sorgt für Irritationen: Wer hat wirklich das Sagen? Der neue Chef der Citigroup, der Jurist Charles Prince, soll das angekratzte Image der Bank aufpolieren. Das weltweit grösste Finanzhaus dürfte aber auch inskünftig durch Zukäufe wachsen. Zumal der Architekt der Bank, der abtretende CEO Sanford Weill, weiterhin im Hintergrund wirkt.
Ungesundes Essen: Nach der Tabakindustrie rollt eine Klagewelle auf einen Teil der US-Nahrungsmittelindustrie zu. Amerikas Klägeranwälte nehmen die Nahrungsmittel- und Fastfood-Branche ins Visier. Diese sei schuld an der überbordenden Fettleibigkeit der Amerikaner. Analysten prophezeien McDonald's und Co. dasselbe ruinöse Schicksal wie den Tabakfirmen.
Sie nennen sich positive Punks. Sie lassen sich Kreuze tätowieren. Sie huldigen George W. Bush wegen seiner Bibeltreue. Amerikas Jugend fährt auf christlichen Rock ab.
Die Gratisnutzung einer Wasserquelle am Lake Michigan provoziert den Widerstand der Bevölkerung gegen Nestlé. Am Lake Michigan füllt Nestlé jährlich eine Milliarde Liter Seewasser ab und verkauft es als «Ice Mountain Water». Nestlé bezahlt dafür keinen Dollar. Die Region reagiert nun mit Klagen und Boykotten. Der Konzern reagiert gelassen.
Der Architekt David Childs ersetzt Daniel Libeskind als federführender Bauherr am Ground Zero. Der Wechsel zeigt: In New York befiehlt, wer zahlt.
US-Tierschützerin Ingrid Newkirk hält Fleischesser für Süchtige, empfiehlt Bier statt Milch und verfügte, nach ihrem Tod Taschen aus ihrer Haut zu machen.
Hillary Clintons Autobiografie sorgt für die dringend nötigen Dollars. Die Memoiren der einstigen First Lady Hillary Clinton schlagen alle Rekorde. Sie scheint damit zweierlei zu beabsichtigen: Die Rückkehr ins Weisse Haus - sowie die Tilgung ihrer Schulden.
Die US-Behörden geben grünes Licht für eine weitere Konzentration in der Medienbranche. Künftig dürfen US-Medienkonglomerate fast beliebig viele Zeitungen, Fernseh- und Radiosender besitzen. Eine notwendige Lockerung, jubeln die grossen Medienkonzerne. Das Ende der medialen Vielfalt in den USA, beklagen Konsumentenorganisationen und CNN-Gründer Ted Turner.
Monica Lewinsky führt am amerikanischen Fernsehen durch eine Dating-Show. Ihr neuster Versuch, dem präsidialen Blowjob zu entrinnen, misslingt.
Valentin Zellweger ist der einzige Schweizer am Internationalen Strafgerichtshof (ICC). Der Jurist startet als Stabschef in Den Haag mit vielen Vorschusslorbeeren.
Die Klägeranwälte von geprellten Investoren freuen sich ausgiebig über die faktenreiche Vorarbeit von Eliot Spitzer. Falsche Aktienanalysen kosten die Investmentbanken an der Wallstreet rund 1,4 Milliarden Dollar - vorerst. Mit dem Vergleich ist die Sache nicht ausgestanden. Eine Klagewelle ist im Anzug. Die Forderungen geschädigter Anleger könnten 40 Milliarden Dollar erreichen.
Hochparterre,
7. May 2003
Wer entscheidet, was am Ground Zero gebaut wird? Das weiss eigentlich niemand.
Mit 1,4 Milliarden Dollar kaufen sich zehn Wall-Street-Banken von einer Strafklage frei. Betroffen sind auch die US-Töchter von UBS und CS. Der Vergleich hat für die Banken Peinliches ans Tageslicht gerückt. Private Anwälte wollen ihre Zivilklagen nun weiterziehen.
Das Kalkül ist aufgegangen, die mediale Schlacht am Golf gewonnen. Die patriotisch gesinnten US-Medien verbrüderten sich mit dem Militär. Verloren hat das amerikanische Publikum – statt Kontext erhielt es einen Infobrei.
Building America’s Bomb